Volkswagen Aktie: Aktionäre fordern tieferen Schnitt
18.06.2026 - 23:24:16 | boerse-global.de
Auf der diesjährigen Hauptversammlung bekam Oliver Blume deutlich zu spüren, was institutionelle Investoren von seiner Arbeit halten — und es war kein Lob. Der Gewinneinbruch um fast die Hälfte in 2025 lieferte den Fondsgesellschaften reichlich Munition.
Union Investment sprach von einem Alarmsignal, DWS von einem System, in dem Kontrolle und Verantwortlichkeit versagten. Deka Investment zog einen ungewöhnlich griffigen Vergleich: Ohne konsequente Neuaufstellung drohe VW ein schleichender Abstieg — ähnlich dem Bundesliga-Abstieg des VfL Wolfsburg. Kein Wunder, dass Blume mehr als eine Verteidigungsrede halten musste.
Blume verschärft den Kurs — aber reicht das?
Der Konzernchef räumte selbst ein, dass die Lage angespannt sei. Neue Zölle und geopolitische Risiken konterkarieren die laufenden Sparprogramme. Sein Zielbild für 2030: eine Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent, eine Million Fahrzeuge weniger Kapazität weltweit. Europäische Werke sollen bis 2030 um weitere 500.000 Einheiten zurückgefahren werden — zusätzlich zu bereits laufenden Maßnahmen.
Beim Stellenabbau meldet Blume Fortschritte. Konzernweit sollen bis 2030 rund 50.000 Stellen wegfallen. Allein bei der Kernmarke werden bis Ende 2026 rund 19.000 Stellen abgebaut — 28.000 freiwillige Austritte seien bereits vereinbart. Die Fabrikkosten an deutschen Standorten sanken 2025 um mehr als 20 Prozent.
Finanzvorstand Arno Antlitz brachte das Kernproblem auf den Punkt: Chinesische Hersteller bauen gerade effiziente neue Werke in Ost- und Südeuropa. Dagegen lassen sich unterausgelastete Fabriken kaum verteidigen.
Governance-Bruch und Diesel-Altlasten
Abseits der Strategie sorgte ein kurzfristiger Rückzug für Aufregung. Susanne Wiegand, bis zuletzt als einzig unabhängige Vertreterin der Kapitalseite im Aufsichtsrat gehandelt, zog ihre Kandidatur für eine volle Amtszeit überraschend zurück. Deka und Union Investment werteten das als ernstes Governance-Signal — die Kontrollfunktion des Gremiums verliere an Glaubwürdigkeit.
Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hingegen wurde mit 98,5 Prozent der Stimmen für weitere fünf Jahre bestätigt. Sein Rückhalt bei Porsche SE und dem Land Niedersachsen, die zusammen mehr als 70 Prozent der Stimmrechte halten, machte das Ergebnis erwartbar.
Erledigt wurde auch ein juristischer Altfall: Die Vergleiche im Diesel-Skandal mit Ex-Chef Martin Winterkorn — er zahlt 11,2 Millionen Euro an den Konzern — wurden nach einem formalen BGH-Einwand erneut zur Abstimmung gestellt und mit über 97 Prozent angenommen.
Die konkreten Entscheidungen zur weiteren Konzernstruktur will Blume im Sommer gemeinsam mit dem Aufsichtsrat treffen. Bis dahin bleibt die Frage offen, ob das angekündigte "Zielbild 2030" ein verbindlicher Restrukturierungsplan wird — oder eine Absichtserklärung.
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