Über-Kreuz-Moves: Hirntuning oder Hokuspokus?
07.02.2026 - 16:53:12Über-Kreuz-Bewegungen sollen die Gehirnleistung steigern. Doch die Wissenschaft winkt ab. Die populären Übungen, bei denen etwa die rechte Hand das linke Knie berührt, gelten als einfaches Mittel für mehr Konzentration und ein besseres Gedächtnis. Ihre angebliche Wirkung erklären Anhänger mit einer besseren Vernetzung der beiden Gehirnhälften. Neurowissenschaftler halten dagegen: Es handelt sich um einen populären Neuromythos.
Die Theorie: Synchronisation der Hirnhälften
Die Grundidee klingt einleuchtend. Die linke Gehirnhälfte, zuständig für Logik und Sprache, steuert die rechte Körperseite. Die rechte, kreative Hälfte kontrolliert die linke Seite. Konzepte wie Brain Gym behaupten, dass das Überkreuzen der Körpermitte – die sogenannte Kreuzkoordination – den Informationsfluss zwischen den Hemisphären ankurbelt. Diese bessere Kommunikation soll dann die kognitive Leistung insgesamt verbessern. Lernschwierigkeiten werden so auf eine mangelnde Koordination zwischen den Hirnhälften zurückgeführt.
Die Realität: Ein wissenschaftlich widerlegter Mythos
Die Fachwelt ist skeptisch. Zwar aktiviert jede Bewegung das Gehirn, die spezifische These der gezielten Hemisphären-Synchronisation durch diese Übungen gilt als widerlegt. Studien konnten die vollmundigen Versprechen von Programmen wie Brain Gym nicht bestätigen. Sie basieren auf veralteten Vorstellungen der Hirnforschung.
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Was also bewirken die Übungen wirklich? Die positiven Effekte, die viele Anwender spüren, lassen sich auf allgemeine Vorteile von Bewegung zurückführen:
* Sie steigern die Durchblutung im Gehirn.
* Sie setzen Botenstoffe wie Dopamin frei.
* Sie können die Aufmerksamkeit nach einer Pause kurzfristig erhöhen.
Diese Effekte sind jedoch nicht exklusiv für Über-Kreuz-Moves. Jede koordinativ anspruchsvolle Bewegung kann ähnliche Resultate erzielen.
Verwandt, aber anders: Bilaterale Stimulation bei Trauma
Ein separates, wissenschaftlich fundierteres Konzept ist die bilaterale Stimulation. Sie ist Kern der Traumatherapie-Methode EMDR. Dabei folgen Patienten rhythmischen, seitenwechselnden Reizen – etwa mit den Augen den Fingern eines Therapeuten – während sie sich an belastende Erinnerungen herantasten. Diese Stimulation soll die Verarbeitung blockierter Traumata erleichtern. Die Wirksamkeit von EMDR ist belegt, der genaue Mechanismus der links-rechts-Aktivierung wird aber weiter erforscht.
Fazit: Bewegung ja, Wundermittel nein
Die Beliebtheit der Über-Kreuz-Übungen zeigt das große Interesse an mentaler Fitness. Ihr wahrer Nutzen liegt schlicht in der aktivierenden Pause. Für eine nachhaltige kognitive Gesundheit ist regelmäßige, komplexe Bewegung der Schlüssel. Koordinative Sportarten oder Training, das Denken und Bewegen kombiniert, haben nachweislich positive Effekte. Über-Kreuz-Moves können ein einfacher Einstieg sein – mehr aber auch nicht.


