TikTok, US-Verbot

TikTok entgeht US-Verbot durch historischen Eigentümer-Deal

23.01.2026 - 16:24:12

Ein historischer Deal sichert den Fortbestand von TikTok in den USA durch eine mehrheitlich US-kontrollierte Gesellschaft, die nationale Sicherheitsbedenken adressiert.

TikTok bleibt in den USA verfügbar – dank einer neuen, mehrheitlich amerikanisch kontrollierten Gesellschaft. Ein jahrelanger Streit um nationale Sicherheit ist damit vorerst beigelegt.

Die Zukunft der Videoplattform in den USA ist gesichert. Das Unternehmen bestätigte diese Woche den Abschluss eines historischen Deals. Kern ist die Gründung der TikTok USDS Joint Venture LLC, einer neuen Einheit, die den US-Betrieb führen soll. Sie erfüllt damit die Forderungen der US-Regierung, nationale Sicherheitsbedenken gegenüber der chinesischen Muttergesellschaft ByteDance auszuräumen. Über 200 Millionen amerikanische Nutzer und 7,5 Millionen Unternehmen können die App weiterhin ohne Unterbrechung nutzen.

Neue Eigentümerstruktur: 80 Prozent in amerikanischer Hand

Im Zentrum der Einigung steht eine radikale Umstrukturierung der Eigentumsverhältnisse. Künftig halten US-Investoren und -Unternehmen eine beherrschende Mehrheit von 80,1 Prozent an dem Joint Venture. ByteDance behält lediglich 19,9 Prozent – knapp unter der gesetzlichen Obergrenze von 20 Prozent.

Ein Konsortium aus drei Investoren hält gemeinsam 45 Prozent. Dazu zählen der US-Techriese Oracle, der US-Private-Equity-Fonds Silver Lake und die in Abu Dhabi ansässige Investmentfirma MGX. Weitere 35 Prozent gehören einer Gruppe anderer Investoren, darunter das Büro von Dell-Chef Michael Dell. Ein siebenköpfiger, mehrheitlich amerikanischer Aufsichtsrat wird die neue Gesellschaft kontrollieren.

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Oracle als Wächter für Daten und Algorithmen

Ein zentraler Pfeiler des Deals ist das Sicherheitsframework „Project Texas“. Oracle übernimmt dabei die Rolle des vertrauenswürdigen Technologie- und Sicherheitspartners. Alle Daten amerikanischer Nutzer werden künftig in Oracles US-Cloud gespeichert. Das soll den Zugriff ausländischer Akteure verhindern.

Auch der einflussreiche Empfehlungsalgorithmus der Plattform wird neu trainiert und gesichert. Er soll fortan ausschließlich mit US-Nutzerdaten arbeiten und in der Oracle-Cloud gehostet werden. Oracle erhält zudem dauerhaft die Aufgabe, den Quellcode von TikTok zu prüfen und zu validieren. Das gesamte Sicherheitsprogramm unterliegt externen Audits und muss strenge US-Cybersicherheitsstandards einhalten.

Ein jahrelanger Streit findet sein Ende

Die Einigung beendet einen langen Konflikt. 2024 hatte der US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, das ByteDance zum Verkauf seiner US-Geschäfte zwang. Andernfalls drohte ein komplettes Verbot. Die Befürchtung: China könnte ByteDance zwingen, Nutzerdaten herauszugeben oder die Plattform für Einflussnahme zu nutzen.

Nachdem der Oberste Gerichtshof das Gesetz bestätigte, sollte das Verbot im Januar 2025 in Kraft treten. Eine Reihe von Präsidialverfügungen verschob die Frist jedoch mehrfach. Sie ermöglichten die komplexen Verhandlungen über einen qualifizierten Verkauf. Die finale Einigung erfolgte nun termingerecht zum 23. Januar 2026.

Blaupause für die Zukunft?

Die Gründung des TikTok-Joint-Ventures setzt einen bedeutenden Präzedenzfall. Sie zeigt, wie ausländische Tech-Unternehmen mit großen Nutzerzahlen in den USA künftig operieren müssen, um Sicherheitsbedenken zu zerstreuen. Das hybride Eigentumsmodell mit einem tief integrierten US-Technologiepartner könnte zum Vorbild für andere Nationen werden.

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Umsetzung. Die neue Führung unter CEO Adam Presser steht unter enormer Beobachtung. Sie muss die Unabhängigkeit der Plattform und die Wirksamkeit der Sicherheitsmaßnahmen unter Beweis stellen. Die Frage bleibt: Kann die komplizierte Governance-Struktur die Plattform tatsächlich vor ausländischem Einfluss abschirmen – und gleichzeitig das Nutzererlebnis bewahren, das sie zu einem globalen Phänomen gemacht hat?

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