WhatsApp, Indiens

WhatsApp knickt vor Indiens Oberstem Gericht ein

24.02.2026 - 01:11:34 | boerse-global.de

WhatsApp muss in Indien bis März 2026 eine freiwillige Einwilligung für die Datenweitergabe an Meta einführen. Der Fall unterstreicht den globalen Regulierungsdruck auf Tech-Konzerne.

Der Messaging-Riese WhatsApp hat sich vor dem Obersten Gericht Indiens verpflichtet, bis zum 16. März 2026 die Auflagen der Wettbewerbshüter zur Nutzerzustimmung umzusetzen. Die Ankündigung markiert eine entscheidende Wende im jahrelangen Rechtsstreit um die umstrittene Datenteilung mit Mutterkonzern Meta.

Was + Warum wichtig für Deutschland/EU: Der Fall zeigt den weltweit wachsenden Druck auf Tech-Giganten, ihre Datenschutzpraktiken zu reformieren. Für Europa unterstreicht er die Bedeutung der eigenen Regulierung wie dem Digital Services Act (DSA), während deutsche Nutzer und Unternehmen die Entwicklung als Präzedenzfall für den Umgang mit Plattform-Macht beobachten.

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Vor einem Dreiergremium unter Vorsitz von Chief Justice Surya Kant bestätigten Anwälte für WhatsApp und Meta die Einhaltung der Vorgaben der Wettbewerbskommission Indiens (CCI). Konkret muss WhatsApp seinen Nutzern künftig eine transparente und freiwillige Wahl bieten, ob ihre Daten mit anderen Meta-Plattformen geteilt werden dürfen. Das beendet die bisherige „Friss-oder-Stirb“-Politik, die die Untersuchung ursprünglich auslöste.

Langer Rechtsstreit um umstrittene Policy von 2021

Der Konflikt entzündete sich an einer Aktualisierung der Datenschutzrichtlinie im Jahr 2021. WhatsApp machte damals die Zustimmung zur Datenteilung mit Meta zur Bedingung für die weitere Nutzung des Dienstes. Die CCI wertete dies 2024 als Missbrauch der Marktmacht und verhängte eine Strafe von umgerechnet etwa 23 Millionen Euro.

Ein Berufungsgericht bestätigte später die Kernforderung nach wirksamen Nutzerzustimmungen. Indem WhatsApp nun dem Fristtermin zustimmt, zieht es seinen vorläufigen Einspruch gegen die Vollstreckungsanordnung zurück. Das Oberste Gericht erwartet bis April eine eidesstattliche Versicherung zur Compliance.

Globaler Regulierungsdruck von Uganda bis Brüssel

Der Druck auf Meta beschränkt sich nicht auf Indien. Erst vor wenigen Tagen, am 20. Februar 2026, erließ Ugandas Datenschutzbehörde (PDPO) eine wegweisende Anordnung. Sie verpflichtet Meta und WhatsApp, sich im Land zu registrieren und Schutzmaßnahmen für grenzüberschreitende Datenübermittlungen umzusetzen – obwohl die Unternehmen physisch nicht vor Ort sind.

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Diese Entscheidung unterstreicht einen Trend: Immer mehr nationale Aufseher in Schwellenländern setzen ihre Datenschutzgesetze gegen globale Plattformen durch. Für Konzerne wie Meta entsteht so ein komplexes und zersplittertes regulatorisches Umfeld.

In der Europäischen Union wurde WhatsApp im Januar 2026 als „Sehr große Online-Plattform“ (VLOP) unter den DSA eingestuft. Grund war, dass die „Channels“-Funktion die Marke von 45 Millionen EU-Nutzern durchbrach. Bis Mitte Mai 2026 muss das Unternehmen nun strengere Pflichten zur Risikobewertung erfüllen.

Zudem entschied der Europäische Gerichtshof kürzlich, dass WhatsApp Entscheidungen des Europäischen Datenschutzausschusses (EDPB) direkt vor EU-Gerichten anfechten kann. Dies eröffnet dem Unternehmen neue rechtliche Wege in Datenschutzstreitigkeiten.

Kern des Konflikts: Metadaten für kommerzielle Zwecke

Worum geht es im Kern? Während private Chats und Anrufe Ende-zu-Ende-verschlüsselt bleiben, sorgen sich Aufseher vor allem um Metadaten. Dazu zählen Registrierungsinformationen wie Telefonnummern, Gerätedetails, IP-Adressen und Interaktionsdaten mit Geschäftskonten.

Diese Daten können über Meta-Dienste wie Facebook und Instagram hinweg für kommerzielle Zwecke genutzt werden – etwa für personalisierte Werbung. Genau dieses Geschäftsmodell steht nun weltweit auf dem Prüfstand.

Mit den nahenden Fristen in Schlüsselmärkten wie Indien und der EU muss WhatsApp seine globale Strategie zur Datenteilung grundlegend anpassen. Die Ergebnisse werden nicht nur den Betrieb des Messaging-Dienstes neu definieren, sondern auch Präzedenzfälle für die gesamte digitale Plattformökonomie setzen. Die Balance zwischen Nutzerdatenschutz, Wettbewerb und Geschäftsmodellen der Tech-Giganten wird neu justiert.

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