Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 29,79 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 11:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen-Chef Oliver Blume verschärft Sparprogramm: Bis zu 100.000 Jobs stehen zur Disposition, mehrere Werke sind von Schließung bedroht.

VW-Krise: Blume plant drastischen Stellenabbau und Werksschließungen
Eine desolate, leere Straße unter einem dunklen, düsteren Himmel, die eine schwierige Marktstimmung in der Automobilindustrie darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Konzernchef Oliver Blume will den Konzern schrumpfen und die Rendite von aktuell rund 3 Prozent auf 8 bis 10 Prozent steigern. Wie die taz am 18. Juli berichtete, steht dafür ein Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen im Raum – deutlich mehr als die zuvor kommunizierten 50.000 Stellen bis 2030. Volkswagen beschäftigt derzeit 284.000 Menschen in Deutschland und weltweit 622.900.

Der Aufsichtsrat beriet Mitte Juli über die Sparmaßnahmen. Blume warnte, ohne eine Änderung der Arbeitskosten drohten zusätzlich zu den bereits angekündigten 50.000 Stellen bis 2030 weitere 50.000 Streichungen weltweit. Die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm hätten in den 2030er-Jahren keine wettbewerbsfähige Auslastung, bestätigte der Konzernchef.

Betriebsrat lädt Blume zu Krisentreffen

Der VW-Betriebsrat reagiert mit einer ungewöhnlichen Geste: Er lädt den Vorstand zu neun Betriebsversammlungen an allen großen Standorten ein. Blume selbst spricht am 25. August in Wolfsburg, am 26. August in Emden und Zwickau sowie am 31. August zum Abschluss in Hannover. Der Betriebsrat kritisiert, bislang habe der Vorstand nur oberflächliche Informationen geliefert. Der Gesamtbetriebsrat wirft dem Vorstand vor, keine nachhaltigen strategischen Entscheidungen getroffen zu haben.

Die Dimension der Debatte zeigt sich auch in den Zahlen aus der Halbleiter- und Zulieferwelt der Branche: Eine Studie des Center Automotive Management (CAM) zeigt, dass 14 der 20 größten Autohersteller im ersten Halbjahr 2026 Absatzrückgänge verzeichneten, im Schnitt minus 2,8 Prozent. Volkswagen liegt mit minus 6,5 Prozent über diesem Durchschnitt, während Mercedes und BMW den Schnitt unterboten. Zum Vergleich: Der chinesische Rivale BYD brach weltweit um 15,7 Prozent ein, in China sogar um 39 Prozent.

Sachsens Wirtschaftsminister fordert doppelte EU-Zölle

Besonders zugespitzt ist die Lage am Werk Zwickau, dessen Schließung neben bis zu drei weiteren Standorten im Raum steht. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) bringt dafür einen bemerkenswerten Vorschlag ins Spiel: Er fordert eine Verdopplung der EU-Einfuhrzölle auf chinesische E-Autos, die seit 2024 zwischen 7,8 und 35,3 Prozent liegen. Ziel sei es, ein Joint Venture für das Werk Zwickau wirtschaftlich attraktiver zu machen. "Ein Joint Venture in Sachsen könnte europäische Zölle vermeiden", argumentiert Panter. Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) erklärte, sie stehe im Austausch mit Betriebsräten und der niedersächsischen Politik, um Lösungen für den Standort zu finden.

Parallel dazu prüft Blume eine andere Option: den Bau chinesischer E-Autos in deutschen VW-Werken als Alternative zu Schließungen. Der Automobilexperte Stefan Bratzel gibt sich skeptisch. Chinesische Hersteller bevorzugten wegen alter Fabriken und hoher Arbeitskosten günstigere Standorte wie Ungarn, Portugal oder die Türkei. Der ADAC bewertet chinesische E-Autos qualitativ mittlerweile als mit deutschen Modellen vergleichbar und vergibt die Note "Gut". Bratzel sieht in einer solchen Kooperation dennoch keine langfristige Lösung – die Lohnkosten in Deutschland müssten grundsätzlich sinken.

Aktie bleibt unter Druck

Der Kapitalmarkt quittiert die Krisenlage mit anhaltendem Verkaufsdruck. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 73,12 Euro, ein Minus von 0,52 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast ein Drittel an Wert verloren, konkret 29,79 Prozent. Damit notiert die Aktie rund 33 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, das sie Mitte Dezember 2025 erreicht hatte.

Die Branche insgesamt steckt im Umbau: Auch Mercedes-Benz und BMW kämpfen mit sinkenden Margen und verlagern Kapazitäten nach Osteuropa, während IG Metall vielerorts Widerstand gegen längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich ankündigt. Für Volkswagen bleibt der August mit den Betriebsversammlungen der entscheidende Termin, an dem sich zeigen dürfte, wie weit Vorstand und Belegschaft in der Frage der Werksstandorte noch voneinander entfernt sind.

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