Validato, Compliance-Plattform

Validato startet Compliance-Plattform für deutsche Telekom-Branche

15.01.2026 - 10:00:12

Die deutsche Telekommunikationsbranche erhält ein neues Werkzeug für die Sicherheitsprüfung. Die Schweizer Firma Validato hat eine spezielle Compliance-Plattform für den deutschen Markt gestartet. Sie soll Sicherheitschecks und Datenschutzverifikationen für kritische Infrastrukturbetreiber vereinfachen. Der Start fällt in eine Phase verschärfter Regulierung – die Konsultationsfrist für den neuen Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur endet diese Woche.

Das am Donnerstag vorgestellte System zielt auf die komplexen Anforderungen des aktualisierten Telekommunikationsgesetzes (TKG) und der neuen NIS-2-Richtlinie ab. Beide stufen Telekommunikationsnetze als kritische Infrastruktur (KRITIS) ein. Die Plattform bündelt mehrere obligatorische Prüfungen in einem digitalen Workflow. Dazu gehören Identitätsverifikation für externe Techniker, Qualifikationschecks und automatische Abgleiche mit internationalen Sanktionslisten.

Damit adressiert die Lösung eine bekannte Schwachstelle: das Management von Fremdpersonal, das Zugang zu sensiblen Netzknoten und Rechenzentren benötigt. Experten weisen seit langem darauf hin, dass die physische und personelle Sicherheit oft eine größere Lücke darstellt als die digitale Abwehr. Die neue Plattform soll Betreibern ermöglichen, jeden externen Dienstleister nach den strengen deutschen Rechtsvorgaben zu überprüfen.

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Regulatorischer Druck: Der Kontext des „Sicherheitskonzepts“

Der Start kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Branche steht unter massivem Regulierungsdruck, der sich aus zwei parallelen Entwicklungen speist.

1. Der neue Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur (BNetzA):
Die Behörde überarbeitet derzeit ihren „Katalog von Sicherheitsanforderungen“ gemäß § 167 TKG. Die Konsultationsfrist für den aktuellen Entwurf endet am 16. Januar 2026. Dieser Katalog bildet die Grundlage für die verpflichtenden „Sicherheitskonzepte“, die alle Anbieter den Aufsichtsbehörden vorlegen müssen.

2. Die NIS-2-Umsetzung:
Seit Anfang Januar 2026 gilt die deutsche Umsetzung der EU-NIS-2-Richtlinie in vollem Umfang. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat sein Melde- und Registrierungsportal bereits am 6. Januar gestartet. Tausende Unternehmen – auch aus der Telekommunikation – müssen sich als „wichtige“ oder „essenzielle“ Einrichtungen registrieren. Die Richtlinie schreibt eine strenge Lieferkettensicherheit und Meldepflicht für Vorfälle innerhalb von 24 Stunden vor.

Die Kombination dieser Vorgaben bedeutet: Telekom-Betreiber haften nun rechtlich für die Sicherheit ihrer gesamten Lieferkette – inklusive des Personals ihrer Subunternehmer.

Von der Vorschrift zur Praxis

Genau hier setzt die neue Plattform an. Sie soll die praktische Umsetzung der Regeln ermöglichen. Nach den neuen BNetzA-Vorgaben müssen Betreiber nachweisen, dass sie „technische und organisatorische Maßnahmen“ (TOMs) gegen unbefugten Zugriff auf Netzkomponenten ergriffen haben.

Laut Validato nutzt die Plattform eine zentrale Datenbank für die Echtzeit-Validierung von Berechtigungen. So soll sichergestellt werden, dass ein Techniker, der eine Glasfaser-Verteilerstelle in München oder ein Server-Rack in Frankfurt wartet, nicht nur qualifiziert, sondern auch datenschutz- und sicherheitskonform ist.

Reto Marti, Chief Operating Officer bei Validato, betonte in der Mitteilung die besondere Verantwortung der Telekommunikationsunternehmen. Selbst kleine Sicherheitslücken oder unzureichend geprüftes Personal könnten schwerwiegende Folgen für die Betriebssicherheit und den Datenschutz haben. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit Cybersicherheitsspezialisten wie CypSec zusammen, um auch die Integrität der eigenen Datenverarbeitung zu gewährleisten.

Branchenreaktion und Ausblick

Die Reaktionen aus der Industrie schwanken zwischen Dringlichkeit und vorsichtigem Optimismus. Während die Verbände ihre internen Prozesse an die erwarteten Endfassungen der Regeln anpassen, sehen Analysten automatisierte Compliance-Plattformen bis Ende 2026 als neuen Standard. Die manuelle Überprüfung Tausender externer Dienstleister ist angesichts der strengen Dokumentationspflichten von DSGVO und TKG nicht mehr praktikabel.

Die nächsten Schritte:
* 16. Januar 2026: Ende der Konsultationsfrist für den BNetzA-Sicherheitskatalog. Die finale Version wird für das erste Quartal 2026 erwartet.
* März 2026: Die dreimonatige Übergangsfrist für die NIS-2-Registrierung beim BSI endet. Unternehmen, die sich bis dahin nicht registriert haben, drohen hohe Bußgelder.
* Zweites Quartal 2026: Erste Audits unter dem neuen Regime werden erwartet. Sie werden zeigen, ob Plattformen wie die von Validato der regulatorischen Prüfung standhalten.

Der Start markiert einen Wendepunkt: Die deutsche Telekommunikationsbranche versucht, den regulatorischen Aufwand durch Automatisierung von reaktiver zu proaktiver Compliance zu verschieben.

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