TUI Aktie: Türkei zurück, Briten zögern
24.06.2026 - 18:35:00 | boerse-global.de
Antalya auf Platz eins, Mallorca auf Platz zwei, Ägypten im Aufwind — TUIs Last-Minute-Sommer gewinnt unerwartet an Kontur. Der Reisekonzern meldet, dass die Nachfrage nach Türkei und Ägypten spürbar zurückgekehrt ist, nachdem der Iran-Konflikt beide Destinationen im Frühjahr belastet hatte. TUI-Deutschland-Chef Benjamin Jacobi sprach von einem Sprint zurück an die Spitze. Für die Aktie ist das ein Lichtblick — aber nicht der einzige Faktor.
Buchungen erholen sich, das Bild bleibt gemischt
Spanien bleibt insgesamt das beliebteste Reiseland der TUI-Kunden, rund 80 Prozent buchen innerhalb Europas. Als Fernreiseziel führen die USA das Ranking an — begünstigt durch günstige Preise und den schwachen Dollar. Die seit Anfang Juni wieder anziehenden Last-Minute-Buchungen deuten darauf hin, dass ein Teil der im April gemeldeten Sommerlücke noch schließbar ist.
Im April hatte TUI seine Gewinnprognose deutlich zurückgenommen. Statt des ursprünglich geplanten Ergebnisanstiegs von sieben bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,413 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun ein bereinigtes EBIT zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro. Die Umsatzerwartung setzte TUI vorerst ganz aus. Britische Kunden lagen zuletzt zehn Prozent unter Vorjahr, der deutsche Markt nur drei Prozent.
Das EES-Risiko lässt sich nicht absichern
Genau in diese fragile Erholungsbewegung tritt ein externer Störfaktor: Das EU-Einreise- und Ausreisesystem EES, seit April 2026 vollständig in Betrieb, macht aus routinemäßigen Passkontrollen einen biometrischen Registrierungsprozess für alle Nicht-EU-Bürger. Wer erstmals einreist, braucht mehrere Minuten pro Person — und Großbritannien ist seit dem Brexit vollständig erfasst.
Der europäische Flughafenverband ACI Europe verzeichnet seit dem Start Wartezeitsteigerungen von bis zu 70 Prozent. Für die Hochsaison im Juli und August warnte der Airline-Verband A4E die EU-Kommission bereits schriftlich vor möglichen Verzögerungen von vier Stunden und mehr. Der Welttourismusverband WTTC rechnet bei regelmäßigen langen Wartezeiten mit bis zu 41 Millionen ausbleibenden Ankünften — mit entsprechendem Umsatzausfall für die europäische Touristik.
Kerosinkosten hat TUI für 83 Prozent des Sommerbedarfs abgesichert. Ein ineffizientes Grenzsystem lässt sich nicht hedgen. Die Flexibilitätsklausel der EU-Kommission erlaubt Mitgliedstaaten, EES-Checks in Spitzenzeiten bis zu 90 Tage teilweise auszusetzen — ob und wie konsequent die Länder davon Gebrauch machen, entscheidet sich in den nächsten Wochen direkt im Hochsaisonbetrieb.
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