Wohnungsmangel, Deutschlands

Wohnungsmangel bremst Deutschlands Arbeitsmarkt aus

17.01.2026 - 09:55:12

Eine Rekordlücke von 1,4 Millionen Wohnungen hemmt das Wirtschaftswachstum, da sie die Zuwanderung und Mobilität von Fachkräften massiv behindert. Unternehmen reagieren mit eigenen Wohnungsinitiativen.

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem neuen, unerbittlichen Gegner: dem leergefegten Wohnungsmarkt. Eine Rekordlücke von 1,4 Millionen Wohnungen wird zur direkten Wachstumsbremse und gefährdet die Zuwanderung von Fachkräften.

Studie schlägt Alarm: 1,4 Millionen Wohnungen fehlen

Die Warnungen sind nicht mehr zu überhören. Das Pestel-Institut legte diese Woche in Berlin eine Studie vor. Demnach fehlten zum Jahreswechsel 2024/2025 rund 1,4 Millionen Wohnungen – ein historischer Höchststand. Die Konsequenz für Personalabteilungen ist massiv: Wer keine Wohnung findet, kann den Job nicht antreten.

Der Neubau kommt kaum voran. Prognosen sagen für die kommenden Jahre nur etwa 200.000 neue Einheiten pro Jahr voraus. Das ist gerade einmal die Hälfte des von der Bundesregierung ausgegebenen Ziels von 400.000. Besonders betroffen sind die wirtschaftsstarken Bundesländer. Nordrhein-Westfalen fehlen 376.000 Wohnungen, Bayern 233.000 und Baden-Württemberg 196.000. In diesen Ballungsräumen wird die Wohnungssuche für Bewerber zur unüberwindbaren Hürde.

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„Keine Wohnung, kein Arbeiter“ – Der Teufelskreis

Der Zusammenhang ist eindeutig: Die Wohnungskrise verschärft den Fachkräftemangel direkt. Immer mehr qualifizierte Kandidaten lehnen Jobangebote ab – nicht wegen der Stelle, sondern weil sie keine bezahlbare Unterkunft finden. Das trifft internationale Fachkräfte besonders hart. Sie stehen vor einem doppelten Problem: dem knappen Angebot und Vorbehalten von Vermietern, die oft lokale Mieter mit etablierter Schufa-Auskunft bevorzugen.

Personalverantwortliche berichten von einem alarmierenden Trend. Immer wieder werden unterschriebene Arbeitsverträge aufgelöst, noch bevor der erste Arbeitstag beginnt. Der Grund? Der neue Mitarbeiter findet einfach keine Wohnung. Damit steht die gesamte Zuwanderungsstrategie der Bundesregierung auf dem Spiel, die maßgeblich auf Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern setzt.

Junge Talente und Mobilität im Würgegriff

Die Krise trifft nicht nur internationale Recruiting-Bemühungen. Die Studie identifiziert junge Menschen unter 25 Jahren als „benachteiligte Gruppe“ auf dem Wohnungsmarkt. Für Ausbildungs- und Berufseinsteiger wird es immer schwieriger, von zu Hause auszuziehen oder in die teuren Jobzentren zu ziehen.

Die Folge: Der Arbeitsmarkt erstarrt. Kann ein Bewerber aus dem ländlichen Sachsen nicht nach München ziehen, weil die Miete sein Einstiegsgehalt auffrisst, fehlt die notwendige Mobilität. Potenzielle Arbeitskräfte bleiben in Regionen mit geringerer Nachfrage gefangen, während in Ballungszentren die Stellen unbesetzt bleiben. Ein klassischer Teufelskreis für die Wirtschaft.

Die Renaissance der Werkswohnungen

Als Reaktion auf dieses strukturelle Versagen besinnen sich Unternehmen auf ein altes Modell: die Werkswohnung. Seit Ende 2025 mehren sich die Berichte, dass Arbeitgeber selbst als Vermieter auftreten oder als Mittler Wohnungen sichern.

Großkonzerne und zunehmend auch mittelständische Unternehmen investieren direkt in Wohnprojekte oder kaufen Belegungsrechte von Bauträgern. Das Ziel ist ein „Job-plus-Wohnung“-Paket, das den öffentlichen Wohnungsmarkt für die eigenen Mitarbeiter umgeht. Doch diese Lösung ist kapitalintensiv und steht nicht jedem Betrieb offen. Der Mittelstand gerät so im Wettbewerb um Talente weiter unter Druck.

Verbände wie der ZIA fordern seit langem steuerliche Anreize und weniger Bürokratie, um den Bau von Mitarbeiterwohnungen attraktiver zu machen. Wohnraum wird zum entscheidenden Faktor im Employer Branding.

Ausblick 2026: Die Krise bleibt

Die Prognose für 2026 gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Der Neubau bleibt laut Pestel-Institut weit unter dem benötigten Niveau. Der Druck auf Mieten und Verfügbarkeit wird sich weiter verschärfen.

Für Personalchefs bedeutet das: Die Unterstützung bei der Wohnungssuche muss vom „Nice-to-have“ zum strategischen Standard werden. Umzugsagenturen, vorübergehende Mietzuschüsse und Partnerschaften mit Wohnungsgenossenschaften werden zur existenziellen Notwendigkeit im Recruiting.

Die Zahlen vom Januar 2026 zeigen es deutlich. Der Wohnungsmangel ist kein Problem der Stadtplaner mehr. Er ist ein volkswirtschaftliches Risiko erster Ordnung. Solange die Lücke von 1,4 Millionen Wohnungen nicht geschlossen wird, bleibt Deutschlands Wachstum schwach – nicht wegen fehlender Jobs, sondern wegen fehlender Betten für die Arbeiter.

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