Washington, Labor

Washington wird zum Labor für KI-Regulierung

15.01.2026 - 21:52:12

Der US-Bundesstaat Washington berät über ein Gesetzespaket, das große KI-Anbieter zur Kennzeichnung von Inhalten verpflichtet und Haftungsregeln für risikobehaftete Systeme einführt.

Washington setzt mit einem Paket ambitionierter Gesetze neue Maßstäbe für Transparenz und Haftung bei Künstlicher Intelligenz. Die Heimat von Tech-Giganten wie Microsoft und Amazon könnte damit zum Vorbild für eine nationale KI-Politik werden.

KI-Gesetze im Tech-Herzland

Im US-Bundesstaat Washington hat eine entscheidende Debatte über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz begonnen. Ein Ausschuss des Landesparlaments hörte diese Woche Experten zu einem Paket wegweisender Gesetzesvorlagen an. Kernstück ist ein Entwurf, der große KI-Anbieter verpflichten soll, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen und kostenlose Erkennungstools bereitzustellen. Damit positioniert sich das Tech-Herzland an der Spitze einer nationalen Bewegung – in einem regulatorischen Vakuum, das die US-Bundesregierung bisher ließ.

Doppelte Kennzeichnung für KI-Inhalte

Im Zentrum steht der House Bill 1170. Dieser verlangt von Unternehmen mit über einer Million Nutzern zwei Formen der Offenlegung: eine sichtbare Kennzeichnung, etwa ein Wasserzeichen, und eine in den Metadaten eingebettete. Zudem müssten sie ein kostenloses Tool zur Erkennung von KI-generierten Bildern, Videos oder Audiodateien anbieten. Ziel ist ein zuverlässiges System gegen betrügerische Deepfakes und Desinformation. Die Gesetzgeber wollen damit freiwillige Industriestandards in verbindliches Recht gießen.

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Staaten und Unternehmen stehen weltweit vor neuen Regeln für KI — Washington ist nur ein Beispiel. Die EU‑KI‑Verordnung ist seit August 2024 in Kraft und stellt klare Anforderungen an Kennzeichnung, Risikoklassifizierung und Dokumentation. Der Leitfaden erklärt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und notwendige Dokumentation – plus praktische Checklisten für die Umsetzung. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen

Haftung für “hochriskante” KI-Systeme

Die Transparenzregeln sind Teil einer breiteren Strategie. Parallel wird über den House Bill 2157 beraten, der KI in “hochriskanten” Entscheidungen reguliert. Betroffen wären Systeme, die über Jobs, Wohnungen, Kredite oder Versicherungen entscheiden. Entwickler und Betreiber müssten aktiv diskriminierende Verzerrungen in ihren Algorithmen bewerten und mindern. Weitere Entwürfe schützen Kinder vor schädlichen KI-Chatbots und aktualisieren Persönlichkeitsrechte, um unerlaubte digitale Abbilder und Stimmenklone einzudämmen.

Widerstand aus der Tech-Branche

Die Anhörungen offenbarten eine Kluft zwischen Verbraucherschützern und der Industrie. Die Organisation Consumer Reports unterstützte am 15. Januar grundsätzlich die Transparenz-Pflicht, forderte aber stärkeren Datenschutz und klarere Vorgaben, um Schlupflöcher zu schließen. Die Washington Technology Industry Association hingegen zweifelt die technische Machbarkeit an. Branchenvertreter argumentieren, es gebe keine zuverlässige Methode, alle KI-Inhalte zu erkennen, und Wasserzeichen ließen sich oft entfernen.

Vorbildfunktion für die USA

Washington reagiert auf eine “kritische regulatorische Lücke”, wie ein staatlicher KI-Taskforce-Bericht feststellte. Die Gesetzesvorlagen orientieren sich an bereits verabschiedeten Regelungen in Kalifornien. Dieser Trend könnte zu einem Flickenteppich von Landesgesetzen führen, der de facto nationale Standards setzt. Der House Bill 1170 wird bereits am 16. Januar im zuständigen Ausschuss weiterberaten. Die Entscheidungen der kommenden Wochen werden genau beobachtet – sie könnten prägend sein für die Entwicklung und Nutzung von KI in ganz Amerika.

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