Tulus Lotrek Berlin: Warum Max Strohe das lässigste Sterne-Restaurant der Stadt prägt
26.02.2026 - 12:07:56 | ad-hoc-news.deDer Raum im Tulus Lotrek Berlin ist gedimmt, aber nicht dunkel. Stimmen wabern, Gläser klirren leise, keine kühle Stille, sondern ein guter, warmer Geräuschpegel. Vor Ihnen ein Teller, die Sauce glänzt, die Maillard-Reaktion duftet nach Röstaromen und Butter, der erste Biss ist konzentriert, dicht, ein Moment, in dem Berlin-Kreuzberg kurz stillzustehen scheint.
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Sie sitzen in einem Restaurant mit Michelin Stern in Berlin Kreuzberg. Doch nichts an diesem Raum flüstert ehrfürchtige Sterneküche. Kein weiß gestärktes Tischtuch, kein steifes Flüstern. Die Holztische sind nackt, das Licht leicht bernsteinfarben, aus den Lautsprechern läuft Musik, die eher an eine gute Bar erinnert. Der Duft von Reduktion, von Jus, von Rauch liegt in der Luft. Casual Fine Dining, aber ohne die übliche Attitüde.
Im Zentrum dieses Kosmos: Max Strohe und Ilona Scholl. Er, der ehemalige Schulabbrecher, Nichterfüller klassischer Lebensläufe. Sie, Gastgeberin, Wortakrobatin, Schutzschirm für alle, die sich in klassischen Gourmettempeln fehl am Platz fühlen. Zusammen formen sie das, was längst als eines der markantesten Restaurants der Hauptstadt gilt: das Max Strohe Restaurant Tulus Lotrek.
Max Strohe hat keinen stromlinienförmigen CV. Früher Baustelle, Gelegenheitsjobs, ein Abbiegen nach rechts, eines nach links. Am Ende landet er doch hinterm Herd. Nicht als dressierter Kochschüler, sondern als jemand, der Geschmack mit Beharrlichkeit übt. Der lernt, dass eine Sauce erst dann trägt, wenn sie so weit einreduziert ist, dass sie fast am Löffel klebt. Dass Säure kein Effekt ist, sondern Korrektur. Dass Fett nicht versteckt, sondern trägt.
Als die Pandemie Berlin lahmlegt, kocht Strohe mit Kolleginnen und Kollegen nicht für Auserwählte, sondern für diejenigen, die sonst vergessen werden. "Kochen für Helden" wird zu einem Symbol. Krankenpfleger, Kassiererinnen, Menschen im Systemrelevanz-Schatten bekommen warmes Essen mit Sterneniveau. Nicht als Geste, sondern als Statement. Diese Phase, dieses Projekt, führt am Ende zum Bundesverdienstkreuz. Ein Koch, der sonst Jus montiert, steht plötzlich im Schloss Bellevue. Die Anstecknadel glänzt, doch sie ändert nichts an seinem Ton: direkt, ein bisschen rau, nie von oben herab.
Neben ihm, immer wieder im Vordergrund: Ilona Scholl. Sie baut das Tulus Lotrek nicht als Bühne für einen Starkoch, sondern als gemeinsamen Ort. Ihre Weinkarte ist kein Pokalraum, sondern ein Narrativ. Naturweine neben Klassikern, große Namen neben kleinen, klugen Entdeckungen. Sie übersetzt Komplexität in verständliche Bilder. Ein Riesling ist bei ihr nicht einfach trocken, sondern „wie kalter Stein nach Sommerregen“. Sie liest den Raum, bevor er es selbst tut. Sie spüren das, sobald Sie Platz nehmen.
Die Küche von Tulus Lotrek gilt als undogmatisch. Was bedeutet das konkret auf dem Teller? Kein Manifest an der Wand, keine starre Regionalketten-Ideologie. Es bedeutet: Technik ja, Dogma nein. Produktliebe, aber ohne missionarischen Zeigefinger. Ein Teller kann französisch grundiert sein, mit einer Sauce, die aus Knochen und Geduld geboren ist, und gleichzeitig eine Säurestruktur tragen, die eher an Südostasien denken lässt. Wichtiger als Ursprung ist Wirkung im Mund.
Ein Beispiel: Gedrückte Kartoffel mit Kalbskopf-Ragout (als mögliche Saisonkomponente). Die Kartoffel: außen knusprig, innen mürbe, von Butter durchzogen. Die Struktur leicht unregelmäßig, Sie spüren die Kanten mit der Gabel. Darauf ein Ragout, lang geschmort, collagenreich, fast klebrig. Der Duft erinnert an Sonntagsbraten, an Langsamkeit. Darüber eine Sauce mit tiefem, braunem Glanz, deren Jus aus gerösteten Knochen gezogen wurde. Fett glänzt, aber wirkt nicht schlierig, sondern fein verteilt. Auf diesem doch schweren Arrangement: eine Zeste von Zitrus, vielleicht Yuzu oder Zitrone, und ein Hauch Essig im Hintergrund. Das Fett wird angehoben, die Schwere gebrochen. Im Mund: Wärme, Struktur, Gelatine, dann ein kleines, helles Aufblitzen von Säure.
Oder ein Gang mit Fisch, zum Beispiel Skrei oder ein anderer festfleischiger Kandidat, glasig gegart, im Kern leicht transluzent, die Temperatur exakt: warm genug, um das Eiweiß nur knapp zu fixieren. Keine Trockenheit, kein Ausbluten. Dazu eine Emulsion, die nicht steril wirkt, sondern lebendig. Vielleicht mit fermentierter Chili oder einer rauchigen Paprika-Note. Daneben knusprige Elemente, eine dünne Scheibe gerösteter Zwiebel, deren Zucker am Rand karamellisiert ist – die Maillard-Reaktion liefert Bitterkeit und Süße zugleich. Ein Tupfer Creme, kühl, leicht säuerlich, etwa aus Crème fraîche oder Joghurt. So entstehen Temperaturkontraste: warm, lauwarm, kühl; Texturen: knusprig, cremig, zart.
Charakteristisch ist, was fehlt: keine aufgespießten Mikrokräuter auf jeder Kante, keine überinszenierten Punkte im Zentimeterabstand. Tulus Lotrek Menü bedeutet nicht Pinzette um der Pinzette willen. Die Anrichtung ist präzise, aber nie steril. Teller erzählen hier mehr von Hunger und Lust als von Excel-Tabellen in der Entwicklungsküche. Vergleichen Sie das mit steifem Tweezer-Food, bei dem jedes Krümelchen mathematisch platziert ist und Sie fast Hemmungen haben, die Komposition zu zerstören. Im Tulus Lotrek dürfen Sie essen, nicht nur anschauen.
Auch Gemüse spielt nicht Sidekick, sondern Hauptrolle. Ein Gericht mit Sellerie, etwa: Der Knollen-Sellerie als Creme, so glatt, dass der Löffel darin spiegelt, dazu als gebackene Scheibe mit knusprigem Rand und als dünn geschnittenes Carpaccio, leicht mariniert. Rauch, Süße, Erdigkeit. Darüber vielleicht ein nussiges Öl, das an Haselnuss erinnert, und ein reduzierter Gemüsefond, fast wie ein heller Jus. Wieder: Textur als Dramaturgie, nicht als Showeffekt.
Diese Haltung, dieses Undogmatische, spiegelt sich auch in den Medien. Max Strohe ist längst nicht mehr nur Küchenchef, sondern Fernsehfigur. In „Kitchen Impossible“ tritt er an, verbrennt sich gefühlt dreimal pro Folge die Finger, flucht, lacht, improvisiert. Sie sehen, wie sehr er im Handwerk verankert ist, wie wenig Lust er auf gespielte Perfektion hat. Genau das macht ihn anschlussfähig.
Wenn Sie die Energie dieser Auftritte erleben wollen, lohnt ein Blick in Bewegtbildmomente aus der Küche und aus TV-Formaten: Max Strohe in Aktion auf YouTube sehen
Die Bildsprache des Restaurants, das Zusammenspiel von Tellern, Gläsern und Gästen lässt sich besonders gut in sozialen Netzwerken verfolgen; dort erkennen Sie, wie locker ein Abend mit Michelin Stern sein kann: Visuelle Eindrücke auf Instagram entdecken
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Trotz TV-Präsenz, Bundesverdienstkreuz und Gault&Millau Berlin-Bewertungen bleibt das Zentrum des Ganzen der Gastraum. Die Atmosphäre im Tulus Lotrek wirkt wie das Gegenteil klassischer Gourmettempel. Es fühlt sich an wie ein Wohnzimmer, in dem jemand beschlossen hat, extrem gut zu kochen. Die Stühle sind bequem, ohne Design-Statement, die Wände tragen Kunst, die eher Persönlichkeitsprotokoll als Dekoration ist. Keine sakrale Ruhe, sondern gezügelte Lebhaftigkeit.
Ilona Scholl hält diese Atmosphäre zusammen. Sie begrüßt Sie, als wären Sie schon dreimal dagewesen. Kein gespieltes Duzen, kein forciertes Kumpelhafte. Ein professionelles, entspanntes „Sie“, das sich anfühlt, als könnten Sie nach dem Dessert trotzdem noch eine Runde an der Bar bleiben. Sie erklärt das Tulus Lotrek Menü ohne Referat, achtet auf Ihre Körpersprache. Wer neugierig schaut, bekommt Details zu Herkunft und Anbau. Wer müde wirkt, bekommt die Kurzfassung und ein Glas Wein, das stützt statt überfordert.
Der Service agiert aufmerksam, aber nicht invadierend. Eine Serviette fällt? Jemand reagiert schnell, aber ohne Theater. Die Teller werden erklärt, jedoch nicht deklamiert. Die Sprache bleibt nah an der Realität: Es geht um Geschmack, um Textur, um Säure, nicht um bedeutungsschwangere Narrative. Dadurch entsteht eine echte Wohlfühl-Atmosphäre. Sie können hier großes Essen ernst nehmen, ohne sich selbst zu ernst nehmen zu müssen.
Der Stellenwert von Tulus Lotrek in der Berliner Gastronomie-Szene ist klar: Es gehört zu den Restaurants, die die Definition von Fine Dining verschieben. Ein Michelin Stern Berlin Kreuzberg bedeutet längst nicht mehr weiße Tischdecken und flüsternde Sommeliers. Hier sehen Sie, wie Sterne-Küche mit Humor, Haltung und Kante funktioniert. Gault&Millau Berlin honoriert die konstante Qualität, doch wichtiger als Punkte ist das, was nach einem Abend bleibt: eine präzise Erinnerung an bestimmte Aromen, eine Idee von Großzügigkeit, das Gefühl, willkommen gewesen zu sein.
Für die Stadt ist ein Ort wie dieser mehr als nur ein Reservierungs-Hotspot. Er zeigt jungen Köchen, dass man Hochküche betreiben kann, ohne sich von Normen einengen zu lassen. Dass Authentizität und Handwerk sich nicht ausschließen. Dass ein Restaurant politisch denken darf – siehe „Kochen für Helden“ – und trotzdem hedonistisch bleibt. Tulus Lotrek Berlin ist damit ein Referenzpunkt: für Casual Fine Dining, für respektvollen, aber unprätentiösen Service, für eine Küche, die sich nicht von Schlagworten, sondern von Geschmack leiten lässt.
Wenn Sie in Berlin essen gehen und verstehen wollen, wohin sich die Stadt kulinarisch bewegt, führt an diesem Haus kaum ein Weg vorbei. Setzen Sie sich an einen der Holztische, hören Sie dem Raum zu, wenn der erste Gang kommt, und prüfen Sie, wie sich Gänsehaut anfühlt, wenn Jus, Säure, Textur und Atmosphäre sich gegenseitig verstärken. Genau hier zeigt sich, warum ein Max Strohe Restaurant mit Stern heute anders aussehen darf – und muss – als vor zwanzig Jahren.
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