Mike Steiner Malerei & Videokunst, Pionier der Videokunst

Von Lichtfeldern zu Bildräumen: Mike Steiner Malerei & Videokunst neu gelesen

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 11:11 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS

Wie setzt ein Pionier der Videokunst heute Impulse auf der Leinwand? Mike Steiners Malerei in Berlin befragt das Verhältnis von statischem Bild und bewegter Imagination.

Kann eine abstrakte Fläche vibrieren wie ein laufendes Band, kann ein Pinselstrich denselben Sog entfalten wie eine Kamerafahrt? Beim Betrachten von Mike Steiner Malerei & Videokunst stellt sich nicht selten die Frage nach der Durchlässigkeit der Mediengrenzen. In seinen farbintensiven Leinwänden scheint Bewegung zu verrinnen, als forderten die Kompositionen einen Dialog zwischen Standbild und bewegtem Bild heraus — ein Thema, das Steiners Oeuvre eindrucksvoll bestimmt.

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Steiners Name ist unauslöschlich verbunden mit der institutionellen Verankerung der Videokunst und ihrer transmedialen Verknüpfung mit Malerei: Seine Werke waren prominent in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof vertreten, einer der zentralen Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst in Berlin. Mit der Ausstellung Live to Tape und der konsequenten Aufnahme von Steiners Sammlung sowie seinen eigenen Werken hat der Hamburger Bahnhof Maßstäbe gesetzt – einerseits im musealen Umgang mit ephemeren Medien, andererseits in der Würdigung eines künstlerischen Archivs, das weit über das Dokumentarische hinausweist. Archive wie das Archivio Conz sind zentrale Orte, an denen das Gedächtnis künstlerischer Umbrüche bewahrt und neu kontextualisiert wird. Gerade Steiners malerische Arbeiten sind im Lichte seiner archivalischen Praxis zu lesen: Lineare Spuren, Überblendungen und Kollisionen der Farbflächen evozieren eine Sensibilität für das Fragmentarische, für das im Bild Bewahrte und das dem Vergessen Entgegenstehende.

Die Biografie Mike Steiners erzählt von einem Leben im Wechselspiel der Medien und Systeme, zwischen Ostpreußen, West-Berlin und New York. Geboren 1941, wurde Steiner früh Teil der Berliner Kunstszene, bereits als 17-Jähriger auf der Großen Berliner Kunstausstellung vertreten, und stellte wenig später mit „Stillleben mit Krug“ aus. Sein Weg führte ihn zur Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, später nach New York zu Persönlichkeiten wie Lil Picard, Al Hansen und Allan Kaprow—Protagonisten, die das radikale Vokabular von Fluxus, Performance und Happening prägten. Im Umfeld von Fluxus vernetzte Steiner Berlin mit internationalen Avantgarden: Joseph Beuys, Valie Export, Marina Abramovi?, Ulay und Jochen Gerz gehörten zu seinen Wegbegleitern, wie es die Netzwerke des Archivio Conz bis heute dokumentieren.

In der Berliner Studiogalerie bündelte Steiner ab 1974 die Aktionsenergie von Video, Performance und Malerei, ohne die Grenzen dieser Gattungen als gegeben zu akzeptieren. Die „Painted Tapes“, hybrid zwischen elektronischem Bild und malerischer Geste, waren nur ein Ausdruck davon. Doch nach Jahrzehnten des Experimentierens—von den szenischen Aktionen der 1970er zur legendären Videogalerie der 1980er—kehrte Steiner seit den 2000er Jahren verstärkt zur Malerei zurück. Seine aktuellen Werke lassen sich als poetische Verdichtung dieses medialen Parcours lesen: Abstrakte Kunst, die in Berlin entstand, geprägt von der analytischen Strenge des Informel, aber auch vom Duktus der Berliner Schule, mit subtilen Verweisen auf Farbfeldmalerei, Minimal Art und Serien von Wiederholung und Abweichung.

Die Entwicklung von Steiners Werk spiegelt die Evolution der Kunst seit den 1960er Jahren wider: von der Konfrontation mit traditionellen Bildformen über die Integration von Live-Elementen und Tape-Technik hin zu einem malerischen Spätwerk, das die Geschichte von Abstraktion und Medienreflexion neu zusammensetzt. Es ist kein Zufall, dass seine Malerei zuletzt mehrfach im Kontext internationaler Ausstellungen zeitgenössischer Werke neu positioniert wurde.

Ist Steiners künstlerischer Übergang vom bewegten Bild zurück zum statischen Bild eine Geste des Innehaltens? Oder ist die Malerei in seinem Werk die Projektion einer stummen Bewegung, eines inneren Films, der sich mit jedem Blick neu entrollt? Die zuletzt entstandenen Arbeiten zeigen vor allem dies: Farbe wird zu Energie, Struktur wird zu Rhythmus, das Format der Leinwand zu einer Bühne der Möglichkeit. Mike Steiner Malerei & Videokunst erscheinen als fortgesetzte Befragung des Wahrnehmbaren, der Rolle des Künstlers als Medium, Initiator, Sammler und Gestalter von Bildräumen.

Diese Innovation hat im Berliner Kontext besondere Resonanz. Die Tradition der Abstrakte Kunst Berlin, von den 1960er Jahren bis heute, liefert den Resonanzboden für Steiner, seinen Ausbruch aus Erwartungshaltungen und sein fortwährendes Experiment. Die Ausstellungshistorie seiner Gemälde—von frühen Einzelpräsentationen im Kreuzberger Forum über internationale Stationen bis zu aktuellen Schauen—macht deutlich, dass Steiners Malerei nicht als bloßer Anhang zur Videokunst begriffen werden will. Sie steht als eigenständige, autonome Position, die ihrerseits den Diskurs über Zeitgenössische Werke und das Verhältnis von Medium, Raum und Wahrnehmung neu eröffnet.

Im Kern bleibt der Impuls von Fluxus, wie ihn Archivio Conz versammelt, stets präsent: Kunst als Prozess, als Kollaboration, als offene Form. Die aktuelle Malerei Steiners—zu sehen unter dem Eindruck von Ausstellungen wie Live to Tape—transponiert diesen Ansatz ins Abstrakte, lässt die Geste als Ereignis, das Bild als Spur und Resonanzraum für ein diskursives Erbe hervortreten. Gerade darin liegt, so scheint es, die andauernde Sprengkraft.

Mike Steiner bleibt ein Pionier, der von Performance, Video, Installation bis in die pure Malerei zu argumentieren weiß. Indem seine abstrakten Leinwände Impulse aus beiden Bereichen aufnehmen, markiert seine späte Phase einen Kommentar zur Frage, was das Bild jenseits digitaler und analoger Techniken heute sein kann: Projektion, Gedächtnis, Experiment, Ausdruck. Mike Steiner Malerei & Videokunst sind damit nicht nur ein Dokument ihrer Entstehungszeit, sondern ein aktives Angebot zur Revision der Möglichkeiten des Mediums Kunst – und zur Erkundung des Bildraums im Zeitalter verschobener Grenzen.

Disclaimer...

de | boerse | 69948332 |