VW-Softwaretochter steht vor weiterem Stellenabbau
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 15:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKonkret geht es um rund 1.000 Stellen, die gestrichen werden sollen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen. Betroffen wäre damit knapp ein Viertel der rund 4.300 verbliebenen Cariad-Beschäftigten. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet.
Bis wann und auf welche Weise die Stellen abgebaut werden sollen, war noch offen. Nun soll mit Arbeitnehmervertretern darüber verhandelt werden. Ein Cariad-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.
Der Betriebsrat bestätigte auf Anfrage, dass der Vorstand am Mittwoch vor der Belegschaft den Jobabbau angekündigt hat. Gleichzeit habe das Unternehmen die zentralen Tarifverträge mit der IG Metall gekündigt. "Tarifkündigungen und Stellenabbau sind kein Zukunftskonzept. Wer Wettbewerbsfähigkeit allein durch Kürzungen erreichen will, schlägt den falschen Weg ein", teilte Betriebsratschef Gerhard Retzer mit.
Bericht: Investitionen sollen sinken
Wie das "Handelsblatt" unter Bezug auf Teilnehmer berichtete, ist der Abbau nötig, um die Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu externen Softwareanbietern zu halten. Demnach soll das Unternehmen seine Investitionen von 2027 bis 2031 um rund 6,1 Milliarden Euro kürzen. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll Cariad zudem weitere 400 Millionen Euro zur geplanten Verbesserung des operativen Konzernergebnisses beitragen. Der Zukunftsplan des Vorstands, der den Konzern bis 2030 profitabler machen soll, sieht Milliardenkürzungen bei Entwicklungsbudgets und den Abbau Zehntausender Stellen vor.
Strategieschwenk nach Problemen
Die Softwarelösungen von Cariad kommen im gesamten VW-Konzern zum Einsatz. Ursprünglich sollte die Tochterfirma große Teile der Software selbst entwickeln. Wegen Problemen bei wichtigen Projekten, die auch den Start einzelner Modelle verzögerten, tauschte der Autokonzern die Cariad-Führung 2023 aus und änderte den Kurs.
Anders als sein Vorgänger Herbert Diess setzt VW-Konzernchef Oliver Blume beim Thema Software auf Kooperationen mit externen Partnern wie Xpeng in China oder Rivian US76954A1034 in den USA. Cariad fokussiert sich nun unter anderem auf die Eigenentwicklung von Schlüsseltechnologien - wie Fahrdynamik-Software, Cloud-Anwendungen und Infotainment-Systeme.
Nicht der erste Stellenabbau
Bereits in den Vorjahren hat die Softwaretochter mehrfach Stellen abgebaut. Ende 2023 hatte Cariad noch 6.500 Beschäftigte. Zuletzt sollte der Abbau sozialverträglich über Abfindungen und Vorruhestandsprogramme erfolgen. "Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 gilt und wir werden jeden Angriff auf Arbeitsplätze und tarifliche Schutzrechte entschlossen abwehren", teilte Retzer mit. Cariad brauche Innovationen, starke Produkte und Investitionen in Zukunftstechnologien statt der immer gleichen Sparprogramme.
"Jetzt muss der Vorstand eine tragfähige Strategie für die Zukunft aufzeigen", erklärte Retzer. "Wir erwarten Antworten auf die zentralen Herausforderungen des Unternehmens und langfristige Perspektiven, nicht den nächsten Angriff auf die Belegschaft." Man stelle sich auf eine harte Auseinandersetzung ein.
