TV-L-Verhandlungen, Bayerns

TV-L-Verhandlungen: Bayerns Beamte fürchten Zwei-Klassen-System

06.01.2026 - 17:05:12

Gewerkschaften demonstrieren gegen Söders Plan, Tarifergebnisse für Beamte zu verzögern. Sie warnen vor einem Zwei-Klassen-System und fordern einheitliche Bedingungen für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Seeon-Seebruck – Bayerns öffentlicher Dienst schließt die Reihen: Vor der Klausur der CSU-Landtagsfraktion demonstrierten Personalräte und Gewerkschaften für einheitliche Arbeitsbedingungen und sofortige Tarifübertragung auf Beamte. Die Drohung der Staatsregierung, Gehaltserhöhungen für Beamte zu verzögern, stößt auf massiven Widerstand.

Eskalation am CSU-Klausurort

Direkt vor den Toren des Klosters Seeon, wo die CSU-Abgeordneten ihre Winterklausur abhalten, versammelten sich am Dienstag Vertreter des Bayerischen Beamtenbunds (BBB) und des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Der Protest richtet sich gegen Signale von Ministerpräsident Markus Söder, die eine monatelange Verzögerung der Tarifergebnisse für Beamte gegenüber Angestellten in Aussicht stellen. Für die Beschäftigten wäre das der Bruch einer langen Tradition einheitlicher Bedingungen.

„Ein Zwei-Klassen-System in Behörden und Schulen würde den Arbeitsfrieden nachhaltig beschädigen“, warnte ein BBB-Vertreter während der Kundgebung. Die Stimmung vor Ort wurde als entschlossen beschrieben. Mit der Aktion am politisch prominenten Ort erhöhen die Personalvertreter den Druck, bevor am 15. und 16. Januar die zweite Verhandlungsrunde der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Potsdam beginnt.

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Verhandlungsstillstand bei den Ländern

Die Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) kommt nicht voran. Sie betrifft direkt etwa 1,1 Millionen Angestellte und indirekt weitere 1,4 Millionen Beamte und Pensionäre. Die erste Verhandlungsrunde im Dezember 2025 endete ohne Angebot der Arbeitgeberseite.

Die Gewerkschaften, angeführt von ver.di und dem dbb beamtenbund und tarifunion, fordern sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Diese Forderung sei eine notwendige Antwort auf die kumulierte Inflation der letzten Jahre und den zunehmenden Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor, so die Argumentation.

Beamten-Übertragung als Zankapfel

Der zentrale Konfliktpunkt ist die sogenannte systemgerechte Übertragung der Tarifergebnisse auf die Beamten. Söders Ankündigung einer möglichen Verzögerung wird als Mangel an Wertschätzung interpretiert. Der BLLV betont, dass Beamte – insbesondere Lehrer und Polizisten – genauso unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden wie ihre angestellten Kollegen.

Eine zeitversetzte Übertragung würde für die Monate der Verzögerung einem realen Gehaltsverzicht gleichkommen. „Wie soll man jemandem erklären, der am gleichen Schreibtisch sitzt, warum er monatelang weniger erhält?“, fragte ein Personalrat. Diese Spaltung innerhalb der Belegschaften gilt als Gift für die Motivation.

Wettbewerbsfähigkeit des Staates in Gefahr

Die Personalräte warnen vor den langfristigen Folgen. Der öffentliche Dienst befinde sich im harten Wettbewerb mit der Privatwirtschaft um Talente, besonders in IT, Ingenieurwesen und Verwaltung. Nicht nur das Gehaltsgefälle, sondern auch die Unsicherheit über die Arbeitsbedingungen schrecke potenzielle Bewerber ab.

Die Forderung nach einheitlichen Bedingungen für alle Beschäftigten, unabhängig vom Status als Angestellter oder Beamter, wird zur Kernforderung. Auch das Thema Arbeitszeitverkürzung schwelt im Hintergrund der Verhandlungen. Die Personalvertreter drängen darauf, dass künftige Anpassungen gleichermaßen für alle gelten müssen.

Bayern als Präzedenzfall mit bundesweiter Wirkung

Der Konflikt in der TV-L-Runde spiegelt ähnliche Spannungen aus den Tarifverhandlungen des Bundes und der Kommunen (TVöD) wider. Allerdings stehen die Länder unter besonders großem Haushaltsdruck, was die Verhandlungsposition der TdL verhärtet.

Die Strategie, die CSU-Klausur ins Visier zu nehmen, ist jedoch kalkuliert. Bayern hat sich traditionell als „beamtenfreundliches“ Land präsentiert. Die Gewerkschaften setzen darauf, den Widerspruch zwischen diesem Image und der drohenden Gehaltsverzögerung politisch auszunutzen.

Experten sehen in dem bayerischen Vorgehen einen möglichen Präzedenzfall. Würde das finanzstarke Bayern eine verzögerte Übertragung durchsetzen, könnten andere Bundesländer folgen. Damit wäre die jahrzehntelange Kopplung der Beamtenbesoldung an die Tarifzyklen bundesweit aufgebrochen.

Drohende Warnstreiks bei Scheitern

Der Fokus liegt nun auf dem Verhandlungstisch in Potsdam. Gewerkschaftsführer haben bereits signalisiert, dass es ohne ein „verhandlungsfähiges Angebot“ der Arbeitgeberseite in der kommenden Woche zu einer Ausweitung der Proteste kommen wird. Dann drohen bundesweite Warnstreiks an Schulen, Unikliniken und in Landesbehörden.

Für die Beamten bleibt der Zeitplan ungewiss. Der Landtag beschließt die Besoldungsanpassung üblicherweise erst nach Abschluss des Tarifvertrags. Die Personalräte haben zugesagt, den Druck während des gesamten Gesetzgebungsverfahrens aufrechtzuerhalten, um eine synchrone Übernahme der Ergebnisse zu erzwingen. Die Botschaft aus Seeon ist eindeutig: Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst stehen geschlossen zusammen.

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