Wienwert-Prozess: Politiker und Ex-Chef vor Gericht
17.01.2026 - 18:27:12Am Montag beginnt in Wien der Strafprozess um den milliardenschweren Zusammenbruch der Immobiliengruppe Wienwert. Auf der Anklagebank sitzen Ex-Firmenchef Stefan Gruze und prominente Politiker. Ihnen wird ein Betrugssystem vorgeworfen, das 1.800 Anleger um 41 Millionen Euro gebracht haben soll.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft den elf Angeklagten ein Geflecht aus schwerem Betrug, Untreue und Bilanzfälschung vor. Die Anklage ist über 300 Seiten stark und das Ergebnis jahrelanger Ermittlungen.
Ein „Loch auf, Loch zu“-System
Im Zentrum steht der Vorwurf, dass Wienwert-Chef Stefan Gruze die finanzielle Schieflage des Unternehmens bewusst verschleiert habe. Das auf Gründerzeithäuser spezialisierte Unternehmen soll bereits zahlungsunfähig gewesen sein, als es weiterhin Anleihen bewarb.
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Frische Anlegergelder flossen laut Anklage nicht mehr in Immobilienprojekte. Stattdessen nutzte die Wienwert-Gruppe das Geld nach einem „Loch auf, Loch zu“-Prinzip, um fällige alte Anleihen zurückzuzahlen. Das System brach 2018 zusammen.
Der WKStA wirft Gruze konkret vor:
* Private Schulden mit Firmengeldern bezahlt zu haben
* Sich ungerechtfertigte Boni auszuzahlen
* Immobilien unter Wert verkauft zu haben
* Vermögenswerte beiseitegeschafft zu haben
Die politische Brisanz: ÖVP und SPÖ in der Anklage
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Prozess durch die mitangeklagten Wiener Politiker. Könnte das Verfahren unangenehme Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik offenlegen?
Der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer und seine Ehefrau müssen sich wegen Beitragstäterschaft zur Untreue verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über ihre PR-Agentur Zahlungen der Wienwert erhalten zu haben – ohne angemessene Gegenleistung.
Dem SPÖ-Bezirksvorsteher der Donaustadt, Ernst Nevrivy, wird Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Er soll vertrauliche Informationen über ein Grundstück der Wiener Linien an die Wienwert weitergegeben haben. Das Unternehmen kaufte das Grundstück daraufhin und verkaufte es später mit hohem Gewinn an die Stadt zurück. Als Gegenleistung soll Nevrivy unter anderem VIP-Fußballtickets erhalten haben.
Ein langer Weg zum Prozessauftakt
Die Ermittlungen laufen bereits seit 2017, zwei Jahre bevor die Wienwert-Gruppe 2018 endgültig kollabierte. Ein Sachverständiger bezifferte den Schaden damals auf bis zu 31 Millionen Euro. Die Anklage wurde im Februar 2025 erhoben und ist seit September rechtskräftig.
Die Wienwert hatte ihr Geschäft maßgeblich durch Unternehmensanleihen finanziert, die im Fernsehen als sichere Geldanlage beworben wurden. Der Zusammenbruch riss tausende Privatanleger in den finanziellen Abgrund.
Was kommt im Prozess auf die Beteiligten zu?
Das Verfahren am Wiener Straflandesgericht wird voraussichtlich langwierig werden. Die Staatsanwaltschaft plant, mehr als 80 Zeugen zu vernehmen. Die ersten vier Verhandlungstage sind für die Einvernahme der 14 Angeklagten und Eröffnungsvorträge reserviert.
Neben Stefan Gruze und den Politikern müssen sich auch zwei seiner Vorgänger, weitere Mitarbeiter und der Unternehmer Klemens Hallmann vor Gericht verantworten. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Parallel zum Strafprozess kämpfen geschädigte Anleger weiter auf zivilrechtlichem Weg um ihr Geld. Der Fall Wienwert bleibt ein mahnendes Beispiel für die Risiken spekulativer Immobilienanlagen.
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