Vergabereform, Bauturbo

Vergabereform 2026: Neuer Bauturbo oder bürokratische Bremse?

12.02.2026 - 04:02:12

Deutschland erhöht Schwellenwerte für öffentliche Aufträge und plant digitale Plattform, um Bauvorhaben zu beschleunigen. Die Umsetzung in der Praxis bleibt entscheidend.

Neue Vergaberegeln sollen Deutschlands Bauwirtschaft entfesseln. Seit Januar gelten höhere Schwellenwerte für vereinfachte Verfahren und ein Digitalisierungsschub. Die Branche hofft auf weniger Bürokratie und schnellere Aufträge – doch die Umsetzung entscheidet.

Im Kern erhöht die Reform die Wertgrenzen für einfachere Vergabeverfahren deutlich. Öffentliche Auftraggeber können nun:
* Direktaufträge bis 50.000 Euro vergeben.
* Freihändige Vergaben bis 100.000 Euro durchführen.
* Beschränkte Ausschreibungen ohne Teilnahmewettbewerb bis 150.000 Euro nutzen.

Für europaweite Ausschreibungen liegt der Schwellenwert für Bauleistungen jetzt bei 5.404.000 Euro. Experten sehen darin eine echte Flexibilisierung, um Projekte schneller zu starten.

Digitaler Marktplatz soll Bürokratie abbauen

Bis Ende 2027 plant die Bundesregierung einen „Digitalen Marktplatz Deutschland“. Diese zentrale Plattform soll KI-gestützte Vergaben ermöglichen und den Papierkrieg beenden. Standardisierte digitale Formulare und eine zentrale Ablage für Eignungsnachweise könnten den Aufwand für Bauunternehmen massiv reduzieren.

Die Digitalisierung soll nicht nur beschleunigen, sondern auch die Chancen für kleinere Betriebe verbessern. Können digitale Tools die berüchtigte deutsche Vergabelangsamkeit durchbrechen?

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Reform trifft auf kriselnde Branche

Die neuen Regeln kommen zur rechten Zeit. Die Bauwirtschaft kämpft mit Auftragsrückgängen, hohen Finanzierungskosten und großer Unsicherheit. Gleichzeitig stocken öffentliche Projekte wie Schulen oder Brücken in langen Planungs- und Vergabephasen.

Der immense Bedarf an Wohnraum, besonders in Ballungszentren, erhöht den Druck zusätzlich. Steigende Mieten und eine wachsende Lücke bei bezahlbaren Wohnungen machen schnelleres Bauen zur sozialen Frage.

Verbände fordern mutigen Bürokratieabbau

Die Reaktion der Bauindustrie fällt gemischt aus. Verbände wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) begrüßen die Stoßrichtung, mahnen aber konsequente Umsetzung an. In einer aktuellen Stellungnahme fordert der ZDB einen „mutigen Bürokratieabbau“.

Eine zentrale Forderung: die Stärkung des Losgrundsatzes. Große Bauvorhaben sollen in kleinere Einheiten aufgeteilt werden, um mittelständischen Betrieben den Zugang zu sichern. Der Erfolg der Reform hängt maßgeblich davon ab, ob die neuen Regeln in den kommunalen Vergabestellen ankommen.

Erste Bilanz im Sommer erwartet

Die Branche blickt nun gespannt auf die Praxis. Bewähren sich die flexibleren Regeln? Ein erster Prüfstein wird der Fortschrittsbericht der Bundesregierung im Juni 2026 sein. Er soll eine frühe Bilanz der Umsetzung ziehen.

Langfristig zielt die Strategie auf eine weitgehend digitalisierte Vergabelandschaft bis 2027. Ob aus der Reform ein echter Bauturbo wird, entscheidet sich in den Amtsstuben.

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