VDMA-Leitfaden soll Genehmigungs-Chaos für Wasserstoff beenden
03.01.2026 - 06:42:12Der Maschinenbauverband VDMA legt einen neuen Standard vor, um den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland zu beschleunigen. Der Leitfaden soll Planungssicherheit schaffen und bürokratische Hürden abbauen.
Ab sofort können Unternehmen den Entwurf der Richtlinie VDMA 69243-1 einsehen und kommentieren. Die Frist endet am 1. März 2026. Die Veröffentlichung im DIN-Amtsblatt markiert einen Meilenstein auf dem Weg zu einheitlichen Genehmigungsverfahren für Wasserstoffanlagen – ein lange bekannter Engpass für die Energiewende.
Jahrelang klagten Hersteller und Betreiber über intransparente und von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Vorgaben. Das verzögerte Projekte und trieb die Kosten in die Höhe. Der neue VDMA-Leitfaden soll Abhilfe schaffen.
Er bietet eine strukturierte Anforderungsmatrix für verschiedene Anlagentypen, wie Elektrolyseure oder Power-to-X-Systeme. Ziel ist eine „gemeinsame Sprache“ zwischen Antragstellern und Genehmigungsbehörden. Besonders im Fokus stehen dezentrale Anlagen außerhalb etablierter Chemieparks, wo lokale Behörden oft wenig Erfahrung mit Wasserstoff haben.
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„Das Ziel ist, den Genehmigungsprozess von einer individuellen Hürde in ein standardisiertes, planbares Verfahren zu verwandeln“, so Branchenbeobachter.
Drei Standards für Sicherheit und Nachhaltigkeit
Die Veröffentlichung ist Teil einer größeren Initiative. Zwei weitere Richtlinien des VDMA liegen parallel zur öffentlichen Kommentierung vor:
- VDMA 69242-1: Konkretisiert Anforderungen an die sicherheitsbezogene Analyse von Wasserstoffanlagen.
- VDMA 35200: Führt einheitliche Regeln für Ökobilanzen von Wasserelektrolyseuren ein – eine Grundlage für künftige Nachhaltigkeitszertifikate.
Dieses „Compliance-Trio“ deckt regulatorische, sicherheitstechnische und ökologische Aspekte ab. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Die Wasserstoffwirtschaft wechselt von der Pilotphase in den industriellen Maßstab. Ohne klare Standards drohen Genehmigungsstaus, die die nationalen Klimaziele gefährden.
Wirtschaftlicher Beschleuniger statt bürokratischem Hemmschuh
Experten sehen den Leitfaden vor allem als wirtschaftlichen Enabler. Er definiert den Stand der Technik für regulatorische Zwecke und reduziert so Investitionsrisiken. Ingenieurbüros können „genehmigungsreife“ Systeme entwerfen, was die Markteinführung neuer Technologien deutlich verkürzt.
Ein großes Problem war bisher die uneinheitliche Handhabung. Gleiche Anlagenkonzepte konnten je nach Bundesland oder Kommune auf völlig unterschiedliche Auflagen stoßen. VDMA 69243-1 soll dieses Feld ebnen und sicherstellen, dass ein in Hamburg anerkanntes Sicherheitskonzept auch in München Gültigkeit hat.
Deutsche Vorlage für europäische Harmonisierung
Der Fokus liegt zwar auf Deutschland, die Struktur ist jedoch auf europäische Skalierbarkeit ausgelegt. Der Text zieht Vergleiche zu Nachbarländern wie Österreich. Marktbeobachter sehen in der Initiative eine potenzielle Blaupause für EU-weite Standards.
Angesichts geplanter grenzüberschreitender Wasserstoffkorridore wird die Harmonisierung von Genehmigungsprozessen zur Grundvoraussetzung. Der proaktive Ansatz des VDMA positioniert deutsche Ingenieursstandards an vorderster Front dieses europäischen Dialogs.
Die größte Hürde bleibt jedoch: Bei dem Leitfaden handelt es sich um eine technische Regel, nicht um Gesetz. Seine Wirksamkeit hängt davon ab, wie stark ihn Bundesländer und lokale Behörden anwenden. Der VDMA betont, dass Behörden in den Erstellungsprozess eingebunden waren – das erhöht die Chancen auf breite Akzeptanz.
Nächste Schritte: Von der Kommentierung zum finalen Standard
Nach der Kommentierungsphase bis zum 1. März 2026 wird eine finale Fassung noch 2026 erwartet. Der VDMA rät allen Beteiligten, den Entwurf zeitnah zu prüfen. Für Betreiber, die Anlagen für 2026/2027 planen, kann die frühe Ausrichtung am Leitfaden den Unterschied zwischen einer zügigen Genehmigung und einem langwierigen Rechtsstreit bedeuten.
Weitere Teile der 69243-Reihe sind bereits angekündigt. Sie sollen spezifischere Anlagentypen abdecken und die internationale Normung einbeziehen. Als „lebende Dokumente“ werden die Leitfaden mit der reifenden Wasserstoffwirtschaft wachsen. Die aktuelle Veröffentlichung ist jedoch der bislang wichtigste Schritt zur Standardisierung in diesem Zukunftsfeld.
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