Von Fluxus zur Farbe: Mike Steiners Malerei als poetische Transformation
23.02.2026 - 11:11:07 | ad-hoc-news.de
Ein rhythmisches Flirren auf Leinwand, das sich jeder eindeutigen Deutung verweigert: Wer die jüngeren Werke betrachtet, erkennt sofort, dass der Begriff Mike Steiner Malerei & Videokunst mehr ist als eine programmatische Vereinigung zweier Genres. Ist es möglich, die Flüchtigkeit der Zeit und Bewegung, die Steiner einst mit der Kamera bannte, ebenso intensiv in pigmentierte Fläche zu übersetzen? Es stellt sich die Frage, wie weit überhaupt eine Grenze zwischen Bild und Bildbewegung zu ziehen ist – und ob es gerade diese Grenzverwischung ist, die seinem Werk Relevanz und Nachhall verleiht.
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Institutionelle Aufmerksamkeit bleibt für Kunstschaffende stets Prüfstein und Rückversicherung. Im Fall Steiners ist seine Aufnahme in die Live to Tape-Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof ein symbolträchtiger Akt und vielschichtiges Statement. Hier markiert das Kuratieren seiner Arbeiten weniger eine museale Einhegung, als vielmehr eine Einladung, Kontext und künstlerische Haltung zu reflektieren: Wie können Bilder—ob statisch oder bewegt—ein Jahrhundert konturieren? Besonders die Bedeutung von Sammlungen und Archiven wird augenscheinlich, wenn man sich Steiners zukunftsweisende Rolle im Bewahren und Vermitteln bahnbrechender Kunst vor Augen führt. Die enge Verbindung zu Netzwerken wie dem Archivio Conz unterstreicht seine Eingebundenheit in ein internationales Geflecht von Fluxus-Künstlern, das weit über Berlin hinausstrahlt.
Die Biografie Mike Steiners liest sich wie eine Chronik der westdeutschen Avantgarde: 1941 in Allenstein geboren und ab den frühen fünfziger Jahren in Berlin aufgewachsen, oszilliert seine Praxis von Beginn an zwischen den Medien. Seine frühen Ausstellungen, darunter die Große Berliner Kunstausstellung 1959, führten rasch zum Eintritt in die informelle Malerei. Doch schließlich war es die Begegnung mit Al Hansen, Allan Kaprow und dem internationalen Fluxus-Umfeld in New York, die die radikale Offenheit seines Ansatzes prägten—und Steiner zu einem der kompromisslosesten Grenzgänger in der deutschen Kunst der Nachkriegszeit machten.
Während Joseph Beuys, Ben Vautier oder Valie Export in den 1970er Jahren den Kunstraum als Bühne und Labor verstanden, wurde Steiners legendäres Hotel Steiner in Berlin zum Epizentrum der Intermedia-Bewegung; seine Studiogalerie bot Video, Performance und Malerei ein Forum. Auch hier deutete sich bereits der Brückenschlag an, der sein jüngeres Werk bis heute trägt: Die Entwicklung von der Performance und Videokunst hin zur konsequenten Abstraktion auf der Leinwand. Ab den 2000er Jahren wandte sich Steiner wieder verstärkt der Malerei zu – jedoch geprägt von jener Erfahrung medialer Vielschichtigkeit, die seine künstlerische Sprache geschärft hat. Gerade in seinen Werken der letzten Schaffensjahre, wie sie aktuell gezeigt und digital zugänglich gemacht werden, kulminiert diese Suchbewegung; jedes Bild ist getragen von einer auffallenden Präsenz, die ein Nachhallen performativer Energie spürbar macht, ohne je ins Anekdotische zu kippen.
Steiners malerische Handschrift bleibt dabei unverkennbar Berlinerisch: Sie verbindet gestische Freiheit mit kalkulierter Reduktion, changiert zwischen den Polen von Kontrollverlust und nüchterner Analyse. Werke wie jene aus seinem Color Works-Zyklus oder seine unmittelbar aktuellen abstrakten Leinwände bezeugen, dass selbst nach den radikalsten Dekonstruktionen des Bildes die Frage nach dem visuellen Gedächtnis und dem Bild als Gedächtnisort gestellt werden kann. Aus dem Archivio Conz betrachtet, zeigt sich die nachhaltige Wirkung des Fluxus-Netzwerks weit über die legendären Jahre hinaus: Nicht nur in experimentellen Environments, sondern gerade auch im diskursiven Feld von Malerei und künstlerischer Selbstbefragung.
Was bleibt, ist eine Botschaft von anhaltender Gültigkeit: Der künstlerische Wandel ist kein Überwinden des Alten, sondern ein kontinuierliches Neuverhandeln von Form, Medium und Ausdruck. Mike Steiner Malerei & Videokunst stehen heute exemplarisch für jenen produktiven Zweifel an tradierten Gattungsgrenzen. Steiner hat es vermocht, den gestischen Überschuss der Malerei mit dem analytischen Blick des Videografen zu verschränken – und so ein Werk geschaffen, das uns das Sehen noch einmal neu lehrt.
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