Wirtschaftskammer, Kritik

Wirtschaftskammer: 675.000-Euro-Beraterkosten entfachen neue Kritik

14.02.2026 - 19:09:12

Die Wirtschaftskammer Österreich steht wegen hoher Kosten für eine externe Untersuchung in der Kritik. Die Ausgaben konterkarieren den Sparkurs und heizen die Systemdebatte neu an.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) steht wegen eines teuren Prüfauftrags in der Kritik. Rund 675.000 Euro netto soll die externe Untersuchung durch KPMG kosten – und gibt damit den Gegnern der Pflichtmitgliedschaft neuen Auftrieb.

Die neue Präsidentin Martha Schultz wollte mit der Prüfung eigentlich Vertrauen zurückgewinnen. Nach den Turbulenzen um hohe Funktionsentschädigungen und den Rücktritt ihres Vorgängers Harald Mahrer Ende 2025 sollte die Analyse für Transparenz sorgen. Doch die hohen Beraterkosten wirken nun wie ein Bumerang.

Notwendige Aufklärung oder neuerlicher Exzess?

Die FPÖ attackiert die Ausgaben scharf. Statt fast eine Dreiviertelmillion Euro für externe Berater auszugeben, sollte lieber die Zwangsmitgliedschaft abgeschafft werden, so die Kritik. Das Geld stamme schließlich aus Pflichtbeiträgen der Mitgliedsbetriebe.

Die Kammerführung verteidigt den Schritt als notwendige Investition in Modernisierung und transparente Gebarung. Die Ergebnisse der Prüfung werden für Juni erwartet.

Sparkurs unter Beschuss

Präsidentin Schultz steht unter Druck, einen klaren Bruch mit der Vergangenheit zu signalisieren. Erst Ende Januar kündigte die WKÖ an, im laufenden Jahr 4,2 Millionen Euro einsparen zu wollen. Sogar die teure Loge beim Wiener Opernball strich man als Symbolakt.

Anzeige

Während die WKÖ über Sparmaßnahmen diskutiert, fragen sich viele Unternehmer, wie sie kurzfristig ihre Liquidität stärken können. Ein kostenloser 19-seitiger Leitfaden „Abschreibung von A–Z“ zeigt, welche Abschreibungsregeln und Sonderabschreibungen Sie nutzen können, um Steuern zu sparen und Investitionen zu finanzieren. Jetzt kostenlosen Abschreibungs-Guide herunterladen

Doch die hohen Beraterkosten für die externe Untersuchung konterkarieren diesen Sparkurs nun. Kritiker stellen die Glaubwürdigkeit des gesamten Reformvorhabens infrage.

Systemdebatte um Pflichtmitgliedschaft neu entfacht

Die aktuelle Kontroverse ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit den Vorfällen im Herbst 2025 fordern FPÖ, NEOS und Grüne strukturelle Reformen oder gar die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft lauter denn je.

Im Fokus stehen dabei:
* Milliarden-Rücklagen: Kritiker beziffern die angesammelten Reserven der Kammer auf über zwei Milliarden Euro.
* Fehlende Entlastung: Die Mittel sollten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Betrieben zugutekommen, etwa durch Streichung der Kammerumlage 2.
* Bevölkerungsmeinung: Eine Umfrage von Ende 2025 zeigte, dass 60 Prozent der Österreicher ein Ende der Zwangsmitgliedschaft befürworten.

Vertrauensverlust und politische Zwickmühle

Wiederkehrende Debatten um hohe Ausgaben nähren einen grundlegenden Verdacht: Die gesicherten Einnahmen durch Pflichtbeiträge führten zu mangelndem Verantwortungsbewusstsein. Die neue Führung steckt in einer Zwickmühle. Jeder kostspielige Schritt – selbst zur Aufklärung – wird misstrauisch beäugt und politisch instrumentalisiert.

Die kommenden Monate werden entscheidend. Der KPMG-Bericht im Juni wird die Reformfähigkeit der Kammerspitze auf die Probe stellen. Gleichzeitig halten Oppositionsparteien den Druck aufrecht. Für Österreichs Unternehmer bleibt die Frage: Führen die Reformen zu einer echten Entlastung?

@ boerse-global.de

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis. Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt anmelden.