TK-Studie: Jeder achte Professor erlitt kürzlich ein Burnout
08.03.2026 - 12:21:52 | boerse-global.deEine neue Studie zeigt die dramatischen Folgen von fehlenden Grenzen im Job. Die Techniker Krankenkasse und die LMU München veröffentlichten am Freitag die sogenannte PROFESS-Studie. Sie offenbart eine massive Gesundheitsgefährdung in der Wissenschaft – und ist ein Spiegelbild für viele Wissensberufe.
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Alarmierende Zahlen aus dem Hörsaal
Die Ergebnisse sind erschütternd: Knapp zwei Drittel der über 2.000 befragten Hochschullehrer leiden häufig oder dauerhaft unter erheblichem Stress. Mehr als 85 Prozent sehen ihre Gesundheit durch den Job gefährdet. Der besorgniserregendste Wert: Acht Prozent der Teilnehmer erlitten in den letzten sechs Monaten ein Burnout.
Die Arbeitszeiten erklären diese Zahlen. Im Schnitt arbeiten die Befragten 54 Stunden pro Woche, oft auch an Wochenenden und im Urlaub. „Die Gleichzeitigkeit und der immense Umfang der Aufgaben erzeugen enormen psychologischen Druck“, sagt Forschungsleiterin Yvette Hofmann von der LMU. Rund 40 Prozent geben an, keinerlei Unterstützung von ihrer Institution zu erhalten.
Warum fällt das Nein-Sagen so schwer?
Trotz der offensichtlichen Risiken fällt die Abgrenzung vielen schwer. Arbeitspsychologen führen das vor allem auf Machtgefälle zurück. Die Angst, als unkollegial oder wenig belastbar zu gelten, führt zu einem regelrechten Zustimmungsautomatismus. In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten mit Drohungen von Stellenkürzungen verstärkt sich dieser Effekt noch.
Die Studie zeigt ein Paradoxon in großen Organisationen: Während die Verwaltung effektiv Nein sagen kann, wird der administrative Mehraufwand oft auf die ausführenden Mitarbeiter abgewälzt. Diese kompensieren fehlende Unterstützung mit unbezahlter Mehrarbeit – eine fatale Dynamik.
So gelingt die berufliche Abgrenzung
Karriereberater raten zu einer einfachen Strategie: Nicht sofort zusagen, sondern Bedenkzeit einfordern. Diese Pufferzone erlaubt eine realistische Prüfung der eigenen Kapazitäten. Ein professionell formuliertes Nein wird oft als Zeichen von Verantwortungsbewusstsein gewertet, nicht als Schwäche.
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Auf struktureller Ebene gewinnt das „Recht auf Unerreichbarkeit“ an Bedeutung. Einige europäische Länder haben gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer in der Freizeit vor der Pflicht zur Erreichbarkeit schützen. Solche Vorgaben sollen die ständige digitale Erreichbarkeit durchbrechen – ein Haupttreiber der mentalen Erschöpfung.
Ein volkswirtschaftliches Milliardengrab
Die TK-Ergebnisse fügen sich in einen alarmierenden Gesamttrend. Die DAK-Gesundheit verzeichnete für 2025 einen weiteren Anstieg der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen um 6,9 Prozent. Mit durchschnittlich 19,5 Krankheitstagen pro Kopf bleibt der Krankenstand in Deutschland auf Rekordniveau.
Experten fordern ein Umdenken: Es reicht nicht, die Verantwortung für mentale Gesundheit auf die individuelle Resilienz der Mitarbeiter abzuwälzen. Unternehmen, die Flexibilität fordern, müssen im Gegenzug Strukturen schaffen, die ein Nein ohne Karrierenachteile ermöglichen. Der Vergleich mit Ländern wie Frankreich zeigt: Klare gesetzliche Grenzen können die Arbeitskultur positiv verändern.
Der Kampf um die besten Köpfe entscheidet sich an der Kultur
In Zukunft wird die Fähigkeit, gesunde Arbeitsbedingungen zu garantieren, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Fachkräftemangel. Der Druck auf die Politik, den psychischen Arbeitsschutz zu verschärfen, wird steigen.
Gleichzeitig sind Führungskräfte gefordert, eine Kultur der psychologischen Sicherheit zu etablieren. In dieser muss das Setzen von Grenzen als professionelle Kernkompetenz gelten. Die Studie macht deutlich: Das Festhalten an grenzenloser Leistungsbereitschaft ist weder für die Gesundheit der Beschäftigten noch für die Wirtschaft tragbar.
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