Wienerberger Aktie: EBITDA-Ziel um 110 Millionen gesenkt
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 03:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Wienerberger-Aktie taumelt weiter Richtung Jahrestief. Am Freitag schloss das Papier bei 20,22 Euro, ein Minus von 1,94 Prozent auf Tagesbasis. Damit liegt der Kurs nur noch 1,51 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 19,92 Euro, das erst am Freitag markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index von 26,9 signalisiert eine technisch überverkaufte Lage – ein Warnsignal, das aber angesichts der fundamentalen Nachrichtenlage der vergangenen Woche wenig überrascht.
Gewinnwarnung trifft auf schwaches Neubaugeschäft
Auslöser der jüngsten Talfahrt ist die Prognosesenkung, die Wienerberger am 21. Juli veröffentlichte. Der Baustoffkonzern kappte sein Ziel für das operative EBITDA im laufenden Geschäftsjahr von rund 810 Millionen Euro auf nunmehr etwa 700 Millionen Euro. Als Ursache nannte das Unternehmen die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau in den Kernmärkten USA, Großbritannien und Kanada. Am selben Tag legte Wienerberger sein Trading Update zum zweiten Quartal vor: Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro, getragen von 7 Prozent organischem Wachstum und Zukäufen. Das operative EBITDA sank im selben Zeitraum jedoch auf 230 Millionen Euro, nach 253 Millionen Euro im Vorjahresquartal – ein deutliches Zeichen für schrumpfende Margen trotz steigender Erlöse.
Damit setzt sich ein Muster fort, das bereits im ersten Quartal sichtbar wurde. Im Mai hatte Wienerberger für die ersten drei Monate 2026 einen Nettoverlust von 30 Millionen Euro ausgewiesen, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn stand. Der Umsatz war damals um 7 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro gefallen. Die Kombination aus schwächelndem Neubaugeschäft und margenseitigem Druck durch Kosten belastet die Ertragslage seit Jahresbeginn spürbar.
Erste Group reagiert mit Herabstufung
Am Freitag zog die Erste Group Konsequenzen aus der Prognosesenkung und stufte die Aktie von „Buy“ auf „Accumulate“ herab. Zugleich reduzierten die Analysten ihr Kursziel deutlich von 34,70 Euro auf 24,20 Euro. Die Herabstufung fiel zeitlich mit dem jüngsten Kursrückgang zusammen und dürfte den Verkaufsdruck am Freitag mit verstärkt haben.
Strategischer Umbau als Gegengewicht
Parallel zur schwachen operativen Entwicklung treibt Wienerberger den Umbau des Geschäftsmodells voran. Nach Unternehmensangaben stammen inzwischen mehr als 60 Prozent der Umsätze aus den Bereichen Infrastruktur und Renovierung, während die Abhängigkeit vom zyklischen Neubaugeschäft auf unter 40 Prozent gesunken ist. Diese Verschiebung soll die Schwankungsanfälligkeit des Konzerns langfristig verringern.
Zwei Akquisitionen unterstreichen diese Strategie. Ende April vollzog Wienerberger das finale Closing der Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an der italienischen Italcer-Gruppe, einem Spezialisten für Keramikfliesen, um das Renovierungsgeschäft in Südeuropa zu stärken. Im selben Monat schloss der Konzern zudem die Übernahme der Northern Environmental and Water Solutions Group in der nordischen Region ab und baut damit sein Geschäftsfeld Wassermanagement aus. Auf der Hauptversammlung Anfang Mai beschlossen die Aktionäre zudem eine Dividende von 0,95 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025.
Blick nach vorn
Ob der Umbau die operative Schwäche kompensieren kann, dürfte sich mit den kommenden Quartalszahlen zeigen. Am 12. August will Wienerberger den vollständigen Zwischenbericht für das erste Halbjahr veröffentlichen, inklusive detaillierter Einblicke in die Kostenstruktur. Die Ergebnisse für die ersten drei Quartale folgen am 6. November. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen fundamentalem Gegenwind aus dem Neubaugeschäft und den Fortschritten der strategischen Neuausrichtung gefangen.
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