Warnstreiks legen öffentlichen Dienst in mehreren Bundesländern lahm
10.02.2026 - 10:26:12Ver.di und dbb beamtenbund erhöhen mit bundesweiten Arbeitsniederlegungen den Druck vor der entscheidenden dritten Verhandlungsrunde. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro.
Der öffentliche Dienst in zahlreichen Bundesländern steht am Dienstag, dem 10. Februar 2026, still. Die Gewerkschaften ver.di und der dbb beamtenbund und tarifunion haben zu massiven Warnstreiks aufgerufen. Betroffen sind Universitätskliniken, Landesverwaltungen, Straßenmeistereien und Bildungseinrichtungen. Die dritte Verhandlungsrunde mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) beginnt am Mittwoch in Potsdam. Sollte sie scheitern, droht die Eskalation.
Kritische Infrastruktur im Ausnahmezustand
Bereits in den frühen Morgenstunden legten Tausende Beschäftigte im Landesdienst die Arbeit nieder. Die Beteiligung ist nach Gewerkschaftsangaben in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg besonders hoch.
Viele Dienststellen stoßen bei Warnstreiks an die Grenzen vorhandener Dienst- und Notdienstvereinbarungen. Ein kostenloses E-Book mit Muster-Dienstvereinbarung zeigt, wie Personalräte Rufbereitschaft, Notdienste und Ausgleichsregelungen rechtssicher formulieren können – inklusive bearbeitbarer Word-Vorlagen, Musterklauseln und Verhandlungs‑Tipps, die speziell für den öffentlichen Dienst geeignet sind. Praktisch für Betriebsräte und Personalräte in Kliniken, Verwaltungen und Bildungseinrichtungen, die jetzt schnell handlungsfähig sein müssen. Muster‑Dienstvereinbarung jetzt kostenlos herunterladen
Im Gesundheitswesen gelten in vielen Universitätskliniken strenge Notdienstregelungen. In Einrichtungen wie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) oder dem Universitätsmedizin Göttingen werden nicht dringende Operationen und Behandlungen verschoben. Zwar ist die Patientensicherheit durch Notdienstvereinbarungen gewährleistet, der Betriebsablauf ist jedoch massiv beeinträchtigt.
Auch andere Bereiche kommen zum Erliegen. Straßenmeistereien stellen in mehreren Regionen den Betrieb ein. Das könnte Verkehrssicherheit und Winterdienst beeinflussen. In Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg müssen Eltern mit geschlossenen Kitas und ausgefallenem Unterricht rechnen. In Hamburg zog eine Großdemonstration durch die Innenstadt. Die Beschäftigten signalisierten Bereitschaft für einen unbefristeten Streik.
Kernkonflikt: Kaufkraft gegen leere Kassen
Im Zentrum des Konflikts steht die „Tarifrunde der Länder 2026“. Sie betrifft direkt etwa 1,1 Millionen Tarifbeschäftigte. Das Ergebnis wird üblicherweise auf weitere 1,3 Millionen Beamte übertragen.
Die Gewerkschaften fordern eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Sie argumentieren mit den Kaufkraftverlusten der vergangenen drei Jahre. Zusätzlich verlangen sie eine zwölfmonatige Laufzeit und 200 Euro mehr für Auszubildende sowie deren Übernahme.
Die Arbeitgeber, vertreten durch die TdL, lehnen die Forderungen als „unfinanzierbar“ ab. Ihr Vorsitzender, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel, pocht auf „Realismus“. In der zweiten Verhandlungsrunde Mitte Januar legte die TdL kein tabellarisches Angebot, sondern nur „Eckpunkte“ vor. Diese sehen eine Laufzeit von 29 Monaten und schrittweise Erhöhungen bis 2028 vor, orientiert an der prognostizierten Inflation.
Experten sehen vor allem die Mindestsumme von 300 Euro als großen Streitpunkt. Sie würde die Personalkosten in den unteren Entgeltgruppen überproportional erhöhen und die angespannten Landeshaushalte zusätzlich belasten.
Notdienstvereinbarungen verhindern den Totalausfall
Was derzeit einen kompletten Kollaps verhindert, sind ausgehandelte Dienst- und Notdienstvereinbarungen. Sie sorgen in Kliniken für eine Mindestbesetzung auf Intensivstationen und in Notaufnahmen.
Gewerkschaftsvertreter, etwa am Universitätsklinikum Frankfurt, betonen jedoch: Diese Vereinbarungen dienen ausschließlich der Notfallversorgung. Sie sollen nicht den regulären Betrieb während eines Streiks aufrechterhalten. Diese Unterscheidung unterstreicht die Schärfe der aktuellen Warnstreiks. Die Einschränkung des Regelbetriebs soll für die Arbeitgeber wirtschaftlich spürbar sein.
Verhärtete Fronten vor Potsdam
Die Rhetorik beider Seiten hat sich in den letzten 48 Stunden deutlich verschärft. Ver.di-Chef Frank Werneke kritisierte die Haltung der Arbeitgeber scharf. Deren „Eckpunkte“ seien unzureichend und zeugten von mangelndem Respekt vor der Leistung der Beschäftigten. Die Gewerkschaften erwarten zu Verhandlungsbeginn in Potsdam ein „verhandlungsfähiges Angebot“.
Die TdL hält dagegen: Die Gewerkschaftsforderungen würden die Länder Milliarden kosten. Dieses Geld fehle dann für Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur. Dbb-Vize Volker Geyer warnte am 9. Februar, die Geduld der Belegschaften sei am Ende. Sollte die dritte Runde ohne Ergebnis bleiben, bliebe nur die Urabefragung für einen unbefristeten Erzwingungsstreik.
Entscheidungstage in Potsdam
Die dritte Verhandlungsrunde findet vom 11. bis 13. Februar in Potsdam statt. Der Druck der heutigen Streiks soll die Arbeitgeber zu einem deutlich besseren Angebot bewegen – insbesondere bei der Laufzeit und der sozialen Komponente der Erhöhung.
Ein Kompromiss würde wahrscheinlich eine Laufzeit zwischen den geforderten 12 und angebotenen 29 Monaten sowie eine Mischung aus tabellarischer Erhöhung und Einmalzahlungen beinhalten. Scheitern die Gespräche am Donnerstag oder Freitag, droht dem öffentlichen Sektor der Länder eine langandauernde Phase der Unruhe. Unbefristete Streiks könnten Universitäten, Kliniken und Verwaltungen wochenlang lahmlegen.
Die kommenden Tage in Potsdam werden über die Arbeitsbedingungen von über zwei Millionen Menschen entscheiden.
PS: Wenn Tarifgespräche stocken, können rechtssichere Dienstvereinbarungen Personalräten helfen, Notdienstregelungen verbindlich zu regeln und Ausgleichsmechanismen festzuschreiben. Das Gratis‑Paket enthält fertige Vorlagen, Checklisten und Praxis‑Formulierungen, die sich direkt an Universitätskliniken, Landesverwaltungen und Bildungseinrichtungen anpassen lassen. Ideal für Betriebsräte und Personalräte, die jetzt ihre Verhandlungsposition stärken wollen. Jetzt kostenlose Dienstvereinbarung‑Vorlage anfordern


