Aktien Frankfurt Ausblick: Anleger lassen Vorsicht walten
11.06.2026 - 08:18:32 | dpa.deDie wieder zunehmenden Spannungen in Nahost, hinterfragte hohe KI-Bewertungen und die Aussicht auf steigende Zinsen sollte die Anleger Vorsicht walten lassen. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax DE000A0C4CA0 als außerbörslicher Indikator für den Dax DE0008469008 ein Minus von 0,2 Prozent auf 24.156 Punkte.
Die USA und der Iran haben sich in der zweiten Nacht in Folge heftig gegenseitig beschossen. Laut dem Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners glaubt aber kaum jemand an eine langfristige erneute Eskalation. "Alle gehen davon aus, dass sich Donald Trump während der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft als Friedenspräsident inszenieren will", kommentierte der Experte am Morgen.
Am Donnerstag wird nun fest damit gerechnet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Folgen des Iran-Kriegs ihren Leitzins am Nachmittag um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Auch eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr gilt unter Experten bereits weitgehend eingepreist. Der Anlegerfokus werde darauf liegen, welche Signale hinsichtlich künftiger geldpolitischer Schritte gegeben werden, bemerkte Ökonom Arnaud Mares von der Citigroup.
Der US-Software- und Datencenter-Konzern Oracle US68389X1054 erhielt im vierten Geschäftsquartal weiter deutlich Schwung von den KI-Ausgaben seiner Kunden. Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur - das sind vor allem KI-Rechenzentren - wuchs um 93 Prozent, wie der SAP-Rivale DE0007164600 mitteilte. Experten bemängelten aber hohe Kosten für Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse. Zudem verlangsamte sich das Erlöswachstum bei SaaS-Software. Die Oracle-Aktie brach am Mittwoch nach US-Börsenschluss um 10 Prozent ein. Ein Händler sprach am Morgen von negativen Auswirkungen auf den gesamten Unternehmenssoftware-Sektor und damit auch auf SAP, auch wenn die Walldorfer bei den Investitionen deutlich zurückhaltender seien als Oracle. Die SAP-Papiere sackten im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um weitere 1,5 Prozent ab.
Der Großaktionär Frasers Group GB00B1QH8P22 will den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss DE000A1PHFF7 übernehmen. Frasers will im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie bieten. Zuletzt kamen die Briten nach eigenen Angaben auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Die Hugo-Boss-Titel sprangen auf Tradegate zuletzt um 5,1 Prozent hoch.
Der Großaktionär Ennoconn hat beim Technologieunternehmen Kontron AT0000A0E9W5 die 30-Prozent-Schwelle überschritten und will den restlichen Aktionären nun ein Pflichtangebot zur Übernahme machen. Der Angebotspreis soll bei 23,50 Euro je Aktie liegen. Die Kontron-Aktie hatte im Xetra-Haupthandel am Mittwoch bei 22,40 Euro geschlossen. Auf Tradegate legte der Kurs am Morgen um 5,0 Prozent auf 23,51 Euro zu.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Aktien der Porsche AG DE000PAG9113 von "Neutral" auf "Buy" hoch und erhöhte das Kursziel von 39 auf 59 Euro. Struktureller Gegenwind für den Sportwagenbauer bleibe zwar die Realität, sei aber in den massiv gesunkenen Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Analyst Christian Frenes. Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnanstieg von 30 Prozent. Die Aktien der Porsche AG stiegen auf Tradegate um 1,9 Prozent.
Die Anteilsscheine von Renk DE000RENK730 und Patrizia DE000PAT1AG3 dürften rein optisch im Minus notieren, da sie am Donnerstag mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden.
