Union bringt Steuerentlastung für Arbeitnehmer auf den Weg
27.04.2026 - 10:43:38 | boerse-global.deDie CDU/CSU hat ein umfassendes Steuerreformkonzept vorgelegt, das die Nettogehälter von Millionen Beschäftigten spürbar erhöhen soll. Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland laut OECD-Daten aus dem Jahr 2024 nach Belgien die höchste Steuer- und Abgabenlast in der Europäischen Union trägt – satte 49,3 Prozent. Die Union will gegensteuern: mit einer Anhebung der Steuerfreibeträge und der Abschaffung langjähriger Zuschläge.
Vier Säulen für mehr Netto vom Brutto
Das von Yannick Bury (CDU) und Florian Dorn (CSU) erarbeitete Konzept setzt auf vier zentrale Stellschrauben. Kernforderung ist die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags, der bis heute auf höhere Einkommen erhoben wird. Zudem schlagen die Autoren eine Anhebung des Grundfreibetrags um mindestens 1.000 Euro vor. Das würde allen Steuerzahlern sofort mehr Luft verschaffen, weil ein größerer Teil des Einkommens steuerfrei bliebe.
Besonders interessant: Die Union will die sogenannte „kalte Progression“ bekämpfen. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 85.000 Euro greifen – bisher liegt die Schwelle bei 70.000 Euro. Um die Steuerausfälle zumindest teilweise zu kompensieren, schlagen die Unionspolitiker eine Anhebung der Reichensteuer von 45 auf 47,5 Prozent vor. Ein Alleinstehender mit 70.000 Euro Jahreseinkommen würde demnach rund 1.400 Euro pro Jahr weniger Steuern zahlen.
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Wer gilt eigentlich als Gutverdiener?
Die Debatte um Steuerentlastungen wird durch frische Daten des Finanzministeriums untermauert, das Ende April 2026 seine Einkommensklassen neu definiert hat. Demnach gilt als „Normalverdiener“, wer monatlich zwischen 2.378 und 3.313 Euro brutto verdient – also etwa Busfahrer oder Pflegekräfte. Die Grenze zum „Gutverdiener“ liegt bei 5.859 Euro brutto im Monat.
Die oberen ein Prozent der Bevölkerung, die sogenannten „Spitzenverdiener“, kommen auf mindestens 23.277 Euro monatlich. Dazu zählen etwa der Bundeskanzler oder der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn. Diese Gruppe trägt rund 24 Prozent des gesamten Lohnsteueraufkommens. Zum Vergleich: Das Medianeinkommen in Deutschland liegt laut StepStone-Studie 2026 bei 53.900 Euro brutto im Jahr. Ärzte bleiben die Spitzenverdiener – oft mit über 100.000 Euro. Und die Gender Pay Gap? Sie beträgt weiterhin 9,7 Prozent: Frauen verdienen im Schnitt 5.400 Euro weniger als Männer.
Krankenkassen-Reform: Die Kehrseite der Medaille
Doch so verlockend die Steuerpläne klingen – die Kehrseite kommt aus dem Gesundheitsministerium. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) treibt ein „Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz“ voran, das eine Finanzierungslücke von 15,3 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung schließen soll. Kernpunkt: Die Beitragsbemessungsgrenze soll ab 2027 einmalig um rund 300 Euro steigen. Das Kabinett berät darüber am 29. April 2026.
Die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze führt bei vielen Gutverdienern zu höheren Sozialabgaben und wirkt damit den erhofften Steuerentlastungen entgegen. Dieser kostenlose Überblick liefert alle wichtigen Grenzwerte sowie praktische Rechenbeispiele, damit Arbeitnehmer und Arbeitgeber sofort Klarheit bei den Gehaltsabrechnungen gewinnen. Übersicht der Beitragsbemessungsgrenzen kostenlos herunterladen
Noch einschneidender: Die Reform führt eine „Teil-Krankschreibung“ ein. Ärzte könnten dann bescheinigen, dass ein Patient zu 25, 50 oder 75 Prozent arbeitsfähig ist. Das soll die hohen Krankheitsausfälle senken – 2025 lag der Schnitt bei 19,5 Tagen pro Person. DGB und SoVD laufen bereits Sturm. Zudem soll das Krankengeld von 70 auf 65 Prozent des Bruttogehalts sinken. Und ab 2028 müssen kinderlose Ehepartner, die bisher beitragsfrei mitversichert sind, erstmals zahlen. Höhere Zuzahlungen bei Medikamenten kommen obendrauf. Die geplanten Steuerentlastungen? Sie drohen in den höheren Sozialabgaben unterzugehen.
Wettlauf der Konzepte: Union gegen SPD
Die Union steht mit ihrem Vorstoß nicht allein da. Die SPD arbeitet eigenen Angaben zufolge an einem Entlastungsmodell für Geringverdiener mit monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Während die SPD also die unteren Einkommensgruppen in den Blick nimmt, zielt das Unionskonzept vor allem auf diejenigen, die kurz vor dem Spitzensteuersatz stehen.
Die Dringlichkeit der Reformen zeigt sich auch in den branchenspezifischen Gehaltsunterschieden. Im Finanz- und Versicherungssektor lag das Durchschnittsgehalt im Frühjahr 2025 bei 6.279 Euro im Monat, in der Gastronomie dagegen bei nur 3.185 Euro. Der öffentliche Dienst, aktuell bei durchschnittlich 4.727 Euro, steht vor einer sofortigen Änderung: Ab dem 1. Mai 2026 erhalten mehr als 2,5 Millionen Bundes- und Kommunalbeschäftigte 2,8 Prozent mehr Gehalt. Hochqualifizierte in der Entgeltgruppe E15 kommen dann auf 5.827 bis 8.204 Euro brutto im Monat.
Zeitfenster wird enger
Die Bundesregierung steht unter Druck: Vor der Sommerpause sollen die zentralen Teile der Steuer- und Gesundheitspakete durchs Parlament sein. Doch die Zeit läuft. Und während auf Bundesebene um die großen Linien gerungen wird, zeigen regionale Entwicklungen die anhaltenden Spannungen. In Baden-Württemberg etwa verhandelt die CDU über eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit für Beamte von 41 auf 40 Stunden – trotz Widerstands des Koalitionspartners, der Kosten von 200 Millionen Euro befürchtet.
Die Stimmung in der Bevölkerung? Sie bleibt skeptisch. Eine ARD-Studie von Ende April 2026 zeigt: 81 Prozent der Deutschen empfinden die aktuelle Vermögensverteilung als ungerecht. Ob die Union mit ihrem Konzept durchdringt, wird maßgeblich davon abhängen, ob die versprochenen Nettoentlastungen die steigenden Sozialabgaben und die Kosten der Gesundheitsreform tatsächlich überwiegen. Die Prognose für 2024 immerhin: Reallohnsteigerungen von knapp sechs Prozent. Und ab Mai 2026 gibt es für Auszubildende 75 Euro mehr im Monat. Ein Anfang – aber reicht das?
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