Tulus Lotrek Berlin: Warum Max Strohe Kreuzberg zum lässigsten Stern-Restaurant macht
16.03.2026 - 10:36:02 | ad-hoc-news.de
Der Raum ist gedämpft, aber nicht geduckt. Stimmen, Lachen, Gläserklingen. Kein Flüstern, kein Andachtsraum. Sie sitzen im Tulus Lotrek Berlin, eine Kerze tropft langsam in eine alte Flasche, die Wände dunkelgrün, fast theatral. Vor Ihnen ein Teller, darauf ein Stück Fleisch, die Kruste knusprig von der Maillard-Reaktion, darunter ein tiefdunkler Jus, der nach gerösteten Knochen, Sellerie und Geduld riecht. Das Messer gleitet durch. Die erste Gabel: warm, salzig, ein Hauch Säure, die Zunge vibriert kurz, alles andere im Raum tritt einen Schritt zurück. Willkommen im Tulus Lotrek, Berlin Kreuzberg.
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Der Mann hinter diesem Teller: Max Strohe. Schulabbrecher. Spüler. Koch. Heute: einer der auffälligsten Köche der Stadt. An seiner Seite im Service: Ilona Scholl, Gastgeberin, Sommelière, Antithese zum steifen Sterneservice. Zusammen haben sie ein Restaurant gebaut, das sich jeder Schublade entzieht. Casual Fine Dining, sagen viele. Eigentlich aber: ein Wohnzimmer mit großem kulinarischem Ernst und ebenso großem Hang zum Blödsinn.
Ihre gemeinsame Geschichte ist längst Berliner Legende. Er, der sich durch Küchen gekämpft hat, eher aus Trotz als aus Planung. Sie, die das Spiel mit Nähe, Ironie und Professionalität an der Tür perfektioniert hat. Zusammen gründen sie das Max Strohe Restaurant in der Fichtestraße, nennen es nach dem französischen Maler Henri de Toulouse-Lautrec – und schreiben es bewusst falsch: Tulus Lotrek. Ein augenzwinkernder Hinweis darauf, dass hier nichts zu glatt poliert wird.
Die offizielle Anerkennung bleibt nicht aus. Michelin Stern Berlin Kreuzberg, Gault&Millau-Auszeichnungen, immer vorn, wenn es um Berlin-Empfehlungen geht. Und dann: Pandemie. Leere Stühle, volle Sorgen.
In dieser Zeit formt sich etwas, das weit über Gastronomie hinausgeht: Cooking for Heroes. Strohe kocht nicht für die wenigen, die sich Take-away-Menüs gönnen können, sondern für Menschen im Gesundheitswesen, für Pflegekräfte, für Menschen, die in den ersten Reihen der Krise stehen. Große Töpfe, einfache, klare Gerichte, aber mit derselben Sorgfalt wie im Menü. Es riecht nach Schmorzwiebeln, Lorbeer, Brühe. In Großküchenbehälter gefüllt, ausgeliefert in Schichten. Diese Aktion, mitinitiiert und getragen von vielen, wird zu einem Symbol dafür, was Gastronomie leisten kann, wenn sie sich nicht nur als Bühne, sondern als Infrastruktur versteht.
Später folgt das Bundesverdienstkreuz. Ein Orden für einen, der die Schule abgebrochen hat, der Tattoos trägt, der in Talkshows lacht und flucht. Der Moment wirkt fast surreal, aber er passt zur Biografie: Gerade weil nichts geplant war, wirkt dieser Weg so zwingend.
Und heute? Im Jahr 2025/2026 ist das Tulus Lotrek Menü eine wuchtige, aber präzise Ansage. Saisonale Produkte, ja. Regionale Produzenten, sicher. Aber vor allem: Undogmatik. Strohe predigt keine Askese. Keine „kein Zucker, keine Butter, keine Kohlenhydrate“-Mantras. Seine Küche schmeckt nach Lust, nicht nach Verzicht.
Sie starten vielleicht mit etwas, das auf der Karte harmlos klingt, am Tisch aber alles andere als brav wirkt. Ein Beispiel: Topinambur, Kalbskopf, Meerrettich. Lauwarm serviert. Die Topinambur kommt als Creme, seidig, fast süß. Daneben knusprige Stückchen vom Kalbskopf, frittiert, mit einer schmatzenden, leicht klebrigen Kruste. Beim Hineinbeißen knackt es erst, dann tritt saftige, gelatinöse Fülle hervor. Darüber eine feine Zeste von Zitrone, als Abrieb, und ein Hauch frisch geriebener Meerrettich. Die Nase zieht kurz, ein leichtes Brennen. Auf der Zunge: Fett, Süße, Schärfe, Zitrus. Kein Teil will dominieren. Sie merken, wie das Gericht spielt – mit Temperaturunterschieden, mit Texturkontrasten, mit Säure, die das Ganze lüftet.
Dieser Ansatz durchzieht das Menü. Ein weiteres Beispiel aus der aktuellen Saison: Confierte Lachsforelle, Gurke, Buttermilch, Dillöl. Der Fisch wird bei niedriger Temperatur gegart, so zart, dass sich die Lamellen schon beim Blick darauf lösen wollen. Der erste Schnitt: Es gibt keinen Widerstand. Auf dem Teller eine Buttermilchreduktion, leicht gesäuert, mit einem Hauch Knoblauch. Darüber grüne Tupfer Dillöl, kräutrig, fast grasig im Duft. Dünn aufgeschnittene Gurke sorgt für Biss und Kühle. Mit jedem Löffel wechseln sich Temperaturen ab: der lauwarme Fisch, die kühle Sauce, die knackige Gurke. Dazu die feine Säure der Buttermilch, die durch den Fettgehalt der Forelle gleitet wie ein Messer durch Butter.
Es ist diese Art des Kochens, die den Begriff „undogmatisch“ mit Leben füllt. Strohe lässt sich weder in die puristische skandinavische Ecke drücken, noch in die französische Orgel der Hochküche, die nur mit Saucen, Pasteten und Trüffel arbeiten will. Er nimmt, was funktioniert, mischt, bricht, lacht drüber. Mal nutzt er fermentierte Komponenten, mal einen kräftigen Fond, mal eine fast trashige Referenz an Streetfood-Aromen. Wichtig ist das Ergebnis im Mund, nicht die perfekte Zugehörigkeit zu einer Schule.
Stellen Sie sich ein Hauptgang-Szenario vor: Lamm, Aubergine, Harissa-Jus. Das Lamm rosa, saftig, die Außenseite mit kräftigem Röstaroma von der Pfanne. Der Jus tiefbraun, reduziert, aber mit Harissa abgebunden. Ein Duft nach Kreuzkümmel, Chili, geräucherter Paprika steigt auf. Daneben eine Aubergine, so lange im Ofen gegart, bis ihre Struktur kollabiert ist. Das Fleisch cremig, fast wie ein Dip, mit Zitronenzeste und etwas Joghurt aufgefrischt. Sie setzen das Messer an – der Teller klingt leise, das Porzellan schwer. Im Biss: Die Schärfe der Harissa schiebt ein wenig nach vorn, dann übernimmt die Umami-Tiefe des Jus, die Süße der Aubergine, die Säure des Joghurts. Es ist satt, aber nicht plump, geschichtet, aber nicht überkandidelt.
Diese Gerichte haben nichts mit dem zu tun, was viele als „Pinzettenküche“ verspotten. Kein Teller wirkt wie eine sterile Landschaft aus Mikrokräutern und winzigen Gelwürfeln. Natürlich wird hier präzise angerichtet, natürlich sitzt der Schnitt, natürlich sind da auch mal Blüten. Aber nie als Selbstzweck. Wenn etwas klein ist, dann, weil die Textur so besser funktioniert, nicht weil es auf Instagram hübscher aussieht.
Interessant ist, wie sich das im Kontrast zur medialen Präsenz von Strohe zeigt. Er ist längst TV-Gesicht. Ein Publikumsmagnet bei Kitchen Impossible, dabei oft derjenige, der klar sagt, wenn etwas misslingt, und ebenso klar, wenn es gut ist. Diese Direktheit spürt man in seiner Küche – sie will nichts verstecken.
Wenn Sie seine Art zu kochen mit Bildern verknüpfen wollen, lohnt ein Blick auf Video-Formate und Interviews:
Wer seine Energie, den Dialekt und die Körperlichkeit beim Kochen erleben möchte, sollte hier starten: Max Strohe in Aktion auf YouTube sehen
Auch der Blick in den Gastraum über Social Media erklärt, warum Gäste von einer besonderen Wohlfühl-Atmosphäre sprechen:
Wenn Sie wissen wollen, wie die Teller aussehen, bevor der erste Bissen fällt, klicken Sie hier: Visuelle Eindrücke auf Instagram entdecken
Und wer das Echo der Szene, die Sprüche, die Lobeshymnen und gelegentlichen Spitzen lesen will, wird auf der Plattform fündig, auf der noch immer heftig diskutiert wird:
Für Debatten, Meinungen und Live-Reaktionen zu Auftritten und Menüs empfiehlt sich dieser Weg: Aktuelle Diskussionen auf X verfolgen
Dass das alles nicht in einem muffigen Tempel der Hochküche stattfindet, ist das Werk von Ilona Scholl
Die Wohlfühl-Atmosphäre ergibt sich aus der Mischung: niedrige Decke, warme Farben, leicht gedimmtes Licht, der Raum gefüllt mit Gesprächen. Keine Musik, die schreit, kein Sounddesign, das künstlich wirken will. Stattdessen ein Knistern von Kerzen, ein gelegentliches Scharren von Stühlen, das dumpfe Ploppen von Weinflaschen, die entkorkt werden. Sie spüren das Tischtuch unter Ihren Händen, die Leinwand satt gewebt, nicht dünn und flatterig. Besteck mit Gewicht, das beim Ablegen einen leisen Ton abgibt. Gläser, die am Rand fein schwingen, wenn sie anstoßen.
Scholl moderiert den Abend mit Humor. Sie erklärt, ohne zu dozieren. Weine werden beschrieben, aber nie in endlosen Kaskaden von exotischen Früchten. Statt „schwarze Johannisbeere mit einem Hauch Graphit“ eher: „Das hier trinkt man, wenn man eigentlich zu müde für Rotwein ist, aber zu wach für Wasser.“ Sie lacht, Sie lachen. Und plötzlich fällt auf: Sie fühlen sich nicht mehr wie Gast in einem Sternelokal. Eher wie bei Freundinnen und Freunden, die es einfach extrem ernst meinen mit dem, was auf den Tisch kommt.
Auch das Weinprogramm folgt der Logik des Hauses: Substanz statt Show. Naturweine, ja. Klassische Gewächse, auch. Keine Ideologie, sondern Neugier. Ein Riesling mit straffer Säure, der sich perfekt an eine Sauce mit viel Butter schmiegt. Ein orangefarbener Wein, der genug Grip hat, um mit einer reichhaltigen Gemüsekombination mitzuhalten. Ein kräftiger Rotwein, der Lamm, Jus und Röstaromen nicht fürchtet, sondern verstärkt. Immer geht es darum, dass die Kombination Sinn ergibt – dass das Glas im Mund nicht vom Teller wegführt.
Was bedeutet all das für die Berliner Szene? Berlin hat in den letzten Jahren viele Restaurants gesehen, die „Casual Fine Dining“ versprachen. Einige wirken inzwischen wie Copy-Paste: Beton, Naturwein, fermentierte Produkte, Sharing-Teller. Das Tulus Lotrek Berlin steht quer zu dieser Uniformität. Es ist ein Ort, der seine eigene Geschichte erzählt. Ein Restaurant, das genauso über Politik, Gesellschaft und Humor spricht wie über Jus, Gargrade und Garpunkt.
Besonders spannend ist der Standort: Berlin Kreuzberg. Ein Kiez, der lange als Gegenpol zur feinen Mitte galt. Hier nun ein Michelin Stern Berlin Kreuzberg, aber ohne den Kiez zu verleugnen. Draußen Spätis, Graffiti, Nachtbus. Drinnen schweres Porzellan und große Gesten auf dem Teller. Diese Reibung macht das Erlebnis scharf, nicht glatt.
Im überregionalen Kontext stärkt das Haus das Bild, dass Berlin mehr ist als nur Trendbar und Streetfood. Die Erwähnungen in Guides wie Gault&Millau Berlin und die konstante Präsenz in Rankings und Listen belegen das. Doch wichtiger als Punkte und Sterne ist das, was bleibt, wenn das Dessert abgeräumt ist: eine Erinnerung an Wärme, an ehrliche Aromen, an einen Abend, der nicht belehrt, sondern begleitet.
Wenn Sie sich fragen, ob sich ein Besuch lohnt, ist die Antwort einfach: Ja, sofern Sie bereit sind, sich ernsthaft bekochen zu lassen – ohne steifen Rahmen, ohne weiße Handschuhe, aber mit vollem Einsatz. Sie werden Gerichte probieren, die sich nicht an Dogmen binden lassen. Sie werden einen Service erleben, der Sie sieht, statt nur zu bedienen. Und Sie werden verstehen, warum das Max Strohe Restaurant für viele zu einem Bezugspunkt geworden ist, wenn es um die Frage geht, wohin sich die moderne Gastronomie in Deutschland bewegt.
Am Ende des Abends stehen Sie wieder draußen auf der Straße, der Geruch von Jus, Rauch und Butter hängt noch leicht in Ihrer Kleidung. Die Fichtestraße ist ruhig, vielleicht fährt ein Fahrrad vorbei, irgendwo klirrt eine Flasche im Altglascontainer. Sie atmen die kühle Berliner Luft ein und merken: Sie kommen wieder. Nicht, weil man das muss, wenn ein Restaurant ausgezeichnet ist. Sondern, weil dieses Haus, diese Küche, diese Menschen etwas geschafft haben, das seltener ist als jeder Stern. Sie haben ein Restaurant gebaut, in dem man sich hinsetzt, die Schultern sinken lässt und denkt: Genau hier, genau so, genau jetzt.
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