TV-L-Verhandlungen: Tarifrunde für Länder geht in die Verlängerung
14.02.2026 - 06:42:12Die dritte Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder endet ergebnislos – die Gespräche werden am Samstag fortgesetzt. Für rund 1,1 Millionen Beschäftigte in den Bundesländern bleibt die Lage angespannt.
Die Verhandlungsdelegationen von Gewerkschaften und Arbeitgebern haben die Nacht durchgemacht, doch eine Einigung ist nicht in Sicht. Nach einem langen Verhandlungstag in Potsdam wurden die Gespräche unterbrochen und sollen am heutigen Samstag weitergehen. Damit spitzt sich der Konflikt um die Tarife für die Landesbeschäftigten weiter zu. Eine Einigung hätte auch Signalwirkung für etwa 1,4 Millionen Beamte und Versorgungsempfänger.
Knackpunkt Laufzeit: Zwölf versus 29 Monate
Im Zentrum des Streits stehen zwei unvereinbar scheinende Positionen. Die Gewerkschaften ver.di und dbb fordern sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 300 Euro monatlich – und das bei einer kurzen Laufzeit von nur zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), lehnt dies als nicht finanzierbar ab. Ihr Angebot liegt zwar bei über fünf Prozent, ist jedoch an eine Laufzeit von ursprünglich 29 Monaten geknüpft.
Genau hier liegt der Hund begraben: Für die Gewerkschaften wäre ein solcher Langzeitvertrag ein fauler Kompromiss. Sie fürchten, dass die Reallöhne der Beschäftigten bei anhaltender Inflation weiter sinken würden. Die Arbeitgeber pochen hingegen auf Planungssicherheit für die angespannten Landeshaushalte.
Warnstreiks zeigen Wirkung – und Entschlossenheit
Im Vorfeld der Verhandlungen haben die Gewerkschaften den Druck mit bundesweiten Warnstreiks massiv erhöht. In Stuttgart und Düsseldorf gingen tausende Beschäftigte auf die Straße. Der Ausstand legte vielerorts den Betrieb in Kliniken, Hochschulen, Finanzämtern und Kitas lahm.
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Diese Aktionen waren eine klare Machtdemonstration. Sie zeigten, wie abhängig das öffentliche Leben von den streikenden Gruppen ist. Die Gewerkschaften signalisierten zugleich: Die Bereitschaft zu eskalieren ist hoch, sollte es am Verhandlungstisch scheitern.
Kein Puffer: Schlichtungsverfahren ausgeschlossen
Die Lage in Potsdam ist besonders brisant, weil es für die Länder-Tarifrunde kein formales Schlichtungsverfahren mehr gibt. Die TdL hatte die entsprechende Vereinbarung gekündigt. Dieser Puffer, der bei den Verhandlungen für Bund und Kommunen im Vorjahr noch einen Kompromiss ermöglichte, fehlt hier.
Somit stehen die Parteien vor einer direkten Entscheidung: Gelingt am Samstag der Durchbruch? Oder scheitern die Gespräche endgültig? Im letzteren Fall wäre der Weg frei für eine Urabstimmung über unbefristete Streiks – mit potenziell wochenlangen Lähmungen des öffentlichen Leben s.
Hintergrund: Inflation trifft auf leere Landeskassen
Der Konflikt spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider. Die Gewerkschaften argumentieren mit dem massiven Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre und dem akuten Fachkräftemangel. Attraktive Löhne seien überlebenswichtig, um Personal zu halten. Als Maßstab dient der TVöD-Abschluss von 2025 für Bund und Kommunen, den man nicht unterschreiten will.
Die Länder verweisen hingegen auf ihre schwierige Finanzlage. Viele Haushalte sind angespannt, Investitionsstaus sind groß. Ein teurer, kurzfristiger Abschluss würde die Spielräume für Jahre weiter einschränken.
Entscheidung am Samstag: Kompromiss oder Konfrontation?
Die nächsten Stunden werden entscheidend sein. Können die Verhandlungsführer in Potsdam einen Kompromiss finden? Beobachter rechnen mit einem möglichen Abschluss im Bereich von fünf bis sechs Prozent, gestaffelt über mehrere Stufen und mit einer Laufzeit irgendwo zwischen den geforderten zwölf und angebotenen 29 Monaten.
Scheitern die Gespräche endgültig, droht eine massive Ausweitung der Streikmaßnahmen. Die Zitterpartie um die Gehälter von Millionen Beschäftigten geht damit in ihre entscheidende Phase.
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