VanEck Semiconductor ETF: PHLX-Crash am 4. Juni, 10 Prozent Absturz
08.06.2026 - 11:33:45 | boerse-global.de
Erst ein neues 52-Wochen-Hoch, dann innerhalb von 48 Stunden ein Absturz um mehr als zehn Prozent. Den VanEck Semiconductor UCITS ETF hat es in der vergangenen Woche doppelt erwischt — und der Auslöser kam aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen.
Broadcom enttäuscht, Jobmarkt überhitzt
Broadcom lieferte für das zweite Fiskalquartal 2026 einen Umsatz von 22,19 Mrd. USD — knapp über den Erwartungen. Was Anleger jedoch kalt erwischte: Der Ausblick auf KI-Chip-Umsätze von 16 Mrd. USD im dritten Quartal blieb deutlich hinter der Konsensschätzung von 17,2 Mrd. USD zurück. Eine Anhebung der Jahresprognose für KI-Halbleiter blieb aus. Die Reaktion war eindeutig: Broadcom-Aktien brachen am 4. Juni um 14 % ein und rissen den gesamten Sektor mit.
Kaum hatte der Markt diesen Schlag verarbeitet, folgte der nächste. Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai zeigte 172.000 neue Stellen — etwa doppelt so viele wie erwartet. Renditen schossen hoch, Zinserhöhungsfantasien kehrten zurück. Geldmärkte preisen nun eine 98-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed die Zinsen bis Jahresende um 25 Basispunkte anhebt. Vor den Daten lag diese Erwartung noch bei rund 60 %.
PHLX erleidet größten Tagesverlust seit März 2020
Der Philadelphia Semiconductor Index verzeichnete seinen schwersten prozentualen Tagesverlust seit März 2020 und vernichtete mehr als eine Billion USD an Börsenwert. Marvell brach um 17 % ein, AMD verlor knapp 11 %, Micron 13 %. Nvidia gab sechs Prozent nach. All diese Namen gehören zu den Kernpositionen des ETF.
Für den VanEck-Fonds bedeutet das: Am 3. Juni noch auf einem Allzeithoch von 102,98 €, schloss er am Freitag bei 92,04 € — ein Wochenverlust von gut fünf Prozent. Vom Hoch trennen ihn nun rund zehn Prozent.
Das makroökonomische Umfeld verschärfte die Lage zusätzlich. Der Brent-Rohölpreis kletterte am 4. Juni über 84 USD je Barrel, befeuert durch Spannungen rund um die Straße von Hormuz. Fed-Chef Kevin Warsh steht damit vor seinem ersten Zinsentscheid in einem Umfeld erhöhter Inflation und eines überhitzten Arbeitsmarkts.
Technische Bereinigung oder Trendwende?
Wells-Fargo-Chefstratege Ohsung Kwon ordnet die Verkaufswelle klar ein: „Der Halbleitersektor war deutlich überkauft. Deshalb sehen wir diesen Ausverkauf. Ich glaube nicht, dass dies das Ende des Halbleiter-Bullenmarkts ist." Die Reaktion sei primär durch Positionierung getrieben worden, nicht durch Fundamentaldaten.
Dafür spricht auch der Blick auf die Jahreskennzahlen. Trotz des Einbruchs liegt der ETF seit Jahresbeginn rund 67 % im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar knapp 141 %. Der Kurs notiert damit noch immer weit über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 59,61 €. Das verwaltete Vermögen des Fonds beläuft sich auf rund 7,8 Mrd. Euro.
Die 10-Prozent-Gewichtungsobergrenze je Einzeltitel federt Konzentrationsrisiken bei Broadcom oder Nvidia strukturell ab — die Korrelation mit dem Gesamtsektor hebt sie allerdings nicht auf. Wer den nächsten Impuls sucht, schaut auf den Fed-Entscheid von Kevin Warsh und die weitere Entwicklung der KI-Chip-Nachfrage im dritten Quartal.
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