Tomra Systems ASA: Was die Recycling-Aktie jetzt für DACH-Anleger interessant macht
28.02.2026 - 14:14:32 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Tomra Systems ASA, der norwegische Weltmarktführer für Pfand- und Sortierautomaten, steckt nach schwachen Quartalszahlen und gesenkten Erwartungen in einer Neubewertung. Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das spannend, weil Tomra direkt vom Pfandsystem, strengeren EU-Vorgaben und dem Umbau der deutschen Kreislaufwirtschaft abhängt.
Die Aktie hat sich zuletzt spürbar von ihren Höchstständen entfernt, Analysten haben ihre Kursziele teils deutlich überarbeitet. Für Sie als DACH-Anleger stellt sich jetzt die Frage: Ist Tomra eine überverkaufte Qualitätsaktie oder ein Wachstumswert im längeren Umbau? Was Sie jetzt wissen müssen...
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Analyse: Die Hintergründe
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905) ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch Pfandautomaten in Supermärkten bekannt. Praktisch jede größere Filiale von Rewe, Edeka, Lidl, Aldi, Billa, Spar oder Migros verwendet Systeme von Tomra oder einem Wettbewerber, um Einweg- und Mehrwegverpackungen zu sammeln und abzurechnen.
Das Geschäftsmodell ruht im Kern auf drei Säulen:
- Collection Solutions: Rücknahme- und Pfandautomaten, die insbesondere in Deutschland mit seinem dichten Pfandsystem einen großen Markt darstellen.
- Recycling/Sorting Solutions: Optische Sortieranlagen für Recyclingunternehmen und die Abfallwirtschaft, etwa bei Kunststoff-, Metall- und Glasrecycling.
- Food Solutions: Sortierlösungen für die Lebensmittelindustrie, etwa für Kartoffeln, Nüsse oder Tiefkühlgemüse.
Nach einem jahrelangen Wachstumstrend und hoher Bewertung haben zuletzt mehrere Faktoren auf die Aktie gedrückt: Ein schwächerer Auftragseingang in einzelnen Sparten, Investitionszurückhaltung in der Recyclingbranche und Margendruck durch Kosteninflation und hohe Löhne in Europa.
Aktuelle Quartals- und Jahreszahlen, die Sie bei seriösen Quellen wie Reuters und Bloomberg im Detail abrufen können, zeigen: Umsatz und Ergebnis wachsen zwar, aber deutlich langsamer als in der Hochphase des Green-Tech-Booms. Der Markt preist aktuell ein, dass Tomra erst beweisen muss, wieder zu alter Wachstumsdynamik zurückzufinden.
Warum das Tomra-Investment für DACH-Anleger so lokal ist
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Tomra keine abstrakte ESG-Story, sondern buchstäblich im Alltag sichtbar. Mehrere Treiber sind direkt an den deutschsprachigen Raum gekoppelt:
- Deutsches Pfandsystem: Deutschland gilt mit seinem flächendeckenden Einwegpfand und Mehrwegangebot als Blaupause für andere Länder. Die hohe Rückgabequote und steigende Recyclinganforderungen machen Investitionen in moderne Pfandautomaten attraktiv.
- EU-Einwegplastik-Richtlinie und Green Deal: Die EU verpflichtet Mitgliedstaaten zu höheren Sammel- und Recyclingquoten für Kunststoffflaschen und Dosen. Deutschland setzt diese Vorgaben häufig besonders strikt um - das spielt Anbietern wie Tomra in die Karten.
- Österreich und Schweiz in Bewegung: Österreich baut Pfandsysteme weiter aus, in der Schweiz wird intensiv über erweiterte Rücknahmesysteme und strengere Recyclingziele diskutiert. Das eröffnet mittelfristig zusätzliche Projektchancen im DACH-Raum.
Für Ihr Depot im deutschsprachigen Raum ist Tomra damit ein strukturierter Hebel auf die Regulierung: Je strenger Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsregeln in Berlin, Wien und Bern werden, desto größer der adressierbare Markt für Tomra.
Die aktuelle Marktlage: Bewertung, Wachstum, Risiko
Tomra wurde historisch oft mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber klassischen Industrie- oder Maschinenbauwerten gehandelt. Begründung: wiederkehrende Einnahmen aus Service und Wartung, stabile Nachfrage aus regulierten Märkten und ein klarer Nachhaltigkeitsfokus.
Mit dem jüngsten Kursrückgang hat sich das Bild verschoben. Nach Auswertung gängiger Finanzportale wie Finanzen.net und MarketWatch wird Tomra aktuell mit einem deutlich niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt als zu den Hochzeiten des Green-Tech-Hypes, liegt aber immer noch über dem Durchschnitt klassischer Industrieaktien im DAX oder MDAX.
Für Sie als Anleger bedeutet das:
- Die Fantasie ist eingepreist, aber nicht verschwunden: Der Markt glaubt weiter an strukturelles Wachstum, ist aber deutlich skeptischer geworden, was Tempo und Profitabilität angeht.
- Volatilität höher als bei typischen Dividendenwerten: Tomra reagiert sensibel auf Zinsbewegungen und Nachrichten zu Investitionsbudgets in der Recyclingbranche.
- ESG-Qualität bleibt ein Pluspunkt: Viele Fonds in Deutschland, die Artikel-8- oder Artikel-9-Status (SFDR) anstreben, halten an Positionen wie Tomra fest oder bauen bei Kursrückgängen sogar aus.
Was bedeutet das für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Im Vergleich zu einem klassischen DAX-Wert wie etwa einem großen Chemie- oder Automobilkonzern ist Tomra ein fokussierter Spezialist. Das Chancen-Risiko-Profil ist damit anders:
- Für sicherheitsorientierte Anleger: Tomra eignet sich höchstens als kleine Beimischung im ESG- oder Umweltsegment. Die Schwankungen können deutlich über denen breiter Indizes wie DAX oder SMI liegen.
- Für wachstumsorientierte Anleger: Der aktuelle Kursrückgang kann ein Einstiegsfenster eröffnen, setzt aber Vertrauen in das Management voraus, die Margen wieder anzuheben und das Wachstum zu beschleunigen.
- Für Dividendenjäger: Tomra zahlt eine Dividende, die Rendite ist jedoch im Vergleich zu klassischen Dividendenwerten aus dem DACH-Raum (etwa Versicherer oder Versorger) eher moderat.
Ein weiterer Faktor für DACH-Investoren ist die Währungsseite. Tomra bilanziert und notiert in Norwegischen Kronen. Deutsche, österreichische und schweizerische Anleger tragen somit zusätzlich ein Währungsrisiko gegenüber Euro beziehungsweise Schweizer Franken.
Regulierung und Politik: Der stille Kurstreiber
Ein zentrales Argument für Tomra ist die politische Rückendeckung durch Umwelt- und Kreislaufwirtschaftsgesetze. In Deutschland wird das Verpackungsgesetz regelmäßig nachgeschärft, die EU treibt mit dem Green Deal und der Circular Economy Action Plan ambitionierte Ziele voran.
Für das Geschäftsmodell von Tomra sind insbesondere folgende Punkte relevant:
- Pfanderweiterungen: Jede Ausweitung der Pfandpflicht in Deutschland auf zusätzliche Verpackungsarten erhöht den Bedarf an modernen Rücknahmesystemen.
- Rezyklatquoten: Höhere Pflichtanteile von Rezyklat in Getränkeflaschen steigern die Nachfrage nach qualitativ hochwertig sortiertem Material - ein Feld, in dem Tomra-Sortieranlagen stark sind.
- CO2-Bepreisung und Energiepreise: Effizientes Sortieren kann Energie und Kosten sparen, was in Zeiten hoher Strompreise in Deutschland ein Verkaufsargument ist.
Allerdings birgt genau diese Abhängigkeit von Regulierung auch Risiken. Politische Kurswechsel, etwa Verzögerungen bei der Umsetzung auf nationaler Ebene oder industriepolitische Kompromisse, können Projekte verschieben und damit kurzfristig Umsatz und Ergebnis belasten.
So wird Tomra in der DACH-Community diskutiert
In deutschsprachigen Foren, auf YouTube und in Social-Media-Kanälen wird Tomra häufig als typischer "ESG-Favorit" beschrieben, der in der Zinswende an Attraktivität eingebüßt hat. Viele Privatanleger vergleichen die Aktie mit anderen Green-Tech-Namen, die in den letzten Jahren stark korrigiert haben.
Die Diskussion dreht sich vor allem um drei Fragen:
- Ist das Wachstumsmodell intakt? Anleger fragen sich, ob Tomra angesichts der Investitionszurückhaltung in Teilen der Recyclingbranche seine frühere Dynamik zurückgewinnen kann.
- Ist die Bewertung nun attraktiv oder immer noch ambitioniert? In vielen deutschen Aktien-Communities wird Tomra als "Qualitätswert, aber nicht billig" eingeordnet.
- Wie groß ist das Klumpenrisiko Europa? Da ein wesentlicher Teil der Aktivitäten in Europa liegt, stellen sich Anleger im DACH-Raum die Frage, wie stark eine schwache europäische Konjunktur auf Tomra durchschlägt.
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Das sagen die Profis (Kursziele)
Aktuelle Analysteneinschätzungen zu Tomra, abrufbar über Dienste wie Reuters, Bloomberg oder große deutsche Finanzportale, zeichnen ein gemischtes Bild. Der Konsens liegt meist im Bereich "Halten" mit leicht positivem Unterton, die Spanne der Kursziele ist jedoch deutlich auseinandergezogen.
Typische Muster in den jüngsten Studien großer Häuser sind:
- Neutral- bis Halteempfehlungen, mit dem Argument, dass die Bewertung nach dem Kursrückgang wieder näher an den Fundamentaldaten liege, aber noch kein klares Value-Schnäppchen sei.
- Selektive Kaufempfehlungen von Analysten, die stark auf den langfristigen Regulierungs- und Nachhaltigkeitstrend setzen und Tomra als strukturellen Gewinner der Kreislaufwirtschaft sehen.
- Vorsichtigere Einschätzungen von Häusern, die auf die zyklischen Risiken bei Investitionen in Recycling- und Lebensmittelsortierung hinweisen und kurzfristig begrenzte Kurstreiber erkennen.
Wichtig: Kursziele und Ratings unterscheiden sich teilweise deutlich, je nachdem, welches Szenario für Umsatz- und Margenentwicklung angenommen wird. Einige Analysten trauen Tomra mittelfristig eine Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten zu, andere kalkulieren konservativer und sehen die Aktie daher näher am fairen Wert.
Für Sie als Privatanleger im DACH-Raum ergibt sich daraus ein klares Fazit:
- Ohne eigene Szenarioanalyse geht es nicht: Wer Tomra kauft, sollte eine Meinung dazu haben, wie stark Politik, Pfandsysteme und Kreislaufwirtschaft in Europa weitergedreht werden.
- Langfristige Perspektive entscheidend: Kurzfristige Schwankungen und News zu Auftragseingängen werden die Aktie bewegen. Der Investmentcase spielt sich über Jahre, nicht über Quartale ab.
- Breite Diversifikation bleibt Pflicht: Tomra kann ein spannender Baustein in einem nachhaltig ausgerichteten DACH-Depot sein, sollte aber keine übergroße Einzelposition darstellen.
Unterm Strich: Tomra Systems ASA bleibt ein Spezialwert mit klarer Verankerung in der DACH-Realität - von den Pfandautomaten im Supermarkt bis zu EU-Gesetzen im Amtsblatt. Für Anleger, die Regulierung, Nachhaltigkeit und Industrie 4.0 zusammendenken, kann der aktuelle Bewertungsrücksetzer den Einstieg in eine langfristige Story bieten. Wer hingegen auf stabile Dividenden und geringe Schwankungen setzt, findet diese Eigenschaften eher in klassischen Blue Chips im DAX, ATX oder SMI.
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