Wikipedia, Millionendeals

Wikipedia schließt Millionendeals mit Tech-Giganten

15.01.2026 - 12:05:12

Die Wikimedia Foundation etabliert mit Microsoft, Meta und Amazon ein neues Geschäftsmodell, um den industriellen Zugriff auf ihre Daten zu monetarisieren und die Server zu entlasten.

Wikipedia sichert sich mit KI-Größen wie Microsoft und Amazon neue Einnahmequellen. An seinem 25. Geburtstag stellt die Enzyklopädie die Weichen für die Zukunft im KI-Zeitalter.

LONDON. Zum 25. Jubiläum vollzieht Wikipedia eine strategische Wende. Die Wikimedia Foundation hat am Donnerstag wegweisende Lizenzvereinbarungen mit führenden KI- und Technologieunternehmen bekannt gegeben. Partner sind unter anderem Microsoft, Meta (Facebook) und Amazon. Damit reagiert die weltgrößte Online-Enzyklopädie auf den immensen Datenhunger der Künstlichen Intelligenz.

Ein neues Geschäftsmodell für das KI-Zeitalter

Die Verträge markieren das Ende der kostenlosen Nutzung durch Großkonzerne. Jahrelang hatten Tech-Firmen Wikipedia-Inhalte gesammelt, um ihre Sprachmodelle zu trainieren – ohne Vertrag und ohne zu zahlen. Diese Praxis belastete die Server der Non-Profit-Organisation erheblich und trieb die Kosten in die Höhe.

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„Wikipedia ist eine fundamentale Infrastruktur des modernen Internets“, sagt Lane Becker, Präsident von Wikimedia Enterprise. Dieses kommerzielle Produkt vermarktet den Datenzugang nun an Unternehmen. Die neuen Partnerschaften seien eine Anerkennung dieser Realität. Die Tech-Konzerne würden endlich die Ökosysteme finanziell unterstützen, von denen ihre Innovationen abhingen.

Die finanziellen Details der Verträge bleiben geheim. Klar ist: Die Abonnements entlasten die Community-Server, denn die Firmen greifen nicht mehr auf die öffentliche Website zu, sondern auf eine spezielle Schnittstelle.

Jimmy Wales: „Besser als fragwürdige Quellen“

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zeigte sich bei den Feierlichkeiten in London zufrieden. Die Zusammenarbeit mit der KI-Industrie biete Chancen. „Es ist besser, KI mit von Menschen kuratierten und faktengeprüften Inhalten von Wikipedia zu trainieren, als auf weniger verlässliche Quellen zurückzugreifen“, so Wales. Die Enzyklopädie bleibe für die Öffentlichkeit kostenlos. Wer sie jedoch im industriellen Maßstab nutze, müsse auch zu den Kosten beitragen.

Die Ankündigung fällt in eine Phase des Führungswechsels. CEO Maryana Iskander, die die Stiftung durch diese Umbruchphase steuerte, scheidet am 20. Januar aus. Ihre Nachfolgerin wird die ehemalige US-Diplomatin Bernadette Meehan. Sie übernimmt die Aufgabe, den Spagat zwischen KI-Nutzung und dem Schutz der menschlichen Community zu meistern.

Iskander betonte diese Herausforderung: KI könne Informationen zusammenfassen, aber nie das menschliche Urteilsvermögen, die Debatten und den Konsensbildungsprozess ersetzen, die Wikipedia ausmachten.

Ein Präzedenzfall für die ganze Branche

Die Verträge könnten Maßstäbe setzen. Analysten sehen darin ein Signal an die gesamte Kreativ- und Medienbranche. Wikimedia demonstriert, wie Urheber hochwertiger, menschlich generierter Daten im KI-Zeitalter ihre Wertschöpfung sichern können.

Mit Google als erstem Partner 2022 und nun Microsoft, Meta und Amazon etabliert sich ein neuer Standard: Der industrielle Zugriff auf wertvolle Daten hat seinen Preis. Dies passt zum Trend der Data Sovereignty, bei dem Plattellen die Kontrolle über die Nutzung ihrer Inhalte für KI-Trainings zurückfordern.

25 Jahre und 65 Millionen Artikel

Hinter den Geschäftsschlagzeilen steht das eigentliche Jubiläum: 25 Jahre freies Wissen. Seit dem 15. Januar 2001 ist Wikipedia von einem Experiment zu einer digitalen Grundversorgung geworden. Heute umfasst sie über 65 Millionen Artikel in mehr als 300 Sprachen.

Zum Geburtstag ehrt die Stiftung ihre Community. Eine Dokuserie porträtiert die „Wikipedianer“, die die Plattform ehrenamtlich pflegen. Eine digitale Geburtstagskarten-Aktion sammelt Geschichten von Nutzern weltweit. Die Botschaft ist klar: Die Zukunft der Enzyklopädie wird von der Partnerschaft zwischen menschlichen Freiwilligen und einer nachhaltigen Finanzierung durch die Tech-Welt abhängen.

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