Transfergesellschaften, Industriekrise

Transfergesellschaften boomen in der deutschen Industriekrise

05.02.2026 - 06:01:12

Immer mehr deutsche Unternehmen nutzen Transfergesellschaften und Sozialpläne, um Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Eine aktuelle IW-Umfrage zeigt, dass 36% der Firmen Stellenstreichungen für 2026 planen.

Deutsche Unternehmen setzen verstärkt auf soziale Abfederung. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Belastungen nutzen immer mehr Firmen Transfergesellschaften und Sozialpläne, um tiefgreifende Umstrukturierungen zu bewältigen und Massenentlassungen zu vermeiden. Aktuelle Werksschließungen in der Druckbranche unterstreichen diesen Trend. Gleichzeitig prognostizieren zahlreiche Industrieunternehmen für 2026 einen Personalabbau.

Die jüngsten Entwicklungen markieren eine kritische Phase für den deutschen Arbeitsmarkt. Innerhalb der letzten 48 Stunden rückten zwei geplante Schließungen von Zeitungsdruckereien das Thema in den Fokus. Die Bruns Druckwelt GmbH & Co. KG in Minden stellt den Betrieb ein und betrifft damit 89 Festangestellte sowie 60 Minijobber. Ein zentraler Bestandteil der Maßnahme ist die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Ebenfalls schließt der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag sein Werk in Büdelsdorf und verhandelt mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Diese Fälle sind keine Einzelphänomene, sondern Symptom einer breiteren wirtschaftlichen Schieflage.

Das Sicherheitsnetz: So funktionieren Transfergesellschaften

Wenn Unternehmen unvermeidbare Stellenstreichungen vornehmen müssen, bietet die Transfergesellschaft eine Alternative zur direkten Arbeitslosigkeit. Als Kernelement eines mit dem Betriebsrat ausgehandelten Sozialplans schafft sie einen strukturierten Übergang. Beschäftigte wechseln für bis zu zwölf Monate in ein befristetes Beschäftigungsverhältnis bei der Transfergesellschaft.

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Während dieser Zeit erhalten sie Transferkurzarbeitergeld, das größtenteils von der Bundesagentur für Arbeit finanziert wird. Das primäre Ziel ist die Vermeidung von Arbeitslosigkeit durch gezieltes Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und aktive Unterstützung bei der Jobsuche. Die rechtliche Grundlage bilden die Paragrafen 110 und 111 im Dritten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB III). Dieser Prozess ermöglicht es den Betroffenen, von einer Beschäftigungsposition aus nach neuer Arbeit zu suchen – mit deutlich besseren Chancen.

Industrie unter Druck: Jedes zweite Unternehmen plant Stellenabbau

Die zunehmende Nutzung von Transfergesellschaften spiegelt eine düstere Konjunkturprognose wider, besonders im industriellen Kern Deutschlands. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) planen 36 Prozent der befragten Unternehmen für 2026 einen Personalabbau. In der Industrie ist die Lage besonders angespannt: Hier rechnen 41 Prozent der Firmen mit Jobstreichungen. Ein Dienstleister für Transfergesellschaften spricht von einer „tiefen Industriekrise“, die nun voll auf dem Arbeitsmarkt ankomme.

Der Druck zeigt sich branchenübergreifend. Beim Gabelstaplerhersteller Jungheinrich etwa hat die IG Metall kürzlich geplante Proteste ausgesetzt, um sich auf Verhandlungen über die Zukunft des Werks in Lüneburg zu konzentrieren. Im Mittelpunkt stehen ein Interessenausgleich und ein umfassender Sozialplan, der Abfindungen und Unterstützungsmaßnahmen enthalten könnte. Solche Verhandlungen zeigen, wie Sozialpläne zum zentralen Instrument für groß angelegte Unternehmensumbauten geworden sind.

Betriebsräte als entscheidende Verhandler

In der Unternehmenskrise fällt dem Betriebsrat eine Schlüsselrolle zu. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz ist der Arbeitgeber bei wesentlichen betrieblichen Veränderungen wie Werksschließungen zu Verhandlungen verpflichtet. Ziel ist der Abschluss eines Interessenausgleichs und vor allem eines Sozialplans, der die wirtschaftlichen Nachteile für die Belegschaft abfedert.

Die Einrichtung einer Transfergesellschaft ist eines der effektivsten und sozial verantwortungsvollsten Ergebnisse dieser Verhandlungen. Indem Betriebsräte darauf drängen, können sie den Beschäftigten eine Perspektive bieten und den abrupten Sturz in die Arbeitslosigkeit verhindern. Die aktuellen Fälle in der Druckindustrie und die laufenden Gespräche bei Jungheinrich belegen die kritische Funktion dieser Mitbestimmung. Oft unterstützen externe Berater beide Seiten, um einen wirtschaftlich tragfähigen und für die Mitarbeiter optimalen Plan zu erarbeiten.

Proaktives Krisenmanagement statt bloßer Abfindung

Der Einsatz von Transfergesellschaften markiert einen Wandel: weg von rein finanzieller Kompensation wie Abfindungen, hin zu einem proaktiven Ansatz, der auf Wiedereingliederung setzt. Für die Beschäftigten bedeutet das fortlaufendes Einkommen, Sozialversicherungsschutz und wertvolle Zeit für berufliche Neuorientierung in einem sich schnell wandelnden Wirtschaftsumfeld.

Für die Unternehmen ermöglicht dieses Modell, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen, Arbeitskämpfe zu reduzieren und ihr Image in schwierigen Umbauphasen zu wahren. Die Bedeutung von Sozialplänen mit Transfergesellschaften wird voraussichtlich hoch bleiben, während Deutschland wirtschaftliche Transformationen und globale Unsicherheiten bewältigt. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird ein Schlüsselindikator für die Widerstandsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarkts sein – und dafür, ob strukturelle Veränderungen ohne dramatischen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit gemeistert werden können.

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