WCO führt 38 neue Zollcodes für Impfstoffe und Medizinprodukte ein
04.02.2026 - 19:13:12Brüssel. Drei globale Organisationen haben eine historische Reform des Zollsystems für medizinische Krisengüter beschlossen. Ab 2028 sollen Impfstoffe und Schutzausrüstung schneller die Grenzen passieren.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Welthandelsorganisation (WTO) und die Weltzollorganisation (WCO) stellen die Weichen für den nächsten Pandemie-Fall. Ihr Plan: Das globale Zollklassifizierungssystem wird umfassend modernisiert. Konkret führt die Reform 38 neue, spezifische Zolltarifnummern ein – vor allem für Impfstoffe und kritische Medizinprodukte.
Ziel ist eine transparentere, schnellere und krisenfestere Lieferkette. Die Änderungen, die am 1. Januar 2028 in Kraft treten, sind eine direkte Lehre aus den Engpässen und Verzögerungen während vergangener Gesundheitsnotstände.
Impfstoff-Handel wird erstmals transparent
Das Herzstück der Reform ist eine Revolution für den Impfstoffhandel. Bislang wurden alle Vakzine unter einem einzigen, groben Zollcode geführt. Das machte es unmöglich, genau nachzuverfolgen, welche Impfstofftypen gegen welche Krankheiten wohin geliefert wurden.
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Das ändert sich grundlegend. Künftig gibt es eine eigene position ausschließlich für Humanimpfstoffe. Innerhalb dieser ermöglichen 38 neue, sechsstellige Untercodes eine präzise Unterscheidung – etwa zwischen Vakzinen gegen Corona, Ebola, Masern oder Malaria.
Was bringt das? Zollbehörden können Lieferungen endlich genau tracken. Bei einem Ausbruch lassen sich gezielte Handelsmaßnahmen ergreifen. Und vor allem: Die Abfertigung prioritärer medizinischer Sendungen wird massiv beschleunigt. „Diese Granularität ist ein Game-Changer für die globale Gesundheitsarchitektur“, so ein Experte.
Von Beatmungsgeräten bis Leichensäcken: Klare Codes für alle Krisengüter
Der Reformwille geht weit über Impfstoffe hinaus. Künftig erhalten auch Dutzende andere lebenswichtige Produkte eigene, spezifische Zollcodes. Die Liste liest sich wie das Inventar einer Pandemie-Bewältigung:
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Gesichtsmasken, Schutzschilde
- Medizingeräte: Beatmungsgeräte, Pulsoximeter, Überwachungsmonitore
- Infrastruktur: Krankenwagen, mobile Kliniken
- Verbrauchsmaterial: Intubationsausrüstung, Absaugpumpen, sogar Kunststoff-Leichensäcke
Diese Präzision ist eine direkte Reaktion auf die Chaos-Szenarien an den Grenzen während der letzten Pandemie. Wo Zollbeamte früher nach unklaren Kategorien suchen mussten, können sie künftig sofort identifizieren und priorisieren.
Was das Harmonisierte System für den globalen Handel bedeutet
Grundlage aller Änderungen ist das Harmonisierte System (HS) der WCO. Dieser weltweite Standard für die Warenklassifizierung wird von über 200 Ländern genutzt – auch von der EU für ihre Kombinierte Nomenklatur (KN). Die ersten sechs Ziffern eines Codes sind damit international identisch.
Die nun für die Ausgabe HS 2028 beschlossenen Änderungen sind das Ergebnis eines sechsjährigen Beratungsprozesses. Sie rücken die Handelspolitik enger an die Ziele der öffentlichen Gesundheit heran. „Es geht um gerechteren Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen“, betont eine WHO-Sprecherin. Die verbesserten Handelsdaten sollen dies langfristig unterstützen.
Zwei Jahre Vorlauf: Jetzt beginnt die Umsetzung in Europa
Für Unternehmen der Pharma- und Medizintechnik-Branche beginnt nun die heiße Phase. Obwohl die neuen Codes erst 2028 gelten, müssen Warenstämme und IT-Systeme rechtzeitig angepasst werden.
Die nationalen Zollverwaltungen und die EU-Kommission haben zwei Jahre Zeit, die globalen HS-Änderungen in die detailliertere europäische Nomenklatur zu überführen. Branchenverbände kündigen bereits Leitfäden und Schulungen an.
Der Appell an die Wirtschaft ist klar: Wer sich frühzeitig mit den neuen Positionen auseinandersetzt, profitiert voll von beschleunigten Abfertigungen und besserer Planbarkeit. Die Reform soll sicherstellen, dass lebenswichtige Güter in der nächsten Krise schneller dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
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