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VanEck Seltene Erden ETF: IEA warnt vor 6,5 Billionen Dollar Risiko

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 22:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der VanEck Seltene Erden ETF verliert deutlich an Wert, während die Preise für die Rohstoffe selbst stark anziehen. Geopolitische Spannungen und eine allgemein vorsichtige Marktstimmung belasten den Fonds.

VanEck Seltene Erden ETF: Kurssturz trotz steigender Rohstoffpreise
Eine Hand hält ein leuchtendes Seltenerdmineral vor dem Hintergrund von Bergbauausrüstung und einem digitalen Risikografen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein ETF, dessen Basiswert im Preis steigt und dessen Kurs gleichzeitig einbricht — genau das passiert derzeit beim VanEck Seltene Erden ETF. Der Fonds schloss am Freitag bei 12,22 Euro, ein Minus von 3,29 Prozent an nur einem Tag. Binnen 30 Tagen hat das Papier 26,44 Prozent verloren, obwohl die physischen Rohstoffpreise für Seltene Erden im selben Zeitraum kräftig zulegten.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 24,4 und signalisiert damit eine technisch überverkaufte Lage. Das steht in auffälligem Widerspruch zur fundamentalen Entwicklung des Marktes, den der Fonds eigentlich abbilden soll.

Minenaktien geraten unter Druck

Der Ausverkauf trifft nicht nur den ETF selbst, sondern die gesamte Branche der Minen- und Rohstoffwerte. Lynas Rare Earths, der größte Produzent außerhalb Chinas, berichtete von einer der schwächsten Wochen für Gold seit Anfang Juni. Der Goldpreis pendelte um die Marke von 4.000 Dollar, während die mittlere Aktie aus dem Edelmetallsektor fast 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch notierte.

Auch andere Rohstoffwerte gaben breit nach. Ein konkreter Auslöser für einzelne Unternehmen ließ sich nicht ausmachen. Stattdessen drückte eine allgemein vorsichtige Marktstimmung auf den gesamten Sektor.

Diese sektorweite Risikoaversion erklärt, warum der stark auf Minen- und Verarbeitungsunternehmen ausgerichtete VanEck-ETF binnen einer Woche zusätzlich 10,50 Prozent verlor — obwohl die Geschichte hinter dem Rohstoff selbst intakt bleibt.

IEA warnt vor Billionen-Risiko durch China

Die Internationale Energieagentur (IEA) veröffentlichte am 16. Juli einen Bericht, der die Nervosität zusätzlich befeuert. Ihre Warnung: Sollte China seine Exportbeschränkungen für Seltene Erden vollständig umsetzen, könnten davon jährlich Produktionsketten außerhalb Chinas im Wert von 6,5 Billionen Dollar betroffen sein.

Die Agentur empfiehlt Staaten, gemeinsam elf als "hochriskant" eingestufte Materialien auf Vorrat zu legen. Eine erste Beschaffung würde 9,2 Milliarden Dollar kosten, die laufenden jährlichen Kosten lägen bei 900 Millionen Dollar. Nach Einschätzung der IEA sind diese Summen im Vergleich zu den potenziellen Schäden durch Lieferausfälle gering.

Hintergrund der Sorge: China hatte im April 2025 weitreichende Exportkontrollen für sieben schwere Seltene-Erden-Elemente eingeführt. Die Maßnahme traf nachgelagerte Industrien empfindlich, einige Autohersteller mussten ihre Produktion zeitweise stoppen. Die verschärften Regeln sind zwar bis November 2026 ausgesetzt, laut IEA bleiben die Verwundbarkeiten der Lieferketten aber bestehen. Besonders betroffen wären die USA und Europa: Auf sie entfällt nach Angaben der Agentur fast die Hälfte des potenziellen wirtschaftlichen Schadens.

Metallpreise steigen, Aktien fallen

Der Ausverkauf bei den Aktien wirkt umso bemerkenswerter, weil die physischen Rohstoffpreise weiter anziehen. Im Juni stiegen alle 18 beobachteten Seltene-Erden-Elemente im Preis, kein einziges verzeichnete einen Rückgang. Germanium legte um 27,8 Prozent zu, Indium um 26,5 Prozent, Dysprosium um 25,4 Prozent. Im Schnitt gewann der Warenkorb 16,7 Prozent.

Auch die Preise für NdPr-Legierungen sowie für die Metalle Neodym und Praseodym kletterten auf neue Jahreshochs und setzten damit die Erholung aus dem Juni fort.

Diese Kluft — steigende Rohstoffpreise bei fallenden Minenaktien — zeigt, worauf der Markt gerade schaut: kurzfristige geopolitische Reibung statt langfristiger Angebotsfundamentaldaten. US-Finanzminister Scott Bessent brachte die Spannung zuletzt auf den Punkt und beschrieb Chinas Exporthebel als "China gegen den Rest der Welt". Washington und seine Verbündeten würden sich "weder kommandieren noch kontrollieren" lassen, so Bessent.

Charttechnik zeigt den Ausmaß des Rückgangs

Der ETF notiert inzwischen deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 15,55 Euro und seinem 200-Tage-Durchschnitt von 14,44 Euro — ein Abstand von 21,43 Prozent respektive 15,36 Prozent. Trotz des scharfen Rückgangs steht der Fonds auf Sicht von zwölf Monaten noch immer 49,64 Prozent im Plus. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 41,62 Prozent unterstreicht, wie schwankungsanfällig das Thema Seltene Erden im vergangenen Jahr geblieben ist.

Für einen Fonds, der stark auf Minenbetreiber, Raffinerien und Verarbeiter von Seltenen Erden und strategischen Metallen konzentriert ist, dürften die kommenden Wochen von zwei Fragen abhängen: Verschärft Peking sein Lizenzsystem weiter, bevor die Aussetzung im November 2026 ausläuft? Und beschleunigen westliche Regierungen ihre Vorratshaltung, wie sie die IEA in ihrer jüngsten Einschätzung angemahnt hat?

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