WWF, Aufweichung

WWF warnt vor Aufweichung der EU-Entwaldungsverordnung

24.03.2026 - 11:48:46 | boerse-global.de

Die Umweltschutzorganisation erhöht den Druck auf die EU-Kommission, die verschärfte Entwaldungsverordnung nicht weiter zu verwässern. Die für April geplante Überprüfung gilt als entscheidend für die Glaubwürdigkeit der europäischen Umweltpolitik.

WWF warnt vor Aufweichung der EU-Entwaldungsverordnung - Foto: über boerse-global.de
WWF warnt vor Aufweichung der EU-Entwaldungsverordnung - Foto: über boerse-global.de

Die Umweltschutzorganisation WWF fordert die EU auf, die verschärfte Entwaldungsverordnung endlich umzusetzen und nicht weiter zu verwässern. Anlass ist die für April geplante Überprüfung des Gesetzes.

Brüssel/Berlin – Pünktlich zum Osterfest 2026 erhöht der WWF den Druck auf die Europäische Kommission. Die Naturschützer fordern ein Ende der Verzögerungstaktiken bei der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Nach zwei Verschiebungen des Starttermins steht die Glaubwürdigkeit der europäischen Umweltpolitik auf dem Spiel, so die Warnung.

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Besonders im Fokus steht der Rohstoff Kakao, der aktuell die Lieferketten für die Ostersaison dominiert. „Schokolade darf kein Waldkiller sein“, sagt Dominik Heizmann von WWF Österreich. Er fordert lückenlose Rückverfolgbarkeit, um sicherzustellen, dass Produkte unter fairen und entwaldungsfreien Bedingungen hergestellt werden.

Oster-Schokolade auf Kosten des Regenwalds

Der WWF nutzt das Fest, um auf die dramatischen Folgen des Kakaoanbaus hinzuweisen. In Europa werden jährlich enorme Mengen Schokolade konsumiert. Österreich liegt mit rund acht Kilogramm pro Kopf an der Spitze. Ein Großteil des Kakaos stammt aus Westafrika, wo oft ökologisch schädliche Monokulturen vorherrschen.

Diese Anbauformen machen die Pflanzen anfälliger für die Klimakrise – und treiben so die Preise in die Höhe. Die EUDR sei das effizienteste Instrument, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, betont der WWF. Statt das Gesetz durch weitere Ausnahmen zu schwächen, müsse die Politik endlich Verantwortung übernehmen.

Droht im April die dritte Aufweichung?

Ein zentraler Streitpunkt ist die für April 2026 geplante Überprüfung der Verordnung durch die EU-Kommission. In einem gemeinsam Schreiben forderten der WWF und andere NGOs Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf, den Gesetzestext dabei nicht erneut anzutasten.

Experten befürchten, dass politische Kräfte die Gelegenheit nutzen könnten, die EUDR ein drittes Mal zu verwässern. „Das würde massive Unsicherheit in den globalen Lieferketten schaffen“, warnt Anke Schulmeister-Oldenhove vom WWF European Policy Office. Während Kleinbauern bereits in Rückverfolgbarkeit investiert hätten, drängten Lobbygruppen in Europa weiter auf Sonderbehandlungen.

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Verlorene Jahre für den Klimaschutz

Die Folgen der bisherigen Verzögerungen sind gravierend. Nach WWF-Berechnungen führt jedes Jahr Aufschub zu zusätzlichen Emissionen von etwa 16,8 Millionen Tonnen CO2. Zum Vergleich: Für die Kompensation dieser Menge wären mehr als doppelt so viele Bäume nötig wie in ganz Belgien stehen. Zudem gehen pro Minute etwa 100 Bäume weltweit durch den EU-Konsum verloren.

„Die wiederholten Verschiebungen sind ein massiver Gesichtsverlust für die EU-Kommission“, sagt Susanne Winter, Waldexpertin beim WWF Deutschland. Der Handlungsbedarf bleibe unbestritten. Zwischen 1990 und 2020 gingen global rund 420 Millionen Hektar Wald verloren – eine Fläche größer als die gesamte EU.

Wo steht das Gesetz heute?

Nach den Beschlüssen von Dezember 2025 sieht die aktuelle Rechtslage so aus:

  • Große und mittlere Unternehmen müssen die EUDR erst ab dem 30. Dezember 2026 einhalten.
  • Für Kleinst- und Kleinunternehmen gilt eine verlängerte Frist bis zum 30. Juni 2027.
  • Es wurden Erleichterungen eingeführt, etwa die Beschränkung der Sorgfaltspflicht auf den ersten Abnehmer.
  • Druckerzeugnisse wie Bücher wurden vorerst ausgenommen.

Die Wirtschaft reagiert gespalten. Während Handwerksverbände den Aufschub begrüßen, kritisieren Konzerne wie Nestlé die mangelnde Planungssicherheit durch ständige Änderungen.

Entscheidender Frühling für Europas Waldschutz

Die Wochen bis Ende April 2026 gelten als entscheidend für die Zukunft der europäischen ESG-Compliance (Environmental, Social, and Governance). Der WWF kündigte an, den Druck auf die Politik aufrechtzuerhalten, damit die EUDR nicht zum zahnlosen Papiertiger wird.

Branchenbeobachter erwarten von der Kommission ein „Vereinfachungspaket“. Ob dieses nur Prozesse optimiert oder erneut in die Substanz des Waldschutzes eingreift, wird über die globale Führungsrolle der EU in puncto Nachhaltigkeit entscheiden. Der WWF fordert klare Sanktionen für Verstöße, um fairen Wettbewerb für Vorreiter-Unternehmen zu gewährleisten.

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