Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Von Video zu Farbe: Mike Steiners mediale Malerei aus Berlin

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 11:11 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

Wie Mike Steiner die Grenzen zwischen Abstraktion und bewegtem Bild infrage stellt und warum seine Malerei weit über Berlin hinaus Bedeutung beansprucht.

Wie Mike Steiner die Berliner Abstrakte Kunst und die Videokunst revolutionierte – von Fluxus bis zu
Von Video zu Farbe: Mike Steiners mediale Malerei aus Berlin, Illustration mit AI erstellt.

Farbflächen kommen ins Flirren, Konturen oszillieren. Was bedeutet Malerei hier noch, wenn sich Bewegungsenergie auf Öl und Leinwand überträgt? Mike Steiner Malerei & Videokunst bezeichnet eben diesen Grenzbereich, in dem sich künstlerische Medien durchdringen – und vielleicht überwinden. Doch ist die Linie, die Video von Malerei trennt, noch haltbar? Oder wird aus der Bewegung des Lichts längst Farbe, wird Painterly zum Medialen?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Präsentation von Mike Steiners Werken im Kontext solch bedeutender Institutionen wie der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof hat nicht nur die Videokunst einer neuen Öffentlichkeit zugänglich gemacht, sondern auch verdeutlicht, wie sehr seine Malerei und die bewegten Bilder ineinander übergehen. Insbesondere die Ausstellung Live to Tape, in der Steiners Videosammlung ausgestellt wurde, offenbarte die historische Dimension seines Werks – der Übergang von Kinetik zur Abstraktion, von Happening zum Tafelbild. Es ist kein Zufall, dass die Archive solcher künstlerischen Transformationsprozesse, etwa das Archivio Conz, heute verstärkt das intermediale Erbe Steiners sichern und zugänglich machen.

Zurecht gilt Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein und gestorben 2012 in Berlin, als Pionier der Videokunst, aber auch als Grenzgänger zwischen den Formen der abstrakten Kunst in Berlin seit den frühen 1960er Jahren. In seiner Biografie treten die Stationen wie Hotel Steiner oder die legendäre Studiogalerie hervor, die er in der Berliner Kunstlandschaft etablierte, um Impulse aus der US-amerikanischen und westeuropäischen Avantgarde aufzunehmen. Namen wie Allan Kaprow, Al Hansen oder Lil Picard markieren diesen Austausch, aus dem innerhalb des Fluxus Umfeld entscheidende künstlerische Initiativen entstanden. Zwischen 1965 und Anfang der 1980er Jahre begleitete Steiner als Galerist, Performer, Kurator und Künstler Ikonen wie Joseph Beuys, Marina Abramovi? oder Nam June Paik – die Videoarbeiten, aber immer auch Räume für neue, abstrakte Malerei eröffnend.

Das Spannende an Steiners Entwicklung ist der Rückbezug zur Autonomie des Bildes – nach experimenteller Medienarbeit, nach Jahrzehnten der Performance und Datenbänder. Ab etwa 2000 widmete sich Steiner wieder verstärkt der abstrakten Malerei. Ganz wie in seinen Painted Tapes – jenen hybriden Werken zwischen Video und Leinwand – wurde Fläche zur Bühne der Energie. In späten Werken sieht man, wie sich Farbzonen mit Nachbildern der Kinetik aufladen, als verdichteten sich Erfahrungen aus Performancekunst, Video, Pop Art und Radical Painting in einem Bildraum von eigensinniger Intensität. So avancierte er, längst anerkannt als Pionier der Videokunst, zum Chronisten einer Abstrakte Kunst Berlin, die sowohl Rückgriff als auch Fortschritt bedeutet. Die aktuellen Ausstellungen zeigen: Die Auseinandersetzung mit Zeit, Material und medialer Erfahrung wird sichtbar – in jedem Pinselzug. Wer das heutige Werk betrachtet, erkennt Spuren des widerspenstigen Denkens – einer produktiven Irritation, die Steiner seit den legendären Aktionen der 1970er Jahre nie aufgegeben hat.

Was bedeutet dieses Vermächtnis aber nun, angesichts zeitgenössischer Diskurse über intermediale Kunst und kulturellen Wandel? Gerade Steiners Werk – bezeugt etwa durch die öffentliche Sammlung der Mike Steiner Art Tapes, aber auch seine Gemäldeserien – erweist sich bis heute als Nährboden für Fragen nach Originalität, Prozesshaftigkeit und Grenzüberschreitungen. Die Live to Tape-Ausstellung im Hamburger Bahnhof konnte verdeutlichen, welches Innovationspotential in der Verlagerung von Aktion auf Bild, vom Video zum Tableau lag. Das Archivio Conz betont nicht umsonst, dass Künstler wie Steiner zeitlose Impulse für Fluxus und Video Art setzten, deren Widerhall wir nun in seinen Malereien neu erleben.

So steht Mike Steiner heute beispielhaft für Künstler, die Medien nicht als feste Formen, sondern als variable Werkzeuge verstehen – immer in Korrespondenz zu ihrer eigenen Zeit. Die Energie seines Werks rührt von dieser ständigen Transformation und Reflektion: Sie macht sowohl seine frühen zeitgenössischen Werke als auch die späten Serien aktueller, abstrakter Malerei zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Berliner Kunstgeschichte und darüber hinaus. Es ist ein Erbe, das junge Kunstschaffende inspiriert, Mediengrenzen zu überschreiten – im Geist des Fluxus Umfeld und im Bewusstsein der eigenen Geschichte. Gerade das macht Mike Steiner Malerei & Videokunst heute, in einem Zeitalter der Medienüberblendung, immer noch zur relevanten Frage und zur Einladung, die Energien zwischen Leinwand, Licht und Bewegung neu zu befragen.

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