VanEck Seltene Erden ETF: Yttriumoxid 140-fach teurer seit April 2025
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 21:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der VanEck Seltene Erden ETF verliert an diesem Tag 2,43 Prozent und notiert bei 11,87 Euro. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der den Fonds inzwischen 36,73 Prozent unter sein Jahreshoch von 18,76 Euro gedrückt hat. Das Paradoxe daran: Die physischen Rohstoffpreise für Seltene Erden außerhalb Chinas erreichen gerade neue Rekordstände. Zwischen Rohstoffwert und Aktienkurs klafft eine Lücke, die immer größer wird.
Die Preisschere außerhalb Chinas
Berichte aus Tokio zeigen ein klares Muster. Die Preise für Seltene Erden, die in Elektrofahrzeugen und Industriegütern stecken, steigen außerhalb Chinas immer weiter. Chinas Exportbeschränkungen treiben diese Entwicklung an, während der heimische Markt in China selbst kaum betroffen bleibt.
Neodymium, eines der wichtigsten Referenzmetalle der Branche, fiel am 23. Juli 2026 zwar um 1,00 Prozent auf 995.000 Yuan pro Tonne. Im Jahresvergleich steht dennoch ein Plus von 53,08 Prozent zu Buche. Diese Zahl zeigt, wie stark der Rohstoffkomplex insgesamt zugelegt hat, auch wenn kurzfristige Bewegungen volatil bleiben.
Exportbeschränkungen würgen die Lieferketten
Chinas Restriktionen für sieben Elemente der schweren Seltenen Erden bleiben der zentrale Treiber der Preisentwicklung. Ein Forschungsdirektor der Metallberatung Project Blue warnt: Der Markt außerhalb Chinas werde 2026 und 2027 weiter unter Engpässen bei schweren Seltenen Erden leiden, solange alternative Lieferanten erst gebaut und in Betrieb genommen werden müssen. Die im April 2025 verhängten Beschränkungen für sieben Elemente gelten unverändert. Ein Lizenzsystem mit doppeltem Verwendungszweck schränkt zudem Exporte an die USA und deren militärische Verbündete weiter ein.
Chinesische Zolldaten aus diesem Monat liefern ein weiteres Detail. Der Exportwert für Seltene Erden stieg im ersten Halbjahr 2026 um 61,1 Prozent auf 308,3 Millionen Dollar, obwohl die verschiffte Menge um 6,4 Prozent sank. Allein im Juni wurden 5.104,8 Tonnen im Wert von 64,6 Millionen Dollar exportiert. Weniger Tonnen zu deutlich höheren Preisen – genau diese Dynamik setzt westliche Hersteller unter Druck, die für ihre Magnet- und Rüstungsproduktion auf die Rohstoffe angewiesen sind.
Warum der ETF dem Rohstoff nicht folgt
Trotz des bullischen Rohstoffumfelds hat der VanEck Seltene Erden ETF in den vergangenen 30 Tagen 23,75 Prozent verloren. Die Kluft zwischen Warenpreis und Aktienbewertung wächst damit weiter. Der Markt scheint einzupreisen, dass anhaltend hohe Rohstoffkosten die Margen bei Bergbau- und Verarbeitungsunternehmen aufzehren, statt die Aktionäre für die Knappheit zu belohnen.
Diese Entkopplung deckt sich mit einer Warnung der Internationalen Energieagentur. Die vollständige Umsetzung von Chinas Exportbeschränkungen könnte demnach weltweit Produktionsketten im Wert von 6,5 Billionen Dollar gefährden. Mehrere Industrien auf verschiedenen Kontinenten stünden dadurch vor ernsten Problemen.
Strukturelle Knappheit trotz Kurskorrektur
Das Missverhältnis zwischen physischer Knappheit und Aktienperformance ist für diesen Zyklus nichts Neues. Die Preise für Yttriumoxid außerhalb Chinas haben sich seit den Exportkontrollen vom April 2025 um das 140-Fache erhöht. Dysprosium- und Terbiumoxid kosten inzwischen vier- bis fünfmal so viel wie zuvor.
Das Angebot hat mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten. Die Lieferungen von Yttrium, Dysprosium und Terbium liegen weiterhin rund 50 Prozent unter dem Niveau der zwölf Monate vor Einführung der Kontrollen.
Für Halter des VanEck Seltene Erden ETF zeigt die aktuelle Lage ein bekanntes Spannungsfeld der Rohstoffbranche. Geopolitische Knappheit kann sich verschärfen, während die zugehörigen Aktien gleichzeitig scharfe Korrekturen durchlaufen. Risikoscheue Stimmung, Gewinnmitnahmen nach dem starken Anstieg bis zum Maihoch und Unsicherheit darüber, wie lange sich hohe Rohstoffkosten an Endkunden weitergeben lassen, drücken den Kurs derzeit stärker als die physische Knappheit ihn stützt.
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