ROUNDUP, Trassenpreise

Trassenpreise steigen 2027 im Schnitt um knapp acht Prozent

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 16:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Gebühren für die Nutzung des deutschen Schienennetzes sollen 2027 im Durchschnitt um 7,9 Prozent steigen.

Die für das Netz zuständige DB InfraGo will bei der Bundesnetzagentur einen Zielerlös von 7,5 Milliarden Euro beantragen, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Im Schienengüterverkehr sollen die Trassenpreise - eine Art Mautgebühr für die Schiene - demnach um 12,9 Prozent steigen, im Schienenpersonennahverkehr um 7,7 Prozent und im Fernverkehr um 5,0 Prozent.

Damit will die InfraGo eine vom Verwaltungsgericht Köln (VG Köln) festgelegte Obergrenze der Gesamtkosten von 8,2 Milliarden Euro nicht ausschöpfen. Das VG Köln hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass die Bahn die Trassenpreise im kommenden Jahr im geplanten Umfang erhöhen und auf die Verkehrsunternehmen umlegen darf. Deutliche Kritik an der Preiserhöhung kam aus den Ländern und von Güterverkehrs-Anbietern.

Trassenpreise steigen weiter

Für 2028 will die InfraGo zunächst einen Zielerlös von 8,6 Milliarden Euro beantragen. Rechnerisch entspräche dies einer durchschnittlichen Erhöhung der Trassenpreise um 15,1 Prozent. Nach Angaben der Bahn handelt es sich dabei um einen vorläufigen Wert, weil unter anderem die Höhe der Instandhaltungsförderung noch nicht feststeht. Sobald die offenen Punkte geklärt seien, solle der Antrag entsprechend nach unten angepasst werden.

Die Bahn-Tochter DB InfraGo ist die Betreiberin des deutschen Schienennetzes. Wer darauf fahren will, muss eine Gebühr an sie zahlen. Die InfraGo finanziert damit unter anderem den Betrieb, die Instandhaltung und Investitionen ins Schienennetz.

Möglicherweise Auswirkungen auf Angebot im Regionalverkehr

Die Gebühr wird pro Kilometer erhoben und fällt für die drei Verkehrsarten Güter-, Fern- und Regionalverkehr unterschiedlich hoch aus. Die jeweiligen Trassenpreise müssen über ein komplexes Verfahren von der Bundesnetzagentur jedes Jahr neu genehmigt werden.

Die höheren Gebühren könnten Auswirkungen auf das Angebot für Fahrgäste im Regionalverkehr haben, denn schon jetzt kämpfen die Unternehmen dort mit stark gestiegenen Kosten etwa bei Personal und Energie. Der Europäische Gerichtshof hat im März die sogenannte Trassenpreisbremse gekippt, durch die die Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr von stark steigenden Trassenpreisen ausgenommen waren.

Kritik von Bayerns Verkehrsminister und Güterbahnen

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter und aktueller Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz kritisierte, die Ankündigung zeige, dass die DB InfraGO immer noch nicht verstanden habe, wie es um den Verkehr auf der Schiene stehe. Gerade der Schienenpersonennahverkehr kämpfe mit steigenden Trassenpreisen und höheren Kosten für Energie und Personal, die stärker ausfielen als die Entwicklung der Regionalisierungsmittel und Fahrgeldeinnahmen, argumentierte der CSU-Politiker. "Weitere massive Trassenpreissteigerungen sind nicht akzeptabel."

Der Bund müsse für Planungssicherheit sorgen, die Entwicklung der Trassenpreise bremsen und vor allem ausreichend Regionalisierungsmittel zur Verfügung stellen. Es gehe um mehrere hundert Millionen Euro, die der Bund ausgleichen müsse: "Leidtragende sind sonst die Fahrgäste, die im schlimmsten Fall mit erheblichen Streichungen im Nahverkehr rechnen müssen."

Güterbahnen: "Folgen trägt der Markt"

Anbieter von Güterverkehr auf der Schiene sprachen von Rekordsteigerungen bei den Trassenpreisen, obwohl die Qualität auf dem Schienennetz weiter sinke. "Eine Reform, die genau diese Probleme beheben sollte, wurde vom Bundesverkehrsministerium bislang nicht angegangen. Die Folgen trägt erneut der Markt", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes "Die Güterbahnen."

"Bei der DB InfraGO steigen die Kosten, bei der Branche die Preise, und das Verkehrsministerium schaut zu, während die Verkehrsunternehmen um das blanke Überleben kämpfen", kritisierte Güterbahnen-Vertreter Oliver Schmock. "Das ist keine Perspektive für einen Verkehrsträger, der eigentlich wachsen soll. Stattdessen ist die Schiene auf dem besten Weg, aus dem Güterverkehrsmarkt gepreist zu werden."

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