Zalando, Logistik-Schließung

Zalando: Logistik-Schließung in Erfurt entzweit Management und Belegschaft

06.02.2026 - 06:09:12

Zalandos geplante Schließung des Logistikzentrums Erfurt führt zu schwerem Streit mit dem Betriebsrat, der eine Missachtung von Mitbestimmungsrechten vorwirft. Die Eskalation droht das Image des DAX-Konzerns zu beschädigen.

Der Online-Modehändler Zalando steht vor einem massiven Konflikt mit seinem Betriebsrat. Anlass ist die geplante Schließung des Logistikzentrums in Erfurt, die das Schicksal von rund 2.700 Mitarbeitern besiegeln würde. Der Vorwurf: Das Management habe die gesetzlich garantierten Mitbestimmungsrechte missachtet. Die jüngste Krisen-Betriebsversammlung offenbarte tiefe Gräben.

Verhärtete Fronten in der Messehalle

Die angespannte Lage spitzte sich bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Donnerstag zu. Um alle Betroffenen zu versammeln, mietete der Betriebsrat kurzerhand eine komplette Messehalle in Erfurt an. Neben der internationalen Belegschaft – die Veranstaltung musste simultan übersetzt werden – waren auch ein Vorstandsmitglied von Zalando sowie Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos John (CDU) und Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) vor Ort.

Der Betriebsrat wirft der Führung vor, Fakten geschaffen zu haben, ohne ihn rechtzeitig und umfassend zu informieren und zu beraten. „Das ist eine klare Missachtung des Betriebsverfassungsgesetzes“, so der Tenor. Bei einer wesentlichen Betriebsänderung wie einer Standortschließung ist die frühzeitige Einbindung des Betriebsrats jedoch nicht nur Pflicht, sondern auch strategische Klugheit, um Akzeptanz zu schaffen.

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Ein Präzedenzfall für die Unternehmenskultur

Der Streit in Erfurt ist mehr als ein lokaler Konflikt. Er wird zum Lackmustest für die gelebte Sozialpartnerschaft im DAX-Konzern. Während andere Unternehmen, wie die zur Otto Group gehörende Witt-Gruppe, Personalanpassungen in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern angehen, scheint bei Zalando der Dialog gestört.

Die Landesregierung hat bereits deutliche Kritik an der Vorgehensweise des Unternehmens geübt. Die politische Beteiligung erhöht den Druck auf das Management erheblich. Ist die Geduld der Belegschaft nach früheren Umstrukturierungen nun endgültig erschöpft?

Droht der Gang vor Gericht?

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine einvernehmliche Lösung noch möglich ist. Sollte der Betriebsrat weiterhin auf taube Ohren stoßen, bleibt ihm der Weg zu den Arbeitsgerichten. Dort könnte die Rechtmäßigkeit von Zalandos Vorgehen überprüft werden.

Für den Mode-Riesen steht viel auf dem Spiel: Neben den wirtschaftlichen Folgen der Schließung droht ein erheblicher Imageschaden. Ein öffentlicher Rechtsstreit um Mitbestimmung würde das Bild des modernen, mitarbeiterfreundlichen Arbeitgebers nachhaltig beschädigen. Die Frage ist nun: Wird das Management die Eskalation beenden und auf den Betriebsrat zugehen?

@ boerse-global.de