Xiaomi Aktie: Ziel auf 95 Millionen gesenkt
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 07:37 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Xiaomi kappt sein Absatzziel für 2026 um rund 30 Prozent. Grund ist ein globaler Speicherchip-Engpass, der die gesamte Handy-Branche trifft. Trotzdem legt die Aktie am Freitag deutlich zu — ein Widerspruch, der genauer hinschauen lohnt.
Zielkorrektur um fast ein Drittel
Xiaomi senkt seine Smartphone-Prognose für 2026 von 135 Millionen auf rund 95 Millionen Geräte. Der Grund: Speicherchips werden weltweit knapp. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur saugt Kapazitäten ab, die früher für Handy-Komponenten reserviert waren.
Xiaomi hat die Revision in den vergangenen Wochen an seine Zulieferer kommuniziert. Der Schritt zeigt, wie stark der Speicherengpass die Wettbewerbslandschaft verändert.
Xiaomi steht damit nicht allein da. Chinas drei größte Android-Hersteller haben laut Nikkei Asia ihre Ziele für 2026 um bis zu 30 Prozent gekürzt. Auch südkoreanische Medien bestätigen das Ausmaß: Ein anderer Hersteller senkte sein Auslieferungsziel von 110 Millionen auf 95 Millionen Einheiten — ein Rückgang von 44 Prozent gegenüber den 170 Millionen Einheiten im Vorjahr.
Schwaches Verkaufsfestival verschärft die Lage
Die Kürzung folgt auf eine enttäuschende Performance während Chinas Mitte-Jahres-Verkaufsfestival. Das Fest gilt traditionell als Gradmesser für die Konsumnachfrage im Land.
Besonders hart trifft es Xiaomi im Budget- und Mittelklassesegment. Preissensible Käufer akzeptieren höhere Gerätepreise kaum.
Der Grund für den Engpass: Hersteller verschieben ihre Fertigungskapazitäten hin zu Hochleistungsspeicher für Rechenzentren. Gartner rechnet damit, dass der Engpass die globalen Smartphone-Auslieferungen 2026 um 8,4 Prozent drückt. Gleichzeitig dürften die durchschnittlichen Smartphone-Preise gegenüber 2025 um 13 Prozent steigen. Gartner-Analyst Ranjit Atwal nennt das Ausmaß und die Dauer der Preissteigerungen beispiellos — eine Entspannung erwartet er frühestens Ende 2027.
Auto-Sparte stützt, ersetzt aber nicht
Während das Smartphone-Geschäft schwächelt, läuft die Elektroauto-Sparte robuster. Xiaomi lieferte im Juni den dritten Monat in Folge mehr als 30.000 Elektrofahrzeuge aus. Das zeigt Produktionsdisziplin, wenn auch kein explosives Wachstum.
Das Management setzt zudem auf "Titan Alloy 2.0", eine recycelte Aluminiumlegierung für effizienteres Gigacasting.
Das Smartphone-Geschäft bleibt trotzdem Xiaomis zentraler Gewinnmotor. Solange sich der Speicherengpass nicht entspannt, dürfte die Aktie kaum aus dem Schatten ihrer jüngsten Geschichte treten. Die Reduzierung auf 95 Millionen Einheiten ist ein schmerzhafter, aber pragmatischer Schritt. Xiaomi stellt damit Profitabilität über Volumen — in einem Markt, der kaum Spielraum für Fehler lässt.
Kursreaktion und Ausblick
Die Xiaomi-Aktie schloss am Freitag bei 2,95 Euro, ein Plus von 5,21 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht summiert sich der Kursgewinn auf 11,30 Prozent. Auf Monatssicht bewegt sich das Papier mit plus 1,15 Prozent kaum vom Fleck.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 34,31 Prozent zu Buche. Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs mit einem Rückgang von 52,45 Prozent nahezu halbiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,51 Euro aus dem September 2025 bleibt die Aktie noch 54,69 Prozent entfernt.
Der Relative-Stärke-Index von 60,6 signalisiert eine moderate Erholung, ohne dass die Aktie bereits überkauft wäre. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 42,47 Prozent zeigt: Das Papier bleibt außergewöhnlich schwankungsanfällig.
Wie nachhaltig die Erholung ist, hängt von zwei Faktoren ab. Erstens: wie schnell sich der Speicherchip-Engpass löst. Zweitens: ob das margenstärkere Auto-Geschäft die Verluste im Smartphone-Segment auffangen kann.
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