Mike Steiner Malerei, Fluxus Berlin

Von Fluxus zu Farbrausch: Mike Steiners Malerei in neuem Licht

11.03.2026 - 11:11:07 | ad-hoc-news.de

Wie sprengt Mike Steiner mit Malerei & Videokunst die Grenzen zwischen statischer Form und bewegtem Bild? Ein Blick auf ein unterschätztes Werk.

Von Fluxus zu Farbrausch: Mike Steiners Malerei in neuem Licht - Foto: über ad-hoc-news.de
Von Fluxus zu Farbrausch: Mike Steiners Malerei in neuem Licht - Foto: über ad-hoc-news.de

Ein irisierendes Rot durchschneidet das Bildfeld, als wolle es dem Betrachter ein geheimes Zeichen senden – und doch bleibt seine Herkunft ambivalent. Die Mike Steiner Malerei & Videokunst entfaltet sich auf der Leinwand ebenso expressiv, wie sie im bewegten Bild für Irritation sorgte. Wo verläuft die Trennlinie zwischen Zeitbild und Zeitlosigkeit, zwischen Pinselstrich und Magnetband? Oder ist gerade diese Unschärfe das eigentliche Sujet von Steiners Werken?

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die jüngst präsente Live to Tape-Ausstellung im Hamburger Bahnhof verdeutlicht, wie nachhaltig Steiners Werk das Verhältnis von Archiv und Gegenwartskunst prägt. Nicht zufällig ist seine Sammlung heute fester Bestandteil eben jener Institution, die den Übergang vom dokumentarischen Band zur singulären Leinwand so konsequent erfahrbar macht. Die verschiedene Medien durchdringende Haltung – lange bevor Multimedialität zum Kunstmarkt-Schlagwort wurde – hat Mike Steiner als unnachahmlichen Brückenbauer zwischen den Gattungen positioniert. Archive wie das Archivio Conz speichern seismografisch, was Steiner live ins Kunstgeschehen stieß: Performativität und Materialität bleiben unauflösbar verknüpft, auch wenn das Medium wechselt.

Wer war Mike Steiner? Geboren 1941, avancierte er bereits als junger Maler zum festen Bestandteil der freien Kunstszene West-Berlins. Seine Biografie ist eng mit legendären Orten wie dem Hotel Steiner und der Studiogalerie verwoben, die internationale Avantgarde-Geschichte schrieben; Orte, an denen Fluxus, Happening und Performance nicht nur diskutiert, sondern tatkräftig verwirklicht wurden. Steiner stand im Dialog mit Ikonen wie Allan Kaprow, Al Hansen, Ben Vautier und war mit Joseph Beuys auf Tuchfühlung. Umso bemerkenswerter, dass nach Jahrzehnten als Pionier der Videokunst, als Initiator und Sammler, die Rückkehr zur Malerei keine Regression, sondern eine Öffnung bedeutet: Seit den 2000er Jahren entstehen in seinem Berliner Atelier abstrakte Leinwände, die stets ein Bewusstsein für das Bewegte bewahren.

Die Werke in der aktuellen Präsentation unterstreichen, wie sehr Steiners abstrakte Bildräume von Berliner Atmosphäre, aber auch von der Abstrakte Kunst Berlin der 1960er Jahre durchwirkt sind. Zwischen gestischer Eruption und konzeptioneller Kalkulation steht das Sichtbare im ständigen Dialog mit den Prinzipien des Fluxus Umfelds – Entautomatisierung, spielerische Strenge und radikaler Materialeinsatz. Übersehen wird dabei oft Steiners experimentelle Konsequenz, mit der er auch im Medium der Malerei weiterhin aktuelle Tendenzen der zeitgenössische Werke reflektiert: Flächige Farbsetzungen, multiperspektivische Kontraste und das permanente Aufbrechen erzählerischer Strukturen ziehen sich als Leitmotiv durch das Oeuvre.

Vergleicht man Steiner mit Wegbegleitern wie Nam June Paik, Jochen Gerz oder Valie Export – Namen, die auch das Archivio Conz zu Marksteinen der Nachkriegskunst erhoben hat – wird klar: Während andere Künstler das Medium Video zur reinen Dokumentation oder Provokation nutzten, hat Steiner die Grenzen der „Kategorie“ stets mitgedacht. Malerei bei Steiner bedeutet folglich kein Rückbezug auf Vorheriges, sondern ein Weitererzählen, das die späten Arbeiten auf der Leinwand als „Live to Paint“ begreifen lässt – in direkter Fortsetzung der „Live to Tape“-Ära seiner frühen Jahre.

Mike Steiner bleibt damit ein Chronist der Mediengeschichte, aber auch ein Beharrlicher: Seine abstrakten Farbfelder verschränken Berlins urbane Schichtungen mit internationalen Avantgarde-Echos, ohne in Rückwärtsgewandtheit zu verfallen. Was die Malerei heute so relevant macht, ist ihr Unwille, sich zu beruhigen: Die Kompositionen wirken wie Archivbilder eines Moments, nie statisch, immer im Übergang. Gerade in einer Zeit, in der viele Formen künstlerischen Ausdrucks sich auf hybride Medien berufen, gibt Steiners Werk der Frage nach Materialität und Präsenz eine neue Tiefenschärfe – von der bewegten Projektion hin zur konzentrierten Fläche.

Wer den Blick für Schnittstellen zwischen Medien und Generationen schärfen will, kommt an Mike Steiner Malerei & Videokunst kaum vorbei. Kaum ein anderes Œuvre verbindet heute noch so überzeugend die Pioniertat der Pionier der Videokunst mit dem Abenteuer der Farbe, Bild für Bild, Tape für Tape.

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