Wolters-Kluber-Studie, Legal-Tech

Wolters-Kluber-Studie: Legal-Tech treibt Compliance-Boom in Deutschland

12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.de

Eine Studie zeigt, dass technologische Expertise für Juristen zur Kernqualifikation wird. Neue EU-Regularien und KI-Tools treiben die Nachfrage nach hybriden Compliance-Profilen.

Wolters-Kluber-Studie: Legal-Tech treibt Compliance-Boom in Deutschland - Foto: über boerse-global.de
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Deutsche Unternehmen suchen händeringend nach Juristen mit IT-Kenntnissen. Eine aktuelle Studie zeigt: KI verändert den Berufsstand grundlegend.

Der Bedarf an Legal- und Compliance-Experten in Deutschland erreicht historische Höhen. Auslöser ist ein perfekter Sturm aus neuen EU-Regularien und der rasanten Digitalisierung der Rechtsbranche. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Informationsdienstleisters Wolters Kluwer belegt: Technologie-Kompetenz ist für Juristen heute kein Nice-to-have mehr, sondern eine Kernqualifikation. Für den „Future Ready Lawyer Survey 2026“ wurden über 800 Rechtsprofis weltweit, darunter viele aus Deutschland, befragt.

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KI wird zum Alltagswerkzeug in Kanzleien und Konzernen

Die integration von Künstlicher Intelligenz schreitet rasant voran. Laut der Studie nutzen bereits 92 Prozent der Befragten mindestens ein KI-Tool in ihrer täglichen Arbeit. Die Effizienzgewinne sind spürbar: 62 Prozent der Juristen sparen wöchentlich bis zu 20 Prozent ihrer Zeit durch KI-Unterstützung.

Diese Entwicklung verändert die Einstellungskriterien grundlegend. In den Rechtsabteilungen deutscher Konzerne halten 75 Prozent technologische Expertise für eine „extrem wichtige“ oder „wichtige“ Qualifikation bei Neueinstellungen. Bei traditionellen Anwaltskanzleien sind es immerhin noch 66 Prozent. Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf Hybrid-Profile, die tiefes regulatorisches Wissen mit digitalem Know-how verbinden.

EU-Regulierungswelle zwingt den Mittelstand zum Handeln

Der eigentliche Treiber des Booms ist jedoch eine Flut neuer EU-Vorschriften. Ab 2026 verpflichtet die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) Tausende deutsche Mittelständler zu detaillierten Nachhaltigkeitsberichten. Aus einer freiwilligen CSR-Maßnahme wird so ein überlebenswichtiger Compliance-Faktor.

Hinzu kommen die durchsetzbare KI-Verordnung der EU und die NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit. Sie zwingen Unternehmen, ihr Risikomanagement komplett zu überarbeiten. Die Folge: Konzerne suchen dringend nach Compliance-Analysten, Datenschutzbeauftragten und Regulierungsberatern, die digitale Risikobewertungen vornehmen können. Die Rechtsabteilung mutiert vom Kostenfaktor zum essenziellen Schutzschild gegen hohe Strafen und Reputationsschäden.

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Vom Aktenprüfer zum strategischen Geschäftspartner

Mit den neuen Aufgaben wandelt sich auch das Berufsbild. Erwartet wird heute der strategische Business-Partner, der Risiken proaktiv identifiziert und nachhaltiges Wachstum ermöglicht – nicht der reine Vertragsprüfer. Besonders gefragt sind Juristen mit Staatsexamen, die auch betriebswirtschaftliches Verständnis, Kenntnisse in digitaler Transformation und Lieferketten-Compliance mitbringen.

Laut Wolters Kluwer zeigen sich 61 Prozent der Rechtsprofis zuversichtlich, dass ihre Organisationen Geschäftspraktiken und Preismodelle an die neuen tech-getriebenen Effizienzen anpassen können. Compliance-Experten sind damit zunehmend in frühe Führungsentscheidungen eingebunden, um von Beginn an die Einhaltung internationaler Vorgaben sicherzustellen.

Fachkräftemangel zwingt zu Umschulung und Weiterbildung

Trotz der hohen Nachfrage verschärft der allgemeine Fachkräftemangel den Wettbewerb um die raren Hybrid-Profile. Unternehmen und Kanzleien reagieren mit massiven Investitionen in die Weiterbildung ihrer bestehenden Belegschaft.

Die Studie unterstreicht, dass Karriereentwicklung zum Schlüsselfaktor für die Bindung von Talenten wird. Für 69 Prozent der Juristen sind Chancen auf kontinuierliche Weiterbildung prioritär. Für 66 Prozent ist die Investition des Arbeitgebers in moderne Legal-Tech ein entscheidendes Kriterium, um im Unternehmen zu bleiben. Immer öfter ergänzen daher Data Scientists und KI-Spezialisten die klassischen Rechtsteams.

Paradigmenwechsel: Rechtsabteilungen werden unabhängiger

Die Entwicklung markiert eine Machtverschiebung in der gesamten Branche. Interne Rechtsabteilungen waren lange auf spezialisierte externe Kanzleien angewiesen. Durch die Demokratisierung von Legal-Tech und KI-gestützten Recherchetools werden sie nun immer autonomer. 54 Prozent der Befragten erwarten, dass Kanzleien ihre tech-getriebenen Effizienzgewinne nutzen, um entweder mehr Mandate zu bearbeiten oder wettbewerbsfähigere Preise anzubieten.

Die Grenzen zwischen IT-Abteilung, Nachhaltigkeitsbüro und Rechtsdienstleistung lösen sich auf. Erfolgreich sind jene Unternehmen, die Compliance nicht als bürokratische Pflichtübung, sondern als integrierte, datengesteuerte Betriebsstrategie begreifen. Für die kommenden Jahre prognostizieren Branchenbeobachter eine anhaltend starke Nachfrage nach anpassungsfähigen, tech-affinen Compliance-Führungskräften, die den Spagat zwischen Innovation und Regulierung meistern können.

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