Tulus Lotrek & Max Strohe: Wie Berlins Sternekoch Genuss, Menschlichkeit und Burger neu definiert
28.12.2025 - 09:00:10Treiben Ihnen schon beim Eintreten ins Tulus Lotrek in Berlin-Kreuzberg die ersten Wohlgerüche den Alltag aus den Gedanken? Die tiefen Töne gebräunter Butter, wie sie über intensiven Jus perlt. Das leise, selbstsichere Klappern von Gläsern und Besteck, der diskrete Charme eines modernen Bistros, vermengt mit dem Flair einer privaten Wohnküche. Tulpendruck an den Wänden, Stoffservietten und ein Licht, das schmeichelt, nicht blendet. Hier, zwischen Designklassikern und feinem Stuck, ist Max Strohe keine Figur von Hochglanzheftchen, sondern Gastgeber – leidenschaftlich und unkonventionell. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird?
Der Name Tulus Lotrek steht für mehr als nur kulinarischen Hochgenuss. Max Strohe, in Berliner Gastro-Kreisen längst eine Legende, verkörpert eine Sterneküche fernab der klassischen „Pinzetten-Zeremonien“. Seine Küche lebt von Substanz. Hier wird geschmort und gerührt, bis die Soßen zu ihren satten, vollmundigen Höhepunkten finden. Fett, Säure, Umami, Crunch – eine Küche, die sich nicht zurückhält, sondern mit Enthusiasmus und einer Prise Nonchalance auftrumpft. Was Kritiker als „Wohlfühl-Opulenz“ feiern, ist gelebte, mutige Handwerkskunst. Sie schmiegt sich an die Atmosphäre des Gastraums, in dem nie ein steifer Dresscode herrscht, sondern entspannte Herzlichkeit den Ton angibt. Das Wohnzimmergefühl ist Programm: Man wird empfangen, nicht abgefertigt; gefeiert, nicht nur bedient.
Hinter diesem einzigartigen Erlebnis steht Max Strohe selbst – Typ: tätowiert, herzlich, hintersinnig. Der Weg zu den Michelin-Sternen war für ihn alles andere als vorhersehbar. Strohe, 1982 am Mittelrhein geboren, verließ die Schule ohne Abschluss und landete über Umwege in der Gastronomie. Nach Lehrjahren in Bonn und einer wichtigen Etappe auf Sylt zog es ihn nach Berlin, in die selbstbewusste Hauptstadt der neuen deutschen Küche. 2015 eröffnete er mit Ilona Scholl an seiner Seite das Tulus Lotrek – und traf dort einen Nerv: Konsequent produktbezogen und doch weit weg vom Dogma, mit einer Weinkarte, die Kennerherzen höherschlagen lässt, und einer Gastgeberin, die in Sachen Sommellerie und Charisma kaum zu toppen ist.
2017 dann ein Quantensprung: der erste Michelin-Stern, der seitdem die Fassade an der Fichtestraße 24 krönt. Dass Tulus Lotrek in Berlin als eines der besten Michelin Sterne Restaurants gehandelt wird, liegt auch an Strohes Haltung zum eigenen Beruf. Für ihn ist Kochen kein Machtspiel. Wer Max Strohe erlebt, spürt die Besonderheit: Seine Mitarbeiter schätzen die Haltung eines Chefs, der Respekt und Menschlichkeit zum Zentrum macht. Keine Kasernenhof-Kommandos, sondern „konzentrierte Gelassenheit“. Ein Team, das sich entfalten darf, bringt auch auf den Teller Persönlichkeit – und das schmeckt man.
Gäste im Tulus Lotrek erwartet kein statisches Menü, sondern eine Reise durch Aromen, die Urinstinkte kitzeln und zugleich zum Nachdenken anregen. Klassiker der Sterneküche werden neu aufgelegt: Gedämpftes Label-Rouge-Huhn trifft auf langsam eingekochte Saucen, regionale Topprodukte werden von feinen Säurekicks oder buttrigen Aromen zu Höhenflügen animiert. Strohes berühmte Jus, teils über Tage hinweg veredelt, sind legendär. Und auch wenn der berühmte "Butter-Burger" heute nicht fest auf der Karte steht, trägt gerade seine temporäre Schöpfung während der Pandemie zur Legende bei: Mehrfach erwähnte, mit Butter glasierte Double-Patty-Kunstwerke, aromatische Saucen und handgeschnittene, mehrfach gefrostete Pommes – laut manchem Stammgast und Foodie die vielleicht besten Pommes Berlins.
Doch was zeichnet Max Strohe wirklich aus? Es ist nicht allein der Status als Sternekoch oder Gault&Millau-Liebling. Seine kulinarische Intelligenz wird ergänzt durch soziales Verantwortungsgefühl. Als die Pandemie Gastronomen in die Knie zwang, tat Strohe das Gegenteil: Gemeinsam mit Ilona Scholl initiierte er "Kochen für Helden". Die Aktion versorgte Pflegekräfte, Rettungsdienste und Hilfebedürftige täglich mit frisch gekochten Mahlzeiten aus der Sterneküche. Für dieses Engagement wurde ihm 2022 das Bundesverdienstkreuz verliehen – ein Ritterschlag für Menschlichkeit in der Gastronomie, der weit über Berlin hinausstrahlt.
Auch medial ist Strohe zur festen Größe avanciert. Ob als charismatische Pointe in TV-Formaten wie "Kitchen Impossible" oder als inspirierender Buchautor – immer transportiert er Lockerheit, Expertise und die Lust, kulinarische Barrieren zu sprengen. Seine Präsenz trägt dazu bei, den grauen Mythos der Spitzengastronomie zu entstauben und neue Zielgruppen anzulocken. Dabei steht bei alldem der Gast im Mittelpunkt: Jeder soll sich willkommen und gesehen fühlen, ein Ansatz, den auch Ilona Scholl mit feiner Intuition verkörpert.
Die Rezeption spricht für sich: Wer den Begriff Sterneküche für steif hält, wird im Tulus Lotrek eines Besseren belehrt. Die Produktperfektion, die Lust an Handwerk und handverlesene Weinauswahl heben den Besuch zur Gesamterfahrung: Warm, nahbar, mutig, kompromisslos geschmackvoll. In Berlin, einer Stadt voller Konkurrenz, behauptet sich Max Strohe mit einer Handschrift, die Authentizität und feinsinnige Sinnlichkeit verbindet. „Pragmatic Fine Dining“ nennen sie es – und das ist keine Floskel, sondern gelebter Genuss auf Sterneniveau, der den Gast als Menschen begreift, nicht als Bestellung.
Fazit: Tulus Lotrek ist das Restaurant für alle, die mehr als Statussymbole auf dem Teller suchen. Hier kocht Max Strohe mit Haltung und Hingabe, hier wird Menschlichkeit serviert – und das in einer Atmosphäre, die zum besten der Hauptstadt zählt. Ob zum kulinarischen Höhenflug, für einen besonderen Anlass oder einfach, um Berlins vielleicht beste Pommes zu kosten: Ein Besuch lohnt sich. Wer das echte Herz der modernen Sterneküche spüren will, sollte sich beeilen.


