Wachstumschancengesetz: Neue Steuerdebatte bei schwachem Aufschwung
19.02.2026 - 01:22:12 | boerse-global.deZwei Jahre nach dem großen Wurf des Wachstumschancengesetzes steckt die deutsche Wirtschaft weiter im Stau. Mit einer Wachstumsprognose von nur 1,0 Prozent für 2026 entbrennt die Debatte über neue Steuerentlastungen.
Die DIHK-Konjunkturprognose vom 17. Februar wirft ein kritisches Licht auf die bisherige Wirkung des Reformpakets. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann forderte diese Woche massive Einkommensteuer-Senkungen. Parallel sorgt die praktische Umsetzung der neuen Aktivrente für Frust bei Unternehmen und Rentnern.
Linnemann fordert Entlastung des „Mittelstandsbauches“
Der Vorstoß des CDU-Generalsekretärs dominiert seit Dienstag die politische Agenda. Linnemann will die Spitzensteuersatz-Grenze von rund 69.000 auf 80.000 Euro anheben. Sein Ziel: Den sogenannten „Mittelstandsbauch“ entschärfen, bei dem Fachkräfte und mittlere Führungskräfte überproportional hohe Grenzsteuersätze zahlen.
Die Reaktionen fallen erwartbar aus. Während Wirtschaftsflügel der Union zustimmen, lehnt die SPD ab. Michaela Engelmeier, Vorsitzende des SoVD, forderte stattdessen höhere Abgaben für Topverdiener und eine Erbschaftsteuer-Reform. Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt – die Forderung trifft auf ernüchternde Konjunkturdaten.
Aktivrente: Bürokratie statt Entlastung?
Seit 1. Januar 2026 können Rentner steuerfrei bis zu 2.000 Euro im Monat hinzuverdienen. Doch die Praxis zeigt: Die vermeintlich simple Regelung entpuppt sich als bürokratisches Monstrum.
Analysen von Haufe und dem VdK belegen die Probleme. Zwar fällt die Einkommensteuer weg, nicht aber die Sozialabgaben. Rentner und Arbeitgeber müssen komplexe Abrechnungsregeln beachten. Branchenvertreter kritisieren diese „Halbherzigkeit“ scharf. Die befürchtete Folge: Der administrative Aufwand schreckt genau diejenigen ab, die mobilisiert werden sollen.
Der VdK rät Rentnern zur Vorsicht. Das Hinzuverdienen kann nämlich dazu führen, dass die gesetzliche Rente nachträglich höher versteuert wird – und so den Vorteil schmälert.
Konjunktur: Licht und Schatten im ersten Quartal
Die Dringlichkeit der Debatten unterstreichen aktuelle Wirtschaftsdaten. Die DIHK-Prognose von 1,0 Prozent Wachstum für 2026 zeigt: Der versprochene Impuls des Wachstumschancengesetzes blieb bisher aus.
Die Insolvenzzahlen steigen weiter. Laut RiskNET-Bericht vom 11. Februar müssen 2026 über 8 Prozent mehr Firmenpleiten als 2025 erwartet werden. Hohe Energiekosten und Bürokratie halten den Mittelstand im „Fieberzustand“.
Doch es gibt Hoffnungsschimmer. Das DIW prognostiziert erstmals seit fünf Jahren wieder Wachstum im Wohnungsbau – ein Plus von 2,4 Prozent bei der Bautätigkeit 2026. Grund sind die degressiven AfA-Regeln, ein überlebender Kern des Wachstumschancengesetzes.
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E-Rechnung: Die stille Revolution läuft
Während die Politik über neue Steuergesetze streitet, wirkt die letzte große Reform weiter. Die verpflichtende E-Rechnung für Unternehmen etabliert sich.
Nach der Einführung der Empfangspflicht für B2B-Rechnungen 2025 normalisiert sich der Betrieb. Der Fokus liegt jetzt auf mittelständischen Betrieben. Sie müssen sich auf die Ausgabepflicht ab 2027 vorbereiten, die für Unternehmen mit über 800.000 Euro Umsatz gilt.
Wahlkampf bestimmt die Agenda
Die kommenden Wochen werden den Steuerstreit weiter anheizen. Mit der Bundestagswahl im Blick will die Opposition die Wachstumspolitik der Ampel als gescheitert darstellen. Für die deutsche Wirtschaft bleibt die Priorität klar: Die Tücken der Aktivrente meistern und die bestehenden Abschreibungsregeln voll ausschöpfen.
Wie der DIHK betont, wird das bescheidene Wachstum von 1,0 Prozent ohne weitere Entlastungen bei Steuern und Bürokratie zur Obergrenze – nicht zur Basis einer Erholung.
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