Visio, Frankreich

Visio: Frankreich verbannt US-Konferenz-Tools aus Behörden

04.02.2026 - 06:39:11

Frankreich ersetzt Microsoft Teams, Zoom und Google Meet bis 2027 durch die eigene Plattform Visio, um die digitale Souveränität zu stärken und sensible Daten vor US-Zugriff zu schützen.

Frankreichs Regierung ersetzt Microsoft Teams, Zoom und Google Meet bis 2027 durch die eigene Plattform Visio. Für 2,5 Millionen Staatsbedienstete soll so die digitale Souveränität gesichert werden.

Hinter dem radikalen Schritt steckt die Angst vor dem Zugriff US-amerikanischer Behörden. Gesetze wie der US CLOUD Act ermöglichen es, Daten bei amerikanischen Anbietern einzusehen – selbst wenn diese in Europa gespeichert sind. Für vertrauliche Regierungskommunikation ein inakzeptables Risiko, so die französische Begründung.

Eine App für nationale Sicherheit

Der neue Dienst „Visio“ wurde von der Digitalbehörde DINUM entwickelt und trägt die höchste französische Sicherheitszertifizierung SecNumCloud. Diese soll Daten explizit vor dem Zugriff durch außereuropäische Gesetze schützen. Die technische Infrastruktur ist rein französisch-europäisch, alle Daten verbleiben im Land.

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Nach einer Pilotphase mit 40.000 Nutzern werden derzeit 200.000 weitere Mitarbeiter onboardet. Die Lösung setzt auch auf heimische KI-Technologie, etwa für Meeting-Transkriptionen.

Ambitionierter Fahrplan mit prominenten Vorreitern

Der Zeitplan ist straff: Bis 2027 soll die Migration abgeschlossen sein. Als Vorreiter wechseln bereits im ersten Quartal 2026 Schlüsselbehörden wie das Verteidigungsministerium und die Finanzverwaltung.

Ein starkes Signal sendet das nationale Forschungszentrum CNRS. Es will seine Zoom-Lizenzen für über 150.000 Mitarbeiter und Forscher bis Ende März 2026 durch Visio ersetzen – ein Vertrauensbeweis in die Sicherheit der Lösung für sensible Forschungsdaten.

Mehr als nur Sicherheit: Einsparungen und Effizienz

Neben der Sicherheit locken handfeste wirtschaftliche Vorteile. Die Regierung rechnet mit erheblichen Einsparungen durch wegfallende Lizenzgebühren. Pro 100.000 Nutzer könnten jährlich etwa eine Million Euro eingespart werden.

Zudem beendet der Schritt die Abhängigkeit von der Preispolitik US-amerikanischer Konzerne. Bisher behinderte eine Fragmentierung verschiedener Tools die Zusammenarbeit zwischen Ministerien. Visio schafft nun eine einheitliche Plattform für die gesamte Verwaltung.

Blaupause für Europa?

Frankreichs Vorstoß ist der bisher entschiedenste eines großen EU‑Landes zur digitalen Unabhängigkeit der Verwaltung. Es folgt einer gemeinsamen Linie mit Deutschland, die auf Open‑Source‑Lösungen und digitale Souveränität setzt.

Die Reaktion der betroffenen US-Konzerne fiel verhalten aus. Microsoft betonte die anhaltende gute Partnerschaft. Doch die Botschaft ist klar: Europa will die Kontrolle über seine digitale Infrastruktur zurück. Ob andere Mitgliedstaaten dem französischen Beispiel folgen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

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