Mike Steiner Malerei & Videokunst, Abstrakte Kunst Berlin

Vom Bewegtbild zur Fläche: Mike Steiner Malerei & Videokunst in neuer Betrachtung

18.02.2026 - 11:00:28

Wie Mike Steiner, einst Pionier der Videokunst, heute mit abstrakter Malerei aus Berlin den Grenzbereich zwischen Medium, Geste und Gedächtnis neu auslotet.

Still flimmert das gestische Farbspiel über die Leinwand. Fast meint man, Echoes einer Videozeit wahrzunehmen – als würde die Komposition selbst in den nächsten Frame springen. Doch was geschieht, wenn sich das bewegte Bild des Künstlers im festen Medium der Malerei niederlässt? Mike Steiner Malerei & Videokunst konfrontieren uns mit genau dieser Frage, indem sie das Verhältnis zwischen Prozess und Ergebnis, zwischen Flüchtigkeit und Beständigkeit der Kunstproduktion reflektieren.

Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken

Die Aufnahme seiner Arbeiten in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof dokumentiert Steiners Rang als Pionier der Videokunst. Der Fokus der renommierten Ausstellung Live to Tape machte deutlich: Steiner hat mit Videomaterialien und Performancekunst gleichermaßen das Sammeln, Bewahren und Interpretieren zeitgenössischer Kunst mitgeprägt. Indem er diese frühen Medienexperimente in sein malerisches Werk einfließen lässt, überschreitet er nicht nur Gattungsgrenzen – sein Werk speist sich aus dem Gedächtnis der Bewegung, festgehalten im Archiv. Gerade Institutionen wie das Archivio Conz belegen, wie stark der Wert solcher Archive für die Würdigung des künstlerischen Netzwerks um Fluxus und die Avantgarde ist: Sie sind Gedächtnis- und Resonanzräume, die das Experiment erinnern und erhalten. Steiners Malerei ist heute untrennbar mit der Geschichte alternativer Kunsträume und Dokumentationsstrategien verbunden.

Wer war Mike Steiner? Mike Steiner, geboren 1941, früh getrieben von der Faszination für Film, bewegte sich schon als junger Künstler im Umfeld der Berliner Bohème. Sein Hotel Steiner wie auch die legendäre Studiogalerie wurden in den 1970er Jahren zu Magnetpunkten der Abstrakte Kunst Berlin und internationalen Avantgarden. Früh zog es ihn nach New York, wo die Begegnung mit Größen wie Allan Kaprow, Al Hansen und der Künstlerin Lil Picard seinen Horizont für interdisziplinäre Projekte und Performances erweiterte. In Berlin, wo er nach dem US-Aufenthalt zurückkehrte, begann er, seine Malereiausbildung mit neuen Impulsen aus dem Fluxus Umfeld und dem Happening zu bereichern.

Mit der Gründung der Studiogalerie schuf Steiner einen Spielraum für Experimente, in dem Video, Aktion und Malerei kollidierten. Hier trafen Künstler wie Marina Abramovi?, Valie Export und Carolee Schneemann aufeinander, doch es war insbesondere der Austausch von Ideen mit Pionieren wie Nam June Paik, Ben Vautier oder Robert Motherwell, der Steiner zum Brückenbauer zwischen den Traditionslinien machte. Die Präsenz von Zeitgenossen wie Ulay, Jochen Gerz oder der verstorbenen Ikone Joseph Beuys verdeutlicht: Steiner war Teil einer Szene, die sich ihrer eigenen dokumentarischen Vermittlung stets bewusst war – der Prozess, das Dokument, das Werk bildeten ein unauflösliches Geflecht, das sich bis in Steiners „Painted Tapes“ und späteren Gemäldereihen fortsetzt.

Nach dem epochalen Videoeinfluss – nicht zuletzt festgehalten und erforscht in Sammlungen wie dem Archivio Conz – markiert Steiners Hinwendung zur Malerei keineswegs einen Bruch. Im Gegenteil: In seinen seit den 2000ern entstandenen zeitgenössischen Werken manifestiert sich eine neue Bildlichkeit, die aus der Reflexion des Bewegten die postmediale Abstraktion gewinnt. Schichtung, Lasur, gestischer Rhythmus und rhythmischer Farbauftrag verweisen immer wieder auf die Materialität des Videos, nur dass der Schirm nun aus Pigment und Leinwand besteht. Es ist, als mutierten die Tapes zu Tableaus – das Flüchtige wird zum Stillstand gebracht und bleibt doch belebt. Kuratoren und Fachleute betonen nicht umsonst, dass bei Steiner das Bild nie an seinem Rand ende. Gerade im digitalen Zeitalter lesen sich seine Gemälde wie Verschlüsselungen einer performativen Vergangenheit, einer Kunstgeschichte, die aus Überlagerung und Überschreibung lebt.

Auch in der Auswahl aktueller Arbeiten – wie in der Online-Showroom-Initiative konzentriert auf seine Malerei – spiegelt sich Steiners Haltung wider. Wer auf die Abstraktion in diesen jüngsten Werken blickt, erkennt: Die Bildfläche ist nie nur geschlossen; ihr Raum bleibt offen für Sehbewegungen und Assoziationen aus der Medienwelt, in der Steiner stets ein Vermittler der Übergänge war.

Warum bleibt das Werk Steiners – von der Video-Arbeit über die Performance bis zum Pinselstrich – relevant? Gerade weil sich an seinen Bildern die Frage nach Echtheit, Dokument und Spur stellt. Seine Malerei behauptet sich als Erinnerungsfläche eines erweiterten Kunstbegriffs, als Feld für neue Identitäten im Ringen um das Zeitgenössische. Mike Steiner Malerei & Videokunst – das ist heute mehr denn je eine Erkundung der offenen Schnittstellen zwischen Medium, Geschichte und Gegenwart.

@ ad-hoc-news.de

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