Union treibt Steuerreform für die Mittelschicht voran
27.04.2026 - 18:06:52 | boerse-global.deIm Kern geht es um spürbare Entlastungen für Durchschnittsverdiener – und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags.
Höhere Freibeträge, späterer Spitzensteuersatz
Die von den Abgeordneten Yannick Bury und Florian Dorn ausgearbeitete Initiative zielt auf zwei zentrale Stellschrauben: Der Grundfreibetrag soll um 1.000 Euro steigen, der Spitzensteuersatz erst ab einem Jahreseinkommen von 85.000 Euro greifen. Aktuell, so die Union, rutschen Normalverdiener durch die kalte Progression viel zu schnell in höhere Steuerstufen – ein Effekt, der sich durch die Inflation der vergangenen Jahre noch verschärft hat.
Zusätzlich fordert die Fraktion die komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Um die Einnahmeausfälle zumindest teilweise zu kompensieren, soll die sogenannte Reichensteuer von 45 auf 47,5 Prozent steigen – allerdings erst für Menschen mit mehr als 210.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen.
Die Rechnung der Union: Ein Alleinstehender mit 50.000 Euro Jahresgehalt würde rund 750 Euro pro Jahr sparen, bei 70.000 Euro wären es sogar 1.400 Euro. Auch Partner und kleine Betriebe, die über die Einkommensteuer ihrer Inhaber besteuert werden, würden profitieren.
Bürokratieabbau: Schluss mit 47-seitigen Formularen
Während die Union auf breite Steuerentlastung setzt, kümmern sich die Justizminister der Länder um ein anderes Ärgernis: die Privatinsolvenz. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg liegt ein Plan zur Vereinfachung des Verfahrens vor. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) kritisiert die aktuelle Praxis scharf: Antragsteller müssten sich durch 47 Seiten Formulare kämpfen und drei separate Anträge stellen.
Der Vorschlag, der im Juni auf der Justizministerkonferenz vorgestellt wird, sieht vor, alles in einem einzigen Antrag zu bündeln und die Prüfung zu automatisieren. Der Hintergrund: Rund 1,5 Millionen Menschen in NRW – knapp zehn Prozent der Bevölkerung – gelten als überschuldet. Doch nur 100.000 von ihnen befinden sich in einem offiziellen Insolvenzverfahren. Die Minister argumentieren, dass die Komplexität der Formulare viele von einer „zweiten Chance“ abhalte. Auch Bagatellgrenzen für Anfechtungen und ein einfacheres Verfahren für ehemalige Selbstständige sind vorgesehen.
Parallel dazu testet Hessen seit dem 10. April die automatisierte Steuererklärung. Rund 200.000 Steuerzahler mit einfachen Einkommensverhältnissen – vor allem Arbeitnehmer und Rentner – haben bereits einen automatischen Bescheid für das Jahr 2025 erhalten. Sie können ihre Steuererklärung per QR-Code oder Brief freigeben. Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen prüfen ähnliche Modelle. Andere Länder bleiben skeptisch.
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Regierung kontert mit härterer Gangart gegen Steuerhinterziehung
Die Reformdebatte fällt in eine phase intensiver Gesetzgebung. Erst am 24. April verabschiedete der Bundestag das Neunte Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes. Es modernisiert die Lohnsteuerhilfevereine und verschärft das Verbot von Drittbeteiligungen an Steuerberatungskanzleien. Eine Neuerung: Arbeitgeber können ihren Beschäftigten bis zum 30. Juni 2027 einen steuerfreien Entlastungsbonus von bis zu 1.000 Euro zahlen. Der Bundesrat stimmt am 8. Mai darüber ab.
Doch der Kurs der Bundesregierung unterscheidet sich deutlich von dem der Union. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant, die Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu verschärfen. Künftig sollen Selbstanzeigen oberhalb bestimmter Grenzen nicht mehr automatisch vor Strafverfolgung schützen, sondern nur noch als Strafmilderungsgrund gelten. „Das System muss sicherstellen, dass ehrliche Steuerzahler nicht benachteiligt werden“, so Klingbeil. Geplant ist zudem der Ausbau einer Spezialeinheit gegen Steuerbetrug und eine zentrale Datenplattform mit KI-gestützter Analyse.
Kurzfristig reagiert die Regierung mit dem Zweiten Energiesteuersenkungsgesetz auf die hohen Spritpreise. Nach einer Sondersitzung des Bundesrates am 24. April steht der Tankrabatt: Ab dem 1. Mai wird die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter gesenkt.
Digitalisierung und Energiewende als Treiber
Die Steuerdebatte wird zunehmend von zwei Megatrends beeinflusst: Digitalisierung und Energiewende. Im Juli 2026 startet eine neue ELSTER-Anwendung. Das Tool richtet sich an rund elf Millionen kinderlose Singles und Rentner ohne Nebeneinkünfte. Sie können ihre Steuererklärung künftig mit einem Klick erledigen – die Finanzämter nutzen dafür bereits vorhandene Daten. Experten warnen jedoch: Wer hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen will, fährt mit der klassischen Erklärung oft besser.
Im Energiesektor greifen seit dem 1. Januar 2026 neue Regeln zur Stromsteuer. Wind- und Solarparks erhalten den Status als „Eigenversorger“ – ihr Eigenverbrauch ist automatisch von der Stromsteuer befreit, die Bürokratie sinkt. Das soll Betreibern von gepoolten Anlagen Rechtssicherheit geben.
Gleichzeitig treiben die steigenden Mobilitätskosten den Wandel voran. Am 27. April 2026 erreichten die Spritpreise neue Höchststände: Super E10 kostete 2,099 Euro pro Liter, Diesel 2,195 Euro. Auslöser sind unter anderem die geopolitischen Spannungen um die Straße von Hormus. Die Folge: Das Interesse an E-Autos steigt rasant. In der Schweiz legten die Suchanfragen nach Elektroautos im April 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent zu. Daten aus dem ersten Quartal zeigen: Elektroautos mit dynamischen Stromtarifen können bis zu 59 Prozent günstiger im Betrieb sein als Benziner.
Angesichts steigender Mobilitätskosten und der steuerlichen Vorteile von E-Fahrzeugen ist die Wahl der richtigen Besteuerungsmethode für den Firmenwagen entscheidend. Ermitteln Sie in unter drei Minuten, ob das Fahrtenbuch oder die 1%-Regelung für Sie finanziell vorteilhafter ist – auch unter Berücksichtigung von Elektro- und Hybridmodellen. Kostenlosen Excel-Rechner für Firmenwagen herunterladen
Ausblick: Entscheidende Monate für die Steuerwende
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Union ihre Steuerreform durchsetzen kann. Die Justizministerkonferenz im Juni entscheidet über die Vereinfachung des Insolvenzrechts. Die Union bleibt unterdessen auf Kurs: Die Einkommensteuer-Entlastung sei die richtige Antwort auf die wirtschaftliche Lage – auch wenn das SPD-geführte Finanzministerium lieber auf konsequente Verfolgung von Steuersündern und befristete Entlastungen setzt.
Beobachter erwarten, dass die Debatte um den Soli und die Steuerstufen im Laufe der Legislaturperiode an Fahrt gewinnt. Mit der Bundesratssitzung am 8. Mai und dem Start der neuen digitalen Steuertools im Juli steht die deutsche Steuerlandschaft vor einem grundlegenden Wandel. Ob am Ende die große Entlastung steht oder nur eine Reihe von Einzelschritten, hängt vom politischen Konsens in der zweiten Jahreshälfte ab.
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