VDE: Glasfaser wird 2026 zum intelligenten Sensornetz
08.01.2026 - 06:25:12Glasfasernetze müssen sich von bloßen Datenrohren zu intelligenten Sensornetzen entwickeln. Das fordert der Verband der Elektrotechnik (VDE) als Kernstrategie für Deutschlands digitale und energiepolitische Ziele in diesem Jahr. Auf Fachforen in Berlin und Karlsruhe skizzierte der Verband eine Zukunft, in der die Infrastruktur nicht nur sendet, sondern auch überwacht.
VDE-Forum: Glasfaser als „Nervensystem“ für die Energiewende
„Glasfaser im Übertragungsnetz – mehr als Datenübertragung“ – unter diesem Titel diskutierten Experten heute in Berlin einen Paradigmenwechsel. Die Botschaft: Jeder verlegte Glasfaserstrang soll künftig eine Doppelfunktion erfüllen. Neben dem Hochgeschwindigkeits-Datentransport kann die Technologie als verteiltes Sensornetz physische Zustände im Stromnetz überwachen.
„Wir brauchen ein Nervensystem für unsere kritische Infrastruktur“, so die einhellige Meinung. Moderne Fasern könnten mechanische Belastungen in Echtzeit erkennen und Ausfälle prognostizieren, bevor sie eintreten. Für die Stabilität des Smart Grids wird dieser Ansatz als unverzichtbar eingestuft, besonders angesichts schwankender Lasten durch dezentrale Erneuerbare Energien.
Analysten rechnen vor: Die Integration von Sensorik in den Glasfaserausbau könnte in den nächsten fünf Jahren Milliarden für separate Überwachungshardware einsparen. Ein schlüssiges Konzept also – doch wie steht es um die praktische Umsetzung?
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Karlsruher Gipfel: Ohne Glasfaser-Backbone stockt die Industrie 4.0
Einen Tag zuvor, am 7. Januar, hatte das VDE/VDI-Forum zur digitalen Transformation in Karlsruhe die praktischen Hürden beleuchtet. Im Fokus stand die Verschmelzung von operativer Technik (OT) und Informationstechnologie (IT), die seit Jahresbeginn deutlich an Fahrt aufgenommen hat.
Die Kernaussage der Ingenieure und Digitalstrategen: Die erfolgreiche Digitalisierung der deutschen Industrie hängt maßgeblich an flächendeckenden Glasfaseranschlüssen mit niedriger Latenz. Ohne ein robustes Faser-Backbone drohen Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) und des Edge Computing in kritischen Engpässen zu stecken.
Ein Hauptproblem bleibt die regionale Infrastruktur-Lücke. VDE-Vertreter mahnten eine standardisierte Herangehensweise an, um den Graben zwischen Industriezentren und ländlichen Produktionsstandorten zu schließen. Kann der neue EU-Rechtsrahmen hier Abhilfe schaffen?
Gigabit Infrastructure Act: EU-Gesetz soll Bürokratie-Bremse lösen
Die technischen Diskussionen werden 2026 durch eine neue regulatorische Realität untermauert: Der europäische Gigabit Infrastructure Act (GIA) entfaltet nun seine volle Wirkung auf nationale Ausbaustrategien.
Das Gesetz zielt darauf ab, administrative Hürden abzubauen und die Bauzeiten massiv zu verkürzen – ein Ziel, das der VDE durch seine Normungsarbeit aktiv unterstützt. Branchenbeobachter erwarten, dass der GIA die „Last-Mile“-Probleme der letzten zehn Jahre endlich angeht.
Die aktuelle VDE-Leitlinie betont jedoch: Der beschleunigte Ausbau darf nicht zu Lasten der technischen Sicherheit oder Qualität gehen. Neue Richtlinien sollen daher die Installationsstandards bundesweit harmonisieren. Das Ziel ist eine langfristig resiliente Infrastruktur, keine Schnellschüsse.
Der „Digitale Handabdruck“: Wie die Digitalisierung das Klima schützt
Ein zentraler Treiber der VDE-Strategie 2026 ist die Nachhaltigkeit. Der Verband verwies erneut auf sein Konzept des „Digitalen Handabdrucks“ – der positiven Umweltbilanz, die digitale Lösungen ermöglichen.
Durch intelligentes Grid-Management und effiziente Ressourcennutzung via Glasfaser könne der DigitaIsektor seinen eigenen CO₂-Fußabdruck deutlich kompensieren. Experten in Berlin wiesen darauf hin, dass die optische Übertragung pro Bit die energieeffizienteste Methode sei. Angesichts explodierender Datenmengen durch KI ist die Verlagerung des Datenverkehrs in All-Optical-Netze daher nicht nur ein Performance-Thema, sondern eine Klimaschutzmaßnahme.
Ausblick: Das Integrationsjahr 2026 hat begonnen
Für 2026 kündigt der VDE ein Jahr der Integration an. Die Grenzen zwischen Energienetzen und Kommunikationsnetzen verschwimmen, die Glasfaser wird zum verbindenden Element.
Noch in diesem Quartal werden weitere technische Spezifikationen erwartet, insbesondere zur Standardisierung von Fiber-Sensing-Technologien in der öffentlichen Infrastruktur. Während der GIA den physischen Ausbau vorantreibt, liegt der Fokus nun darauf, diese Infrastruktur intelligent, widerstandsfähig und fit für die automatisierte Gesellschaft der späten 2020er Jahre zu machen.
Die Botschaft aus Berlin und Karlsruhe ist eindeutig: Deutschlands digitale Zukunft hängt nicht mehr nur davon ab, Kabel zu verlegen. Sie hängt davon ab, sie als intelligente Assets zu aktivieren.
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