Tübinger, Klinikum

Tübinger Klinikum setzt auf digitale Therapie für Kinder mit Zwangsstörungen

10.03.2026 - 00:00:24 | boerse-global.de

Das Universitätsklinikum Tübingen behandelt junge Patienten mit Zwangsstörungen per Videokonferenz und forscht mit Sensoren und einem Roboter an einem neuen Therapiekonzept.

Tübinger Klinikum setzt auf digitale Therapie für Kinder mit Zwangsstörungen - Foto: über boerse-global.de
Tübinger Klinikum setzt auf digitale Therapie für Kinder mit Zwangsstörungen - Foto: über boerse-global.de

Das Universitätsklinikum Tübingen erweitert sein Behandlungsangebot für junge Patienten mit Zwangsstörungen. Nach einer ersten Vor-Ort-Sprechstunde finden die Therapiesitzungen nun überwiegend per Videokonferenz statt. Dieser telemedizinische Ansatz soll die Hürden für eine Behandlung senken.

Parallel forscht das Klinikum mit der sogenannten KOALA-Studie an einem innovativen Therapiekonzept. Dabei kommen tragbare Sensoren und spielerische Elemente zum Einsatz. Kinder zwischen vier und zwölf Jahren werden durch eine App und einen interaktiven Koala-Roboter motiviert, sich ihren Ängsten zu stellen.

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Sensoren messen Stress im Kinderzimmer

Die tragbaren Sensoren liefern während der Übungen objektive Daten zum Stresslevel der Kinder. So kann die Therapie individuell angepasst werden. Der große Vorteil: Die Konfrontation mit den angstauslösenden Reizen findet genau dort statt, wo die Zwänge im Alltag auftreten – im eigenen Zuhause.

„Zwänge sind im vertrauten häuslichen Umfeld meist am stärksten“, erklärt Dr. Karsten Hollmann, einer der Projektverantwortlichen. Die direkte Arbeit in diesem Setting verspricht daher einen höheren Therapieerfolg.

Lange Leidenswege bis zur Diagnose

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Etwa ein bis drei Prozent sind betroffen. Die Störung beginnt oft schleichend zwischen dem elften und vierzehnten Lebensjahr.

Viele Kinder schämen sich für ihre aufdringlichen Gedanken oder ritualisierten Handlungen. Sie verheimlichen ihre Symptome aus Angst vor Unverständnis. Fachleuten zufolge vergehen so durchschnittlich zwei bis drei Jahre, bis eine fachgerechte Diagnose gestellt wird. Eine fatale Verzögerung, denn ein früher Therapiebeginn ist entscheidend für den Heilungserfolg.

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Familien als Schlüssel zum Erfolg

Die Ursachen der Erkrankung sind komplex. Genetische Veranlagung, neurobiologische Faktoren und Umwelteinflüsse spielen zusammen. Oft geraten auch Eltern unbewusst in die Zwangsspirale.

Um ihr Kind vor der quälenden Angst zu schützen, übernehmen sie Rituale oder vermeiden bestimmte Situationen. Dieses Verhalten beruhigt kurzfristig, festigt die Störung aber langfristig. Daher ist die Einbindung und Aufklärung der Familie ein zentraler Bestandteil jeder erfolgreichen Therapie.

Bewährte Methode bekommt digitale Unterstützung

Die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung gilt als Behandlung der Wahl. Dabei lernen die Patienten, die auslösende Angst auszuhalten, ohne die Zwangshandlung auszuführen. Das Gehirn erfährt so, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt.

In schweren Fällen können Medikamente wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) die Therapie unterstützen. Der neue Ansatz aus Tübingen digitalisiert und erweitert nun diese bewährte Methode. Gamification-Elemente sollen die Motivation der Kinder erhöhen und die Hemmschwelle senken.

Trendwende in der Kinderpsychiatrie?

Der Vorstoß aus Tübingen spiegelt einen breiteren Trend wider. Auch die Bundespsychotherapeutenkammer erweitert derzeit ihr Curriculum um digitale Therapieformen. Branchenbeobachter sehen darin eine mögliche Wende.

Bislang scheiterte eine konsequente Expositionstherapie oft an praktischen Hürden. Therapeuten konnten ihre Patienten kaum im häuslichen Umfeld begleiten. Videokonferenzen und Sensortechnik schließen diese Lücke. Könnte der digitale Ansatz so auch die langen Wartezeiten auf Therapieplätze verkürzen?

Sollte sich das Tübinger Konzept bewähren, könnten ähnliche Angebote bald bundesweit adaptiert werden. Für betroffene Familien wäre das ein großer Schritt zu schnellerer und alltagsnaher Hilfe.

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