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Voestalpine Aktie: JPMorgan hebt auf Overweight

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

JPMorgan stuft Voestalpine hoch und sieht dank EU-Stahlzöllen mehr Preissetzungsmacht. Analysten sind sich über die Bewertung nach der Rallye uneins.

Voestalpine Aktie: JPMorgan hebt auf Overweight an
Abstrakte Aufnahme einer modernen Industrieanlage mit Fokus auf metallische Texturen und Lichtreflexionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

JPMorgan hat die Einstufung für Voestalpine am Sonntag vor einer Woche von "Neutral" auf "Overweight" angehoben. Analyst Dominic O'Kane erhöhte gleichzeitig das Kursziel auf 50,00 Euro. Als Begründung nennt er die gestiegene Preissetzungsmacht des Konzerns, die aus den verschärften EU-Schutzzöllen auf Stahlimporte resultiert.

Die neuen Handelsbarrieren gelten seit dem 1. Juli. Importe aus Drittstaaten, die das jährliche Kontingent von 18,3 Millionen Tonnen überschreiten, belegt die EU-Kommission nun mit einem Zoll von 50 Prozent. Für europäische Stahlhersteller wie Voestalpine verschiebt sich damit die Wettbewerbslage zu ihren Gunsten, da günstigere Importware aus Drittländern erschwert wird.

Der Markt reagierte zuletzt spürbar positiv: Am Freitag legte die Aktie um 2,39 Prozent zu und schloss bei 44,64 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 18,22 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro, erreicht Ende Februar, fehlen dem Papier aktuell noch 9,31 Prozent.

Analysten uneins über Bewertung nach der Rallye

Nicht alle Häuser teilen den Optimismus von JPMorgan uneingeschränkt. Die Deutsche Bank hatte ihre Kaufempfehlung für Voestalpine bereits am 21. Juli mit einem Kursziel von 60,00 Euro versehen – Analyst Bastian Synagowitz sieht damit deutlich mehr Potenzial als der Konsens. Die Wiener Privatbank hält dagegen: Analyst Nicolas Kneip bestätigte am 15. Juli seine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 42,10 Euro und verwies auf ein nach der jüngsten Kursrallye unattraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Zwischen den Extremen der drei Häuser liegt eine Spanne von fast 18 Euro – ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Nachhaltigkeit der Zollvorteile und die Bewertung nach dem Kursanstieg der vergangenen Monate einschätzen.

Solide Geschäftszahlen und ambitionierte Guidance

Die fundamentale Basis für die Diskussion liefern die testierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26, die Voestalpine Anfang Juni vorgelegt hatte. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg auf 1,5 Milliarden Euro nach 1,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Umsatz sank dagegen leicht auf 15,1 Milliarden Euro von 15,7 Milliarden Euro, was unter anderem am Verkauf von Buderus Edelstahl im Januar 2025 lag. Das Ergebnis nach Steuern verbesserte sich auf 424 Millionen Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 gab der Vorstand eine Guidance aus, die ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro vorsieht. Diese Bandbreite liegt spürbar über dem zuletzt erzielten Wert und dürfte die Grundlage für die optimistischeren Kursziele der Analysten bilden. Ob der Konzern auf diesem Kurs bleibt, zeigt sich am 5. August, wenn Voestalpine den Bericht zum ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres veröffentlicht.

Dividende erhöht, Dekarbonisierung schreitet voran

Die Hauptversammlung hatte am 1. Juli auch über die Ausschüttungspolitik entschieden: Die Dividende steigt um 25 Prozent auf 0,75 Euro je Aktie nach 0,60 Euro im Vorjahr. Die Auszahlung erfolgte bereits am 14. Juli, der Ex-Dividenden-Tag lag am 9. Juli. Zudem wählten die Aktionäre Reinhard Schwendtbauer, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, als Nachfolger von Heinrich Schaller neu in den Aufsichtsrat.

Auf der operativen Seite kommt das milliardenschwere Dekarbonisierungsprogramm "greentec steel" voran. Im Juli wurde der Stahlbau für die neue Produktionshalle des ersten Elektrolichtbogenofens in Linz planmäßig abgeschlossen. Das mit 1,5 Milliarden Euro veranschlagte Projekt soll im Februar 2027 die Produktion aufnehmen und markiert einen zentralen Baustein für die künftige Emissionsbilanz des Konzerns. Mit Blick auf die anstehenden Quartalszahlen dürfte der Markt vor allem daran interessiert sein, ob sich die von JPMorgan unterstellte Preismacht bereits in den ersten operativen Kennzahlen niederschlägt.

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