Vinted knackt Milliardengrenze im Boom der Secondhand-Mode
11.04.2026 - 14:52:15 | boerse-global.deDer europäische Secondhand-Marktführer Vinted hat erstmals die Milliardengrenze bei seinem Umsatz übersprungen. Das Wachstum wird von hoher Inflation, strengeren EU-Regeln und neuen Technologien befeuert.
Vinted meldete am Mittwoch für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Wert der über die Plattform verkauften Waren (Gross Merchandise Value) stieg sogar um 47 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro. Trotz des starken Umsatzwachstums sank der Nettogewinn jedoch um 19 Prozent auf 62 Millionen Euro. Analysten führen dies auf hohe Investitionen in die globale Expansion zurück.
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Expansion und der Kampf um Marktanteile
Das Unternehmen mit Sitz in Vilnius investiert derzeit massiv, um seine Marktposition auszubauen. Schwerpunkte sind der Ausbau der Logistik in Deutschland, die Erweiterung des Sortiments um Elektronik und Haushaltswaren sowie der risikoreiche Markteintritt in den USA Anfang 2026. CEO Thomas Plantenga sieht in der aktuellen Wirtschaftslage mit hohen Energiepreisen einen Wachstumstreiber. Für viele Verbraucher sei Vinted ein Werkzeug, um zusätzliches Einkommen zu generieren oder günstige Schnäppchen zu finden.
Parallel erwägt das Unternehmen einen weiteren Aktienverkuss, der seine Bewertung auf rund acht Milliarden Euro heben könnte. Ende 2024 lag der Wert des „Einhorns“ noch bei fünf Milliarden. Der globale Secondhand-Markt für Bekleidung wird für 2026 auf rund 289 Milliarden Dollar geschätzt.
Zalando und der Trend zum „gemischten Warenkorb“
Der Trend zur Kreislaufwirtschaft erreicht inzwischen auch die etablierten E-Commerce-Riesen. Der deutsche Modehändler Zalando weitete im März 2026 seine „Pre-owned“-Kategorie massiv auf Kindermode in 14 europäischen Märkten aus. Hintergrund: Der Umsatz mit gebrauchter Erwachsenenmode hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Fast die Hälfte aller eingestellten Secondhand-Artikel ist innerhalb von 24 Stunden verkauft.
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Ein Schlüsseltrend ist der sogenannte „gemischten Warenkorb“. Bei über 40 Prozent aller Bestellungen im Jahr 2025 landeten sowohl neue als auch gebrauchte Artikel gemeinsam im Einkauf. „Unser Ziel ist es, die Hürden beim Secondhand-Shopping abzubauen“, erklärt Zalando-Direktorin Alice Marshall. Kunden sollen etwa einen gebrauchten Premium-Mantel und neue Schuhe nahtlos zusammen kaufen können. Technologien wie generative KI und visuelle Suche machen das Durchstöbern von Secondhand-Beständen so einfach wie den Kauf neuer Ware.
EU-Regulierung treibt den Wandel voran
Die regulatorischen Rahmenbedingungen beschleunigen den Wandel zusätzlich. Die EU-Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) ist seit Juli 2024 in Kraft und befindet sich in einer kritischen Umsetzungsphase. Textilien und Schuhe wurden von der EU-Kommission als prioritäre Kategorien für 2025–2030 eingestuft.
Die Verordnung verbietet die Vernichtung unverkaufter Bekleidung und schreibt einen „Digitalen Produktpass“ (DPP) vor. Dieser soll transparente Informationen über Materialzusammensetzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit eines Kleidungsstücks liefern. Für Unternehmen wird die Kreislaufwirtschaft damit von einer freiwilligen Maßnahme zu einer systemischen Verpflichtung. Auch in den USA gewinnen ähnliche Extended Producer Responsibility (EPR)-Gesetze, wie in Kalifornien, an Fahrt.
Konsolidierung und die Herausforderung Profitabilität
Während der Markt wächst, beginnt eine Phase der Konsolidierung. Nicht alle Player schaffen den Sprang in die schwarzen Zahlen. Die Plattform Depop wurde nach Verlusten in die eBay-Struktur integriert. James Reinhart, Mitgründer von ThredUp, betont, dass Resale inzwischen aktiv Marktanteile vom Neuwarenhandel übernimmt. Er warnt jedoch vor dem „Rebound-Effekt“: Günstige Secondhand-Ware könne den Gesamtkonsum steigern, anstatt die Neuproduktion zu reduzieren.
Bis 2030 könnte der globale Secondhand-Markt für Bekleidung auf fast 400 Milliarden Dollar wachsen. Der anhaltende Erfolg hängt davon ab, ob die Branche die logistischen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft mit den Transparenzanforderungen von Regulierern und Verbrauchern in Einklang bringen kann. Die Rekordzahlen von Vinted zeigen: Die Dynamik der „Pre-loved“-Ökonomie ist ungebrochen.
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