Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: Bosch-Abbruch verschärft Lage

30.06.2026 - 03:24:29 | boerse-global.de

Volkswagen beendet Partnerschaft mit Bosch nach Milliardeninvestition. Der Aktienkurs fällt auf den tiefsten Stand seit 2010.

VW Aktie unter Druck: Bosch-Aus und Stellenabbau belasten
Volkswagen - Eine weitläufige, schwach beleuchtete Industriehalle mit verschwommenen Maschinen, die Unsicherheit und Herausforderung in der Automobilindustrie darstellt. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Bruch mit Bosch sitzt tief. Volkswagen zieht offenbar den Stecker bei der gemeinsamen Partnerschaft für automatisiertes Fahren — nach rund 1,5 Milliarden Euro Investition. Marktbeobachter werten diesen Schritt als weiteres Signal dafür, dass Wolfsburg im Technologiewettbewerb zunehmend ins Hintertreffen gerät.

Die VW-Aktie fiel gestern auf den niedrigsten Stand seit 2010 — ein Börsenwert von noch rund 37 Milliarden Euro, verglichen mit fast 130 Milliarden Euro vor fünf Jahren. Der Absturz spiegelt eine Gemengelage wider, die sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt hat.

Stellenabbau: Zahlen offen, Widerstände klar

Im Kern steht das neue "Zielbild 2030" von Konzernchef Oliver Blume. Berichten zufolge plant das Management, bis zu 100.000 Stellen weltweit abzubauen — doppelt so viele wie bislang vorgesehen — und vier deutsche Werke zu schließen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Der Betriebsrat erhielt auf seine 86 Fragen zwar ein 43-seitiges Antwortpaket, konkrete Abbauzahlen fehlten darin jedoch.

Der Widerstand formiert sich rasch. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der als SPD-Politiker im Aufsichtsrat sitzt, lehnt Werksschließungen kategorisch ab. Er brachte stattdessen einen anderen Ansatz ins Gespräch: China-Modelle, die VW bislang mit Partnern vor Ort entwickelt und produziert, künftig auch in deutschen Werken zu fertigen. So ließe sich die Auslastung stabilisieren, ohne weitere Arbeitsplätze zu opfern. Auch die Bundesregierung erklärte, Schließungen verhindern zu wollen — räumte aber ein, dass die finale Entscheidung beim Unternehmen liege.

Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel reagierte schärfer. Die noch nicht eineinhalb Jahre alte Einigung zwischen Vorstand, Aufsichtsrat, Betriebsrat und IG Metall — die Standorterhalte und eine verlängerte Beschäftigungsgarantie beinhaltete — werde damit infrage gestellt. Das zerstöre Vertrauen.

Branchendruck aus München verstärkt den Sog

VW steht nicht allein unter Druck. Die Gewinnwarnung von BMW vom 16. Juni — die EBIT-Marge im Autogeschäft wurde von 4 bis 6 auf 1 bis 3 Prozent gekappt — wirkt seither als Branchensignal. Investoren ziehen daraus Rückschlüsse auf alle deutschen Hersteller mit hohem China-Engagement. VW-Anteile wurden zuletzt immer wieder mitgezogen, auch wenn die konzernspezifischen Probleme eigenes Gewicht haben.

Jefferies stufte Mercedes-Benz hoch, ließ VW jedoch mit einer Kaufempfehlung bei gesenktem Kursziel stehen. Die Pläne des Konzernvorstands sollen am 9. Juli dem Aufsichtsrat vorgelegt werden — wo die Arbeitnehmervertreter derzeit sogar in der Mehrheit sitzen, nachdem ein Kapitalseiten-Mandat seit Mitte Juni unbesetzt ist. Das dürfte die Abstimmung über den Sparkurs zu einer ungemütlichen Angelegenheit machen.

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