TotalEnergies: Windpark-Streit mit Reiche
19.06.2026 - 19:50:02 | boerse-global.de
Der Ölmulti will aus einem deutschen Offshore-Windprojekt aussteigen. Die Bundesregierung blockt. Ein neuer Konflikt zwischen Energiekonzern und Politik zeichnet sich ab – mit potenziell hohen Kosten für TotalEnergies.
Die Aktie notiert am Freitag bei 71,20 Euro und legt 2,01 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 26 Prozent. Auffällig: Die jüngsten Kursverluste. Auf Sieben-Tage-Sicht verlor das Papier rund sechs Prozent. Der RSI liegt bei 35 – nahe der überverkauften Zone.
Streit um Windpark vor Helgoland
TotalEnergies wollte seine Offshore-Windkonzession NordseeEnergies 2 zurückgeben. Das 1,5-Gigawatt-Projekt liegt 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Die Begründung: Verzögerte Netzanbindung.
Das Bundeswirtschaftsministerium lehnte ab. Ministerin Katherina Reiche erklärte, die Zusagen aus dem Auktionsverfahren seien bindend. TotalEnergies hatte erst im Juni 2026 einen Antrag eingereicht und zehn Prozent der Gebühr angezahlt. Das Unternehmen prüft nun „Möglichkeiten", ob Verzögerungen entschädigt werden müssen.
Keine neue Bohrung in Französisch-Guayana
Konzernchef Patrick Pouyanné zog einen Schlussstrich unter ein teures Kapitel. Weitere Explorationsbohrungen vor Französisch-Guayana wird es nicht geben. Rund 400 Millionen Euro investierte TotalEnergies dort – ohne kommerziell verwertbare Funde. Die Förderlizenz war bereits Mitte 2019 ausgelaufen. Politische Vorstöße, Bohrverbote in französischen Überseegebieten zu lockern, scheiterten.
Methan-Messung per Drohne
In Westafrika setzt TotalEnergies dagegen auf Technologie. Das Unternehmen verlängerte seine Partnerschaft mit dem nigerianischen Staatskonzern NNPC um 24 Monate. Ziel: Methan-Emissionen reduzieren. Zum Einsatz kommt das AUSEA-Drohnensystem. Es wurde mit dem CNRS und der Universität Reims entwickelt und misst Methan sowie CO2 direkt an den Quellen. Bis 2030 will die Branche „nahe Null" erreichen.
Transaktion mit Folge
Neben den großen Themen gab es eine pflichtgemäße Meldung. Stéphane Michel, Mitglied des Executive Committee, verkaufte außerbörslich 4.126 Aktien. Die Papiere stammten aus einem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm. Der Wert der Transaktion: rund 296.553 Euro.
TotalEnergies bleibt ein Schwergewicht in internationalen Depots. Der Schwab International Dividend Equity ETF hält 4,19 Prozent des Konzerns. Vom 52-Wochen-Hoch bei 81,36 Euro ist die Aktie noch 12,5 Prozent entfernt. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 63,92 Euro – ein Hinweis auf die längerfristige Stärke des Papiers.
Ob der Windkraft-Streit mit Berlin den Kurs weiter belastet, bleibt abzuwarten. Die nackten Zahlen sind klar: Liefert TotalEnergies nicht, drohen Vertragsstrafen oder ein Rechtsstreit.
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